Wirtschaftsausblick: Der IWF warnt

ThemaKonjunktur

Wirtschaftsausblick: Der IWF warnt

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Die Euro-Zone muss sich längerfristig auf ein schwaches Wirtschaftswachstum einstellen, prognostiziert der IWF.

Der Internationale Währungsfonds fordert die Nationalstaaten weltweit auf, mehr für Wirtschaftswachstum zu tun. Dies gelte besonders für Europa. Sorgen bereiten dem IWF auch die Griechen.

Die Eurozone muss sich nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) längerfristig auf ein schwaches Wirtschaftswachstum einstellen. Zwar habe sich die Konjunktur in der Region zuletzt erholt, aber für die Zukunft gebe es derzeit kaum Aussichten auf eine weitere Verbesserung, heißt es in der aktuellen IWF-Prognose für die Weltwirtschaft, die am Dienstag in Washington veröffentlicht wurde.

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Auf kurze Sicht erhöhte der IWF allerdings seine Prognose für die Eurozone. Für dieses Jahr erwartet der Währungsfonds ein Wachstum von 1,5 Prozent, im kommenden Jahr sollen es 1,6 Prozent sein. 2014 hatte die Wirtschaft lediglich um 0,9 Prozent zugelegt, im Jahr zuvor war der Währungsraum noch in der Rezession.

Auch für Deutschland verbesserte sich die Prognose auf 1,6 Prozent in diesem und 1,7 Prozent im kommenden Jahr. Die Werte sind 0,3 und 0,2 Prozentpunkte höher als in der Januar-Schätzung.

Konjunkturindikatoren

  • ZEW-Konjunkturerwartungen

    Der vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) herausgegebene Index beruht auf der Befragung von 350 Analysten und Finanzmarktexperten. Sie geben dabei ihre Einschätzung über die künftige Wirtschaftsentwicklung ab. Der Index zur mittelfristigen Konjunkturentwicklung ergibt sich aus der Differenz der positiven und negativen Erwartungen über die künftige Wirtschaftsentwicklung. Er wird zur Monatsmitte erhoben.

  • ifo-Index

    Der international beachtete Index basiert auf einer Befragung von etwa 7000 Unternehmen aus Bau, Einzelhandel und Industrie. In einem Fragebogen beurteilen sie ihre gegenwärtige Geschäftslage sowie die Erwartungen für die Zukunft. Beide werden im Geschäftsklima zusammengefasst. Der Index ergibt sich aus dem Saldo der Antworten gut und schlecht.

  • Einkaufsmanagerindex

    Wird von der britischen Forschergruppe Markit erhoben. Er beruht für Deutschland auf Umfragen unter Einkaufsmanagern von 500 repräsentativ ausgewählten deutschen Industrieunternehmen. Bestandteile des Index sind Auftragseingänge, Preise und Beschäftigung. Der Index hat einen relativ kurzen Vorlauf gegenüber der Produktion.

  • Geldmenge (M1)

    Umfasst den Bargeldumlauf und die Sichteineinlagen, wie zum Beispiel Sparbücher. Da die in M1 enthaltenen Bestandteile direkt für Transaktionen zur Verfügung stehen, deutet ein Anstieg darauf hin, dass die Kaufbereitschaft der Konsumenten und Unternehmen steigt. Der Indikator hat einen Vorlauf von zwei bis drei Quartalen.

     

  • Baltic Dry Index (BDI)

    Der BDI ist ein Preisindex für die Verschiffungskosten wichtiger Rohstoffe wie Stahl, Eisenerz, Kohle und Getreide auf Standardrouten. Er wird durch das Angebot an frei stehendem Schiffsladeraum und die Hafenkapazitäten beeinflusst. Da Rohstoffe als Vorprodukte am Anfang der Wertschöpfungskette stehen, ist der BDI ein guter Frühindikator für die Weltkonjunktur.

  • GfK-Konsumklimaindex

    Der Index des Nürnberger Marktforschungsinstituts GfK prognostiziert die Veränderung der monatlichen privaten Konsumausgaben. Hierfür werden 2000 repräsentativ ausgewählte Personen nach ihren Einkommens- und Konjunkturerwartungen befragt.  

     

Wie die andere wichtige Wirtschaftsräume habe die Eurozone überraschend stark von dem niedrigen Ölpreis profitiert, erklärte der IWF. Die Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank hätten ebenfalls einen positiven Effekt. Ein deutlich verteuerter Dollar habe zudem der Exportwirtschaft geholfen. Produkte aus dem Euroraum werden dadurch auf wichtigen Märkten wie den USA billiger. Das erhöht die Absatzchancen.

Selbst Euro-Länder wie Griechenland, Spanien, Frankreich und Italien verzeichnen laut dem IWF 2015 und 2016 ein ansehnliches Plus beim Bruttoinlandsprodukt. Nahezu überall in der Eurozone werde die Arbeitslosigkeit sinken.

Die längerfristig dennoch gedämpften Wachstumsaussichten begründete der IWF vor allem mit der zurückliegenden Euroschulden-Krise. Viele Euro-Staaten und Haushalte kämpften weiter mit hohen Schulden. Investoren seien noch immer pessimistisch und trauten sich nicht, ihr Geld einzusetzen. Auch flößen Kredite weiterhin zu langsam, weil die Banken durch Altlasten in den Bilanzen insgesamt nicht stabil genug seien. Hinzu kämen Unsicherheiten durch Krisen wie in Russland, der Ukraine – oder der Schuldenstreit mit Griechenland.

Der Chefökonom des IWF, Olivier Blanchard, hat vor Turbulenzen an den Finanzmärkten bei einem Scheitern der Schuldenverhandlungen mit Griechenland gewarnt. „Eine griechische Krise kann nicht ausgeschlossen werden - es wäre ein Ereignis, dass Finanzmärkte erschüttern könnte“, sagt Blanchard am Dienstag in Washington. In seiner Wirtschaftsprognose geht der IWF jedoch nicht davon aus.

Aber: „Die Erwartung eines geringeren Wachstumspotenzials schwächt bereits heute Investitionen“, sagte Blanchard. Der Währungsfonds fordert daher unter anderem mehr öffentliche Investitionen, um die Wachstumschancen in Europa zu vergrößern. Dadurch würden neue Arbeitsplätze geschaffen, die Bürger hätten die Chance, mehr zu konsumieren und ihre Schulden zurückzuzahlen und die Inflation würde anziehen.

Weltweit rechnet der IWF in diesem Jahr mit einem Wachstum von 3,5 und 2016 mit 3,8 Prozent. In den beiden Vorjahren lag es bei 3,4 Prozent. Besser als zuletzt stünden die großen Volkswirtschaften da, während die Konjunktur in Entwicklungs- und Schwellenländern etwas nachgelassen habe. Die russische Wirtschaft werde in diesem Jahr um 3,8 Prozent schrumpfen und damit deutlich stärker als erwartet. Brasilien rutsche in die Rezession, sagte der IWF voraus.

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