Wirtschaft im Weitwinkel: Der Euro-Raum macht beeindruckende Fortschritte

kolumneWirtschaft im Weitwinkel: Der Euro-Raum macht beeindruckende Fortschritte

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Die griechische Konjunktur erholt sich zaghaft.

Kolumne von Stefan Bielmeier

Im Euro-Raum sorgten zuletzt die fehlende Einigkeit zwischen Nord- und Südeuropa oder die schlechte Wirtschaftslage in vielen Ländern für Schlagzeilen. Doch das Bild hat sich gewandelt, es gibt Positives zu vermelden.

Die Konjunktur im Euro-Raum erholt sich. Und zwar nicht nur in den stabilen Ländern wie Deutschland, Österreich oder den Niederlanden, sondern auch in den vormaligen Krisenländern Südeuropas. Der konjunkturelle Aufschwung ist im Euro-Raum überall spürbar.

So zeigte die aktuelle Umfrage unter den Einkaufsmanagern im Industriebereich, dass der Sektor zuletzt so stark gewachsen ist wie seit rund sechs Jahren nicht mehr. Besonders beeindruckend dabei ist nicht nur, wie positiv die Konjunkturaussichten von den befragten Managern beurteilt werden, sondern dass sich in allen teilnehmenden Ländern eine positive Entwicklung abzeichnet. Dabei überzeugen etwa Spanien und Irland bereits seit rund drei Jahren mit einer durchgreifenden Erholung. Zuletzt haben sich jetzt sogar beim wirtschaftlichen Sorgenkind Griechenland die Wachstumskräfte durchgesetzt, auch wenn der Aufschwung dort noch auf sehr wackeligen Beinen steht.

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Arbeitslosigkeit rückläufig, dennoch große Unterschiede

Die aktuell günstigen Umfragewerte dürfen natürlich nicht darüber hinwegtäuschen, dass die ökonomischen Unterschiede zwischen den einzelnen Euro-Ländern noch enorm groß sind. Das wird vor allem bei einem Blick auf die Arbeitslosenzahlen in Europa deutlich: Insgesamt sinkt die Arbeitslosenquote im Euro-Raum zwar schon seit gut drei Jahren. Aktuell liegt sie mit 9,3 Prozent rund drei Prozentpunkte unter ihrem Krisenhoch von Mitte 2013.

Doch ist die Spannweite zwischen den Euro-Ländern frappierend: Während die Arbeitslosigkeit in Deutschland mit einer Rate von unter vier Prozent (in der Eurostat-Definition) schon annähernd auf Vollbeschäftigung hindeutet, leidet Griechenland noch immer unter einer Beschäftigungslosigkeit jenseits der 20-Prozent-Marke. Auch die großen Euro-Länder Spanien und Italien weisen noch zweistellige Arbeitslosenraten auf.

Ende des Booms Die Zeit des Wachstums ist vorbei

Wachstumsschwäche ist kein Konjunkturproblem, sondern neue Normalität, sagt Reiner Klingholz vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung. Worauf sich Staat, Bürger und Unternehmen einrichten müssen.

Wachstumsraten des Brutto Inland Produkts in Deutschland. Quelle: Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung

Das belegt einmal mehr: Die wirtschaftspolitische „Bedarfslage“ in den einzelnen Ländern des Euro-Raums ist sehr unterschiedlich. Die konjunkturellen Vorreiter wie Deutschland brauchen keine expansive Geld- und Fiskalpolitik mehr, sie kann hier mehr Schaden anrichten als weiteren Nutzen bringen. Das ist naturgemäß in Ländern mit einer hohen Arbeitslosenquote anders. Hier führt schon die Aussicht auf mögliche Zinserhöhungen durch die EZB, selbst wenn sie erst im Jahr 2019 erfolgen sollten, zu Sorgenfalten bei den Politikern.

Dieses Dilemma ist nicht neu, es war allen Beteiligten von Anfang an klar und ist in einer Währungsunion unabhängiger Volkswirtschaften auch unvermeidbar. Es ist in den Jahren seit der Euro-Krise aber viel deutlicher sichtbar geworden. Während die Probleme, die aus einer einheitlichen Geldpolitik in einem heterogenen Euro-Raum erwachsen können, zu Beginn der Währungsunion von vielen Politikern vielleicht eher als eine theoretische Spitzfindigkeit empfunden wurden, so werden sie heute bei der enormen konjunkturellen Spannbreite innerhalb des Währungsraumes als sehr dringend empfunden.

Einheitliche Geldpolitik ersetzt nicht nationale Verantwortung

Es müsste daher nun allen Beteiligten klar sein, dass die einheitliche Geldpolitik nicht die strukturellen Probleme einzelner Länder lösen kann, sie kann den nationalen Politikern die Verantwortung dafür nicht abnehmen. Die Wahl von Emmanuel Macron zum französischen Staatspräsidenten und die große Mehrheit für seine „En Marche“-Bewegung bei den Parlamentswahlen können wohl als Zeichen dafür gewertet werden, dass diese Erkenntnis zumindest in Frankreich auch bei der Bevölkerung angekommen ist.

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