
Wegen der extrem großen Unsicherheiten sei es nicht sinnvoll, eine qualitative Prognose für das nächste Jahr vorzulegen, teilten die Berliner Forscher mit.
Seit der Verschärfung der Finanzkrise liefen die Prognosen der Entwicklung hinterher, sagte DIW-Chef Klaus Zimmermann. „Sämtliche Prognostiker - das DIW Berlin inbegriffen - haben die Entwicklung in all ihrer Dramatik so nicht vorausgesehen.“
Zimmermann hatte bereits im Dezember für den zeitweiligen Verzicht auf Wachstumsprognosen plädiert, um nicht mit ständig neuen Zahlen zur Verwirrung beizutragen. Der DIW-Chef merkte an, die Erwartungen an Ökonomen seien in der derzeitigen Situation hoch. Es sei jedoch festzustellen, dass frühzeitige Empfehlungen aus der Wissenschaft zur Beherrschung der Finanzkrise „bis heute von der Politik nicht umgesetzt worden“ seien, etwa eine rasche Neuregelung des Finanzsektors, die Schaffung von Bad Banks und die Staatsbeteiligung an Banken.
DIW: In der Vergangenheit optimistischer als andere
Das DIW lieferte zugleich eine Erklärung dafür, warum Konjunkturforscher den abrupten Konjunktureinbruch nicht früher erkannt haben. Demnach stoßen die verfügbaren Strukturmodelle, die in normalen Zeiten verlässliche Prognosen liefern, bei historischen Wachstumseinbrüchen „an die Grenze des Machbaren“. Auch die Wirkungen von Immobilien- und Finanzblasen auf die Realwirtschaft, die zudem von Stimmungen und Erwartungen überlagert würden, seien noch nicht vollständig untersucht.
Im Fall Deutschlands seien die meisten Prognosen schon deshalb nicht eingetreten, weil der konjunkturelle Wendepunkt falsch eingeschätzt worden sei, heißt es beim DIW. Investitionen und Beschäftigung hätten bis in den Herbst zugenommen. „Das Gefahrenpotential, das sich infolge der Probleme auf den Finanz- und Immobilienmärkten zusammenbraute, wurde unterschätzt“, resümierte das Institut.
Im Januar sagte das DIW für das laufende Jahr ein Schrumpfen der Wirtschaftsleistung um 1,1 Prozent und für 2010 ein Wachstum von 1,1 Prozent voraus, aktualisierte Zahlen für 2009 sollen morgen vorgelegt werden. Dabei dürfte die Prognose deutlich gesenkt werden: In der Reuters-Quartalsumfrage, die in der vergangenen Woche vorgelegt wurde, prognostizierte das DIW ein Schrumpfen der Wirtschaftsleistung von 4,8 Prozent in diesem Jahr und ein Wachstum von 0,3 Prozent für 2010.













