Wirtschaft im Weitwinkel: Von Überschüssen, Handelsschranken und unnötige Fiskalprogrammen

kolumneWirtschaft im Weitwinkel: Von Überschüssen, Handelsschranken und unnötige Fiskalprogrammen

Kolumne von Stefan Bielmeier

Seit Freitag ist Trump der 45. Präsident der Vereinigten Staaten. Ganz oben auf seiner To-Do-Liste stehen die Ungleichgewichte im internationalen Handel. Unverhohlen droht Trump, hohe Strafzölle zu verhängen. Doch Vorsicht: Strafzölle sind kein geeignetes Instrument, um Ungleichgewichte im internationalen Handel zu bekämpfen. Diese Erfahrung musste in den 80er Jahren bereits Ronald Reagan machen.

Noch vor Amtsantritt hatte Trump die Verhängung von Strafzöllen in Höhe von 45 Prozent gegen chinesische Einfuhren angedroht. Schließlich haben sich die chinesischen Exporte in die USA seit dem Jahr 2000 von damals rund 100 Milliarden Dollar bis zum Jahr 2015 in ihrem Wert verfünffacht. Das Defizit im US-Handel mit dem Reich der Mitte allein macht mittlerweile rund zwei Drittel des gesamten Leistungsbilanzdefizits der USA in Höhe von etwa 500 Mrd. US-Dollar aus.

Das – nach China – zweithöchste Defizit im Außenhandel verzeichnen  die USA im Güteraustausch mit Deutschland. Hier hat sich das US-Defizit seit dem Jahr 2000 immerhin verdreifacht, auf nunmehr knapp 80 Milliarden US-Dollar. Diese Tatsache allein hätte schon ausgereicht, um Nervosität auf Seiten der deutschen Ausfuhrwirtschaft aufkommen zu lassen. Dazu kommen nun noch Trumps aktuelle Vorwürfe gegen die deutschen Autobauer, die zu den fleißigsten Exporteuren in die Vereinigten Staaten gehören. Kein Wunder, dass die Alarmglocken in Deutschland nun schrillen.

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Dabei steht Deutschland nicht nur im Handel mit den USA, sondern auch auf breiter internationaler Ebene schon länger wegen seiner hohen Leistungsbilanzüberschüsse in der Kritik. Im Jahr 2016 dürfte der gesamte Überschuss in der deutschen Leistungsbilanz erstmals bei rund 275 Milliarden Euro gelegen haben. Das  entspricht 8,8 Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung und stellt nicht nur im internationalen Vergleich, sondern auch mit Blick auf die letzten 40 Jahre in Deutschland ein Rekordergebnis dar.

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Trump will die USA abschotten, die Briten verabschieden sich von Europa. Ist das der Beginn einer Weltwirtschaft ohne Freihandel? Und wie besteht Deutschland in dieser Deal-Economy?

Weltwirtschaft: Der Freihandel ist bedroht. Hält der Exportweltmeister das aus? Quelle: Foto: Getty Images, Illustration: Dmitri Broido

Stehen die Deutschen wegen ihrer hohen Überschüsse im Außenhandel zu Recht in der Kritik? Im Wesentlichen beruht das Plus in der deutschen Leistungsbilanz tatsächlich auf der Exportstärke der deutschen Industrie. Sie ist der wichtigste Grund, warum die deutsche Wirtschaft erheblich mehr Waren exportiert, als sie importiert, und der resultierende Überschuss in der Handelsbilanz ist zu rund 90 Prozent für das Plus in der umfassenderen Leistungsbilanz verantwortlich.

Nun war aber 2016 eigentlich kein sehr gutes Exportjahr für die deutschen Unternehmen, vor allem weil der Welthandel derzeit eine Durststrecke durchläuft und zuletzt kaum noch zulegen konnte. Dass der deutsche Handelsbilanzsaldo sich in den letzten zwei Jahren trotzdem noch einmal ausgeweitet hat, lag vor allem am Sinkflug der Energiepreise. Denn Öl und Gas sind seit 2013 auf dem Weltmarkt wesentlich günstiger geworden, und so hat sich die Rechnung für die deutschen Energieimporte in den letzten Jahren fast halbiert. Bereinigt man die deutsche Handelsbilanz um diesen Preiseffekt, so verschwindet die viel kritisierte Ausweitung des Saldos fast vollständig.

Dieses Argument zählt jedoch offensichtlich nicht, wenn Deutschland mit seinem hohen Leistungsbilanzüberschuss aktuell wieder einmal am Pranger steht. Internationaler Währungsfonds, OECD und EU-Kommission fordern von der deutschen Regierung Fiskalprogramme, um die deutsche Binnenkonjunktur anzufeuern und so die Importnachfrage anzuregen. Das könnte, so die Kalkulation, vor allem den europäischen Handelspartnern helfen, ihre wirtschaftliche Lage zu verbessern.

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