Wirtschaft im Weitwinkel: Für die Zinswende brauchen wir Anleihekäufe

kolumneWirtschaft im Weitwinkel: Für die Zinswende brauchen wir Anleihekäufe

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Es ist also für die EZB ist es an der Zeit, ihre ultra-expansive Geldpolitik zurückzuführen.

Kolumne von Stefan Bielmeier

Die Europäische Zentralbank sollte ihre ultra-expansive Geldpolitik aufgeben. Aber das ist nicht einfach. Warum es nur mit rascher Anhebung der Leitzinsen bei sehr langsam reduzierten Anleihekäufen gelingen wird.

Im Juli 2012 senkte die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Einlagensatz auf Null Prozent. Knapp zwei Jahre später erreichte er mit minus 0,1 Prozent das erste Mal negatives Terrain. Seitdem müssen die Geschäftsbanken der Eurozone einen „Strafzins“ dafür zahlen, wenn sie überschüssige Liquidität bei ihrer Zentralbank parken. Drei Monate später, im September 2014, senkten die Währungshüter den Einlagensatz ein weiteres Mal auf minus 0,2 Prozent, im Dezember 2015 dann auf minus 0,3 Prozent und schließlich im März 2016 auf aktuell minus 0,4 Prozent.

Im März des vergangenen Jahres wurde auch der Hauptrefinanzierungssatz auf Null Prozent zurückgenommen. Die Geschäftsbanken des Euroraumes erhalten also nun die benötigte Zentralbankliquidität in den normalen Tendergeschäften, ohne dafür Zinsen bezahlen zu müssen. Spätestens seit dieser Zeit liegen die Geldmarktzinsen und ein beträchtlicher Teil der Kapitalmarktrenditen im Euroraum im negativen Bereich – eine für Schuldner und Investoren anfangs gleichermaßen irritierende Situation.

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Die EZB hat sich zu dieser Politik entschlossen, um vermeintlichen Deflationsgefahren zu begegnen, einen weiteren Verfall der Inflationserwartungen zu verhindern und die Teuerung in der Eurozone wieder in einen Bereich von „unter, aber nahe zwei Prozent“ zu bringen. Willkommene Nebeneffekte einer solchen Politik waren die Stabilisierung der Konjunktur in der Eurozone, eine Schwächung des Euros gegenüber anderen Währungen sowie eine Unterstützung für die unter hoher Schuldenlast ächzenden Staaten des Euroraumes.

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Die mit dieser Niedrig-, Null- und Negativzinspolitik verbundenen Hoffnungen haben sich aber nur teilweise erfüllt. So hatte die Politik der EZB bislang nur sehr geringe realwirtschaftliche Effekte. Die Inflationserwartungen sind zwar angestiegen, der eigentliche Anstieg der Teuerung geht aber auf den Basiseffekt des Ölpreises zurück, während die Kernrate hingegen weitgehend konstant verläuft.

Die Nullzinspolitik und die negativen Einlagenzinsen haben aber zugleich für das Bankensystem negative Effekte. Negativzinsen können und sollen nicht unmittelbar an die Kunden weitergegeben werden, so dass die Zinsspanne der Banken unter Druck geraten ist. Hinzu kommt zunehmend auch ein psychologischer Effekt bei den Menschen. Der Zins ist der Preis des Geldes, und wenn dieser bei Null liegt oder negativ ist, zeigt das, dass Geld nichts wert ist, was langfristig die Glaubwürdigkeit der Geldpolitik und der EZB untergräbt.

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Mittlerweile wird immer klarer, dass die eigentlich positive Wirkung der EZB-Politik über das Kaufprogramm für Anleihen kommt. Dies hat spürbare Effekte auf das Renditeniveau am Kapitalmarkt und auf die Rendite-Differenz von Staaten und Unternehmen gegenüber dem risikolosen Zins, die sogenannten Credit Spreads. Sinkende Renditen und die Einengung der Spreads führten natürlich auch zu positiven Bewertungseffekten in den Bankbilanzen, was für „Windfall-Profits“, also eher zufällige Gewinne sorgte und damit zur Stabilisierung des Bankensystem im Euroraum beigetragen hat.

Diese positive Wirkung auf das Bankensystem läuft nun aber langsam aus. Der aus der Mikroökonomik bekannte Grenznutzen nimmt ab, da weitere signifikante Spreadeinengungen ökonomisch widersinnig und nur unter hohem Aufwand (nochmals massive Ausweitung des Kaufprogramms) zu erreichen sind.

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