Wirtschaftsweiser Feld: Ökonomen haben Ansehen verspielt

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Wirtschaftsweiser Feld: Ökonomen haben Ansehen verspielt

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Der Sachverständigenrat im November 2011: Wolfgang Franz, Peter Bofinger, Lars Feld, Christoph Schmidt und Beatrice Weder di Mauro (v.r.n.l.). Feld sagt, die Ökonomen hätten sich inklusive des Sachverständigenrats geirrt

Das Ansehen der Ökonomenzunft in Deutschland ist nach Einschätzung des Freiburger Volkswirtschaftsprofessors und Mitglied des Sachverständigenrats, Lars Feld, erheblich beschädigt.

„Die Ökonomen haben nachhaltig an Reputation verloren“, sagte der Wirtschaftsweise der WirtschaftsWoche. Grund dafür seien nicht zuletzt konjunkturelle Fehlprognosen. „Im Herbst 2008 haben der Sachverständigenrat und viele Forschungsinstitute – das DIW noch im Dezember – Prognosen für das spätere Rezessionsjahr 2009 abgegeben, die völlig daneben waren. Dies sollte sich so nicht wiederholen“, mahnte Feld. Er verwies darauf, dass deutsche Volkswirte für ihre Prognosen zum Teil veraltete Daten verwenden. In die Herbstprognosen der Institute und des Sachverständigenrates etwa gingen nur Daten bis zum zweiten Quartal ein. „Die Daten am aktuellen Rand müssen rascher verfügbar sein, um auf die zunehmende Volatilität der Wirtschaft zu reagieren. Zudem sollten die Prognostiker stärker mit Szenarien arbeiten und besser Korridore als genaue Werte prognostizieren“, forderte Feld.

Der jüngste öffentliche Aufruf von rund 200 Ökonomen und ihre Warnung vor einer Bankenunion war laut Feld kontraproduktiv. „Dieser Aufruf hat die Reputation der Ökonomen in der Politik erheblich beschädigt. Als Wissenschaftler darf man einen solchen Aufruf nicht derart emotional schreiben“, so der Wirtschaftsweise.

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Ökonom Haucap: Kohl lag falsch

Der Düsseldorfer Ökonom und langjährige Chef der Monopolkommission, Justus Haucap, hat dem früheren Bundeskanzler Helmut Kohl eine grobe Fehleinschätzung bei der Einführung des Euro vorgeworfen. Damals hätten Ökonomen vor den Gefahren einer Währungsunion gewarnt, sagte Haucap im Gespräch mit der WirtschaftsWoche. „Die Risiken der Währungsunion haben Ökonomen glasklar vorhergesagt und die Konstruktionsmängel des Euro bis ins letzte Detail analysiert. Das lag alles auf dem Tisch.“

Davon habe sich Kohl aber nicht beeindrucken lassen. „Helmut Kohl hat damals gesagt, der Euro sei eine politische Veranstaltung und keine ökonomische. Das war eine Fehleinschätzung“, so Haucap. „Die Ökonomie ist nicht einfach weg, nur weil man sich das wünscht.“

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