Wirtschaftsaufschwung: Gewagte Prognose der fünf Weisen

KommentarWirtschaftsaufschwung: Gewagte Prognose der fünf Weisen

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WirtschaftsWoche-Redakteur Bert Losse

von Bert Losse

2011 löst der Konsum den Export als Wachstumslokomotive ab, sagen die fünf Wirtschaftsweisen. Ist das wirklich realistisch? Und wie nachhaltig ist der Konjunkturboom eigentlich? Ein Kommentar von Bert Losse.

Es gab eine Zeit, da mussten Konjunkturjournalisten ihren Lesern nahezu jeden Tag neue Hiobsbotschaften verkünden. Während der großen Krise krachten so ziemlich alle wirtschaftlichen Indikatoren nach unten, die professionellen Prognostiker überboten sich mit Horrorszenarien, und dann flog uns auch noch die Währungsunion fast um die Ohren. Jetzt im Aufschwung ist es genau anders herum.  Der Arbeitsmarkt boomt, die Preise sind ebenso stabil wie der Euro, der Export hat zum neuen Höhenflug angesetzt, viele Unternehmen verdienen wieder gutes Geld.

Insgesamt könnte die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr so stark wachsen wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr, schreibt der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (SVR) in seinem neuen Jahresgutachten. Die „Fünf Weisen“ sagen einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von stolzen 3,7 Prozent voraus. 2011 erwarten sie immerhin noch 2,2 Prozent. Die Überraschung dabei: Als Konjunkturlokomotive sehen sie dann nicht mehr den Export, sondern den privaten Konsum. Dieser legt nach Ansicht der Ökonomen 2011 um 1,6 Prozent zu – dies wäre der höchste Wert seit der Jahrtausendwende.

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Die Konjunktureuphorie nicht übertreiben

Bei aller Liebe zu positiven Nachrichten: Wir sollten es mit der Konjunktureuphorie nicht zu weit treiben. Die weltweite Schuldenkrise ist noch lange nicht ausgestanden. Die Inflationsgefahr dürfte schon bald drastisch zunehmen. Der Aufschwung am Arbeitsmarkt ist real – aber rund 50 Prozent der neuen Jobs sind nur befristet. Darauf zu hoffen, dass vor diesem Hintergrund der deutsche Konsument 2011 sein Portemonnaie öffnet und massenhaft Autos, Wein, Mäntel und Schrankwände kauft, ist ziemlich mutig. Bisher jedenfalls sind die Verbraucher noch nicht in Fahrt gekommen - im Super-Wachstumsjahr 2010 dürfte der private Konsum nur um mickrige Prozentzahlen hinter dem Komma zulegen.

Ob der erhoffte Konsumschub durch eine expansive Lohnpolitik herbeigeführt werden kann, ist auch noch nicht ausgemacht. Die „Fünf Wirtschaftsweisen“ sagen bei den Löhnen für 2011 einen Zuwachs von 2,8 Prozent voraus. Die größte deutsche Wirtschaftsbranche, die Metall- und Elektroindustrie, verhandelt aber erst 2012 wieder um Tarife. Und die nächste größere Tarifrunde (im öffentlichen Dienst der Länder)  dürfte auch keinen kräftigen Schluck aus der Pulle bringen. Dafür gebe es finanziell „keinen Spielraum“, sagt der Verhandlungsführer der Bundesländer, Hartmut Möllring.

Freuen wir uns also an den aktuell guten Nachrichten. Und richten uns darauf ein, dass bald auch wieder schlechtere kommen.

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