Wirtschaftswachstum: Die Kehrseite des Booms

KommentarWirtschaftswachstum: Die Kehrseite des Booms

von Malte Fischer

Nun ist es amtlich: Die deutsche Wirtschaft ist im vergangenen Jahr um 3,6 Prozent gewachsen - so stark wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr. Auch für dieses Jahr zeichnet sich ein hohes Wachstum ab. Doch der Preis für den Boom ist eine höhere Teuerungsrate. Ein Kommentar von Malte Fischer.

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Wirtschaft

Deutschlands Wirtschaft boomt. Die Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts von 3,6 Prozent, die das Statistische Bundesamt heute für das Jahr 2010 bekannt gegeben hat, liegt weit über dem Produktionspotenzial, das Ökonomen bei etwa 1,5 Prozent ansiedeln. Das ist das Wachstum, das die Wirtschaft bei Normalauslastung ihrer Kapazitäten erreicht. Die Produktionslücke, die Differenz zwischen  dem Bruttoinlandsprodukt bei Normalauslastung und dem tatsächlichen Bruttoinlandsprodukt, sinkt also, die Kapazitätsauslastung steigt. 

Den größten Beitrag zum Wachstum haben – mal wieder – die Exporte geliefert, die 2010 um 14,2 Prozent zulegten. Insgesamt gingen 1,1 Prozentpunkte des gesamtwirtschaftlichen Wachstums auf den Außenhandel zurück. Mittlerweile ist der Funke auf die Binnenkonjunktur übergesprungen, wie das kräftige Plus von 9,4 Prozent bei den Ausrüstungsinvestitionen und von 2,8 Prozent bei den Bauinvestitionen zeigt. Die Lagerinvestitionen trugen mit 0,8 Prozentpunkten überdurchschnittlich zum Wachstum der Wirtschaft bei.

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Doch die eigentlich positive Nachricht kommt vom privaten Konsum. Im vergangenen Jahr steigerten die Verbraucher ihre Ausgaben um 0,5 Prozent. Das klingt nicht gerade überwältigend.  Doch nach dem Minus vom Vorjahr zeichnet sich beim Konsum endlich der Auftakt zu einem länger anhaltenden Aufwärtstrend ab. Die Unternehmen stellen wieder mehr Arbeitskräfte ein und die Gewerkschaften fordern einen kräftigen Schluck aus der Lohnpulle.

Konsumlaune steigt

Der sich abzeichnende kräftige Anstieg der verfügbaren Einkommen hebt die Konsumlaune der Bürger. Die Ökonomen der italienischen Bank UniCredit erwarten  für dieses Jahr einen Zuwachs des privaten Konsums um 2 Prozent. Insgesamt könnte die deutsche Wirtschaft 2011 um bis zu drei Prozent wachsen. Das wäre das zweite Boomjahr in Folge.

So schön diese Aussichten sind – sie haben auch ihre Kehrseite. Wenn sich die Produktionslücke schließt und die Kapazitätsauslastung erhöht, haben die Unternehmen wieder mehr Spielräume, die Absatzpreise für ihre Produkte zu erhöhen. Im Dezember lag die Inflationsrate bereits bei 1,7 Prozent, mehr als doppelt so hoch wie zu Jahresbeginn. Noch beschränkt sich der Preisauftrieb vor allem auf die Energieprodukte und die Nahrungsmittel.

Doch spätestens wenn die Löhne anziehen, steigen die Kosten für die Unternehmen auf breiter Front. Dann werden auch die Preise für nahezu alle Güter und Dienstleistungen anziehen. Gut möglich also, dass sich der Preisauftrieb schon im Verlaufe dieses Jahres in Richtung 2,5 Prozent bewegt. Die Zeiten niedriger Inflation sind jedenfalls fürs Erste vorbei.

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