Wirtschaftswachstum: Deutsche Konjunktur bäumt sich zum letzten Mal auf

Wirtschaftswachstum: Deutsche Konjunktur bäumt sich zum letzten Mal auf

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Die deutsche Wirtschaft ist im ersten Quartal stark gewachsen - doch die Aussichten für 2008 sind trübe.

Damit hatten auch die größten Optimisten nicht gerechnet: Um satte 1,5 Prozent ist die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal gewachsen. Doch das Rekordwachstum ist eher ein letztes Aufbäumen der Konjunktur. Der herbe Abschwung steht bereits vor der Tür.

Um ganze 1,5 Prozent legte das deutsche Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal zu, nach nur 0,3 Prozent im Vorquartal – das ist das stärkste Quartalswachstum seit Frühjahr 1996. Die Experten hatten im Schnitt nur mit einem Plus von 0,7 Prozent gerechnet. Schon werden die ersten Prognosen für das Gesamtjahr wieder angehoben: Die Ökonomen der Dresdner Bank rechnen jetzt mit 2,4 Prozent statt zuvor 1,8 Prozent, die der DekaBank erhöhten ihre Prognose von 1,6 auf 2,1 Prozent. Können Finanzmarktkrise und Abkühlung der Weltkonjunktur, Euro-Stärke und Ölpreishoch der deutschen Wirtschaft also doch nichts anhaben?

Zwar gibt das Statistische Bundesamt die Details zu den Wachstumszahlen erst in zwei Wochen bekannt, klar ist aber schon jetzt: Es dürfte wohl eher ein letztes Aufbäumen der Konjunktur gewesen sein. Denn mehrere Sondereffekte haben das Wachstum des ersten Quartals nach oben verzerrt.

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Zum einen hat der milde Winter eine kräftige Bautätigkeit ermöglicht. Dadurch dürfte das Wachstum um 0,5 Prozentpunkte höher ausgefallen sein, schätzt Jörg Krämer, Chefökonom der Commerzbank. Dafür wird aber die sonst übliche Frühjahrsbelebung am Bau dieses Jahr weitgehend ausfallen.

Zum anderen haben wohl auch die Investitionen in Ausrüstungen wie Maschinen oder Computer kräftig zum Wachstum beigetragen. Das dürfte aber vor allem daran liegen, dass Ende vergangenen Jahres die von der Bundesregierung vor zwei Jahren erlassenen Abschreibungsvergünstigungen ausgelaufen sind. Die Unternehmen haben also notwendige Investitionen vorgezogen, um davon noch zu profitieren – wachstumswirksam wurde dies aber offenbar erst Anfang des laufenden Jahres.

Auch dieser Effekt dürfte also nicht mehr lange anhalten. Und schließlich vermuten Experten, dass die Unternehmen im ersten Quartal auch kräftig auf Lager produziert haben – was wiederum das Wachstum in naher Zukunft belasten wird, weil die Nachfrage dann aus der schon geleisteten Produktion bedient werden kann.

Man kann es also drehen und wenden, wie man will: Nach dem Superquartal, das eigentlich gar keines war, wird es einen herben Rückschlag geben. Viele Experten halten es sogar für wahrscheinlich, dass die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal schrumpft.

Und auch die weiteren Aussichten sind nicht besonders rosig. So ging der Auftragseingang der Industrie im März zum dritten Mal in Folge zurück, im gesamten ersten Quartal steht jetzt ein Orderminus von 1,3 Prozent zu Buche. Woran das liegt, ist klar: Weltweit trübt sich die Konjunktur ein und der Euro segelt weiter auf Rekord-Kurs was den deutschen Export mehr und mehr belastet. Gleichzeitig machen die Deutschen trotz sinkender Arbeitslosigkeit und hoher Lohnabschlüsse bisher kaum Anstalten, mehr zu konsumieren und so die Konjunktur am Laufen zu halten. Zu sehr schmerzen offenbar die zusätzlichen Euros, die angesichts hoher Inflationsraten tagtäglich an der Tankstelle oder im Supermarkt liegen bleiben.

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