Wirtschaft im Weitwinkel: ETF-Indexfonds gefährden die Finanzmärkte

kolumneWirtschaft im Weitwinkel: ETF-Indexfonds gefährden die Finanzmärkte

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Exchange Traded Funds (ETFs) schwimmen seit Jahren auf einer weltweiten Erfolgswelle.

Kolumne von Stefan Bielmeier

Passive, automatisierte ETF-Fonds erobern die Märkte in Sturm. Doch es wird schnell gefährlich, wenn alle nur noch der Herde folgen.

Exchange Traded Funds (ETFs) schwimmen seit Jahren auf einer weltweiten Erfolgswelle. Ihr Marktanteil wächst und wächst. In Europa ist der Anteil dieser passiven Investmentform von rund 10 Prozent im Jahr 2007 auf über 25 Prozent im Jahr 2016 angestiegen. In den USA und in Asien liegen die Marktanteile inzwischen sogar bereits bei über 40 Prozent. Doch diese Entwicklung ist nicht ungefährlich. Ein zu hoher Marktanteil der ETFs kann die Finanzmarktstabilität bedrohen.

Was genau ist ein Exchange Traded Funds (ETF) eigentlich? Im Gegensatz zu einem aktiv gemanagten, klassischen Fonds sind ETFs passiv gemanagt. Das heißt, der Fond selbst nimmt keinerlei Einfluss auf seine Zusammensetzung. Die Gelder, werden einfach 1:1 entlang ausgewählter Börsenindizes investiert. Die wichtigsten Argumente, die für ein Investment in ETFs sprechen, sind die relativ geringen Kosten, die Diversifikationsmöglichkeiten schon bei relativ kleinem Anlagevolumen und die hohe Transparenz.

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Da sich viele ETFs an Indizes orientieren, sind sowohl die strategische Ausrichtung der Fonds als auch Abweichungen der Performance sehr einfach erkenn- und messbar. Auch auf der Kostenseite besteht eine hohe Transparenz, da die Kosten meist direkt ersichtlich sind und die Vergleichbarkeit mit Konkurrenzprodukten somit sehr hoch ist.

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Mit zunehmendem Erfolg der ETFs wird auch die Kritik an diesen passiven Produkten lauter. Bereits 2011 äußerte sich das Financial Stability Board (FSB) zu möglichen Risiken für die Finanzmarktstabilität. Auch die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, der IWF, die Bank of England und die Europäische Zentralbank haben sich diesem Thema inzwischen gewidmet. Sie alle argumentieren, dass die verstärkte Hinwendung von der aktiven zur passiven Vermögensverwaltung längerfristig größere negative Auswirkungen auf die Effizienz der Kapitalmärkte sowie auf die Finanzmarktstabilität mit sich bringen kann.

Warum? In der Finanzmarkttheorie wird davon ausgegangen, dass der Kurs einer Aktie alle öffentlich zur Verfügung stehenden Informationen widerspiegelt. Das Risiko von passiven Produkten liegt darin, dass Transaktionen ohne Berücksichtigung von Informationen oder einer Analyse des Unternehmens, der Ertragsaussichten und der Bewertung getätigt werden. Wenn nun Aktien unabhängig von neuen Informationen und Analysen gekauft werden, erscheint es fraglich, wie diese eingepreist werden und der Markt langfristig seine Effizienz wahren soll.

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So können Risiken aus der trendfolgenden Eigenschaft von passiven Produkten erwachsen. Indexfonds folgen Markttrends, ohne eigene selektive Anlageentscheidungen zu treffen. Sie müssen bei Mittelzuflüssen Aktien kaufen, die bereits sehr stark gestiegen sind und im Index dadurch ein noch höheres Gewicht erhalten. Auf diese Weise verstärkt das Handeln der ETFs tendenziell die Trends, sowohl in Bullen- als auch in Bärenmärkten.

Der IWF konstatierte bereits im Jahr 2009 „einen deutlichen Anstieg des Herdenverhaltens.“ Anleger, die schon bei kleineren Kursrückgängen ihr Geld abziehen, können den Abwärtstrend ebenso verstärken wie Fondsmanager, die nicht aus der Reihe tanzen wollen oder können. Dies gilt natürlich auch für viele aktive Produkte, besonders wenn diese nahe der Benchmark gemanagt werden. Allerdings kann der aktive Manager auch gegen den Trend handeln, der passive hingegen muss dem Trend folgen. Dadurch besteht das Risiko, dass passive Produkte sowohl Blasen als auch Krisen verstärken.

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