Wirtschaftswachstum: Gabriel erhöht die Prognose - und warnt

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Wirtschaftswachstum: Gabriel erhöht die Prognose - und warnt

Die deutsche Wirtschaftsleistung wird 2015 und 2016 um jeweils 1,8 Prozent wachsen. Davon geht die Bundesregierung aus. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel mahnt dennoch - aus guten Gründen.

Die Bundesregierung erwartet für dieses und nächstes Jahr ein deutlich stärkeres Wachstum als zunächst prognostiziert. 2015 und 2016 sei ein Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von jeweils 1,8 Prozent zu erwarten, erklärte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel am Mittwoch. Die deutsche Wirtschaft befinde sich im Aufschwung. In beiden Jahren sei mit einer soliden Zunahme des deutschen Exports zu rechnen.

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Konjunkturindikatoren

  • ZEW-Konjunkturerwartungen

    Der vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) herausgegebene Index beruht auf der Befragung von 350 Analysten und Finanzmarktexperten. Sie geben dabei ihre Einschätzung über die künftige Wirtschaftsentwicklung ab. Der Index zur mittelfristigen Konjunkturentwicklung ergibt sich aus der Differenz der positiven und negativen Erwartungen über die künftige Wirtschaftsentwicklung. Er wird zur Monatsmitte erhoben.

  • ifo-Index

    Der international beachtete Index basiert auf einer Befragung von etwa 7000 Unternehmen aus Bau, Einzelhandel und Industrie. In einem Fragebogen beurteilen sie ihre gegenwärtige Geschäftslage sowie die Erwartungen für die Zukunft. Beide werden im Geschäftsklima zusammengefasst. Der Index ergibt sich aus dem Saldo der Antworten gut und schlecht.

  • Einkaufsmanagerindex

    Wird von der britischen Forschergruppe Markit erhoben. Er beruht für Deutschland auf Umfragen unter Einkaufsmanagern von 500 repräsentativ ausgewählten deutschen Industrieunternehmen. Bestandteile des Index sind Auftragseingänge, Preise und Beschäftigung. Der Index hat einen relativ kurzen Vorlauf gegenüber der Produktion.

  • Geldmenge (M1)

    Umfasst den Bargeldumlauf und die Sichteineinlagen, wie zum Beispiel Sparbücher. Da die in M1 enthaltenen Bestandteile direkt für Transaktionen zur Verfügung stehen, deutet ein Anstieg darauf hin, dass die Kaufbereitschaft der Konsumenten und Unternehmen steigt. Der Indikator hat einen Vorlauf von zwei bis drei Quartalen.

     

  • Baltic Dry Index (BDI)

    Der BDI ist ein Preisindex für die Verschiffungskosten wichtiger Rohstoffe wie Stahl, Eisenerz, Kohle und Getreide auf Standardrouten. Er wird durch das Angebot an frei stehendem Schiffsladeraum und die Hafenkapazitäten beeinflusst. Da Rohstoffe als Vorprodukte am Anfang der Wertschöpfungskette stehen, ist der BDI ein guter Frühindikator für die Weltkonjunktur.

  • GfK-Konsumklimaindex

    Der Index des Nürnberger Marktforschungsinstituts GfK prognostiziert die Veränderung der monatlichen privaten Konsumausgaben. Hierfür werden 2000 repräsentativ ausgewählte Personen nach ihren Einkommens- und Konjunkturerwartungen befragt.  

     

Das werde auch auf dem Arbeitsmarkt zu spüren sein. Erwartet wird eine Steigerung der Beschäftigung auf das Rekordniveau von 43,1 Millionen Erwerbstätigen im Jahr 2016. Und: Der Aufschwung soll auch im Portemonnaie zu spüren sein. Die Nettolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer nehmen der Prognose zufolge in diesem Jahr um 2,8 Prozent und im kommenden Jahr um 2,1 Prozent zu. Dies wiederum dürfte den Privatkonsum – der ohnehin auf Rekordniveau liegt – weiter antreiben. Und damit auch Bund, Länder und Kommunen höhere Steuereinnahmen bescheren.

Gabriel warnt vor Selbstgefälligkeit

Kurzum: Wenn es läuft, dann läuft es. Derzeit spielen viele externe Faktoren den deutschen Unternehmen in die Hände: der schwache Euro, der billige Ölpreis, der zarte Aufschwung in Südeuropa. Allesamt Begleitumstände, die fragil sind und nichts über die Zukunftsfähigkeit der deutschen Wirtschaft aussagen.

Deutsche Wirtschaft Können wir dem Aufschwung trauen?

Die deutsche Wirtschaft feiert sich und geht von steigendem Wachstum aus. Analysten verweisen auf den schwachen Euro und das billige Öl – sowie einen Aufschwung in Südeuropa. Doch Vorsicht ist geboten.

deutsche Wirtschaft feiert sich Quelle: dpa Picture-Alliance

So warnte Gabriel zurecht vor Selbstgefälligkeit. „Wirtschaftlicher Erfolg ist kein Selbstläufer“, sagte der Vizekanzler am Mittwoch bei der Vorlage der neuen Frühjahrsprognose in Berlin. „Wir müssen vor allem daran arbeiten, unsere mittelfristigen Wachstumsperspektiven zu verbessern.“ Gabriel nannte hier Investitionen in Bildung und Forschung sowie in die Infrastruktur „als wichtige Ansatzpunkte“.

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Kritiker bemängeln, auch die Bundesregierung drohe die deutsche Wirtschaftsstärke zu gefährden. So sagt Jürgen Matthes vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln: „Deutschland ist gut durch die Krise gekommen, droht aber durch verschiedene politische Maßnahmen seine Lage deutlich zu verschlechtern. Dazu zählen vor allem der Mindestlohn, die jüngsten Rentengeschenke und die Kostenbelastungen der zu wenig durchdachten Energiewende.“

Zu all diesen Punkten schwieg Gabriel bei der Vorstellung der Konjunkturprognose.

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