Wirtschaftsweiser Lars Feld: "Für Fehler geradestehen"

Wirtschaftsweiser Lars Feld: "Für Fehler geradestehen"

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Lars Feld

von Bert Losse

Der Wirtschaftsweise Lars Feld erinnert die Politik daran, sich in der Euro-Krise auf die Grundsätze Walter Euckens zu besinnen.

WirtschaftsWoche: Herr Feld, nach Walter Eucken gibt es sieben „konstituierende Prinzipien“ der Marktwirtschaft. Welche davon sind in Deutschland vollständig erfüllt?

Feld: Am ehesten die Sicherung privater Eigentumsrechte. Ansonsten keines. Nehmen Sie nur die freie Preisbildung. In vielen Bereichen sind die Preise, die eine zentrale Signalfunktion für die Märkte haben, durch Subventionen verzerrt oder staatlich reguliert. Denken Sie zum Beispiel an den Mietwohnungsmarkt, das Gesundheitswesen, den Energiesektor oder die Landwirtschaft. Auch das von Eucken geforderte Prinzip der Haftung ist nur unzureichend implementiert. Die Erkenntnis, dass nur solche Marktteilnehmer verantwortungs-bewusst handeln, die für ihre Fehler auch geradestehen müssen, hat die Finanzkrise eindrucksvoll bestätigt.

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Was würde Eucken zur aktuellen Krise der Währungsunion sagen?

Dass sich die Europäische Zentralbank mit dem Kauf von Staatsanleihen von ihren originären Aufgaben entfernt hat und nun die Grenzen zwischen Geld- und Fiskalpolitik gefährlich verschwimmen. Für Eucken war eine stabile Währung die Grundlage für das Funktionieren eines marktwirtschaftlichen Systems. Inflation und eine schwache Währung unterhöhlen hingegen die gesellschaftliche Akzeptanz der Marktwirtschaft. Dieses Credo hatte die Deutsche Bundesbank zu D-Mark-Zeiten stets verinnerlicht. Bei der EZB habe ich da mittlerweile meine Zweifel.

Brauchen wir eine Renaissance der Ordnungspolitik?

Ja. Natürlich lassen sich Erkenntnisse des 20. Jahrhunderts nicht eins zu eins auf unsere Zeit übertragen. Es gibt historisch auch unterschiedliche Facetten, die Freiburger Schule hat andere Akzente gesetzt als die Kölner Schule um Alfred Müller-Armack. Ich empfehle gleichwohl allen Politikern, sich Euckens „Grundsätze der Wirtschaftspolitik“ unters Kopfkissen zu legen. Derzeit bekennen sich fast alle Parteien zur Ordnungspolitik – aber jede versteht darunter etwas anderes. Für mich bedeutet Ordnungspolitik vor allem, die Konsumenten- und Bürgersouveränität zu gewährleisten und zu schützen.

Unterstützung von den wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten in Deutschland gibt es aber nicht – dort spielt Ordnungspolitik keine große Rolle mehr.

Das stimmt leider. Wirtschaftspolitische Lehrstühle sind an den Universitäten immer stärker zurückgedrängt worden. Vielerorts haben Theoretiker das Kommando übernommen. Das ist keine gute Entwicklung. Zum Glück gibt es noch einige ordnungspolitische Zentren, vor allem in Freiburg, aber auch an den Universitäten Marburg, Bayreuth und Erfurt. Ziel muss es sein, die traditionelle Ordnungsökonomik in der Moderne zu verankern – und die Regelorientierung der Freiburger Schule mit empirischen Methoden zu vereinen.

Das Interview fand vor der derzeitigen Schweigeperiode des Sachverständigenrats statt.

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