Wirtschaftswissenschaft: Robert Mundell - Der Pate unter den Ökonomen

Wirtschaftswissenschaft: Robert Mundell - Der Pate unter den Ökonomen

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Der exzentrische Ökonom: Robert Mundell.

von Anne Kunz

Kaum ein anderer Ökonom prägte die Wissenschaft und weltweite Wirtschaftspolitik der vergangenen 50 Jahre so stark wie der exzentrische Kanadier Robert Mundell. Der Nobelpreisträger, Währungsexperte und Angebotstheoretiker erfand die Reaganomics – und war intellektueller Wegbereiter des Euro.

Kann dieser Mann ein ernst zu nehmender Wissenschaftler sein? Seine Dankrede zur Verleihung des Nobelpreises 1999 beendete er musikalisch und schmetterte den Song „I did it my way“ ins Mikrofon. Heute hält er abseits der akademischen Zirkel sektiererische Konferenzen in einer italienischen Burg ab. Oder er tritt mit grauem, schulterlangem Haar in der US-Fernsehsendung „Late Show with David Lettermann“ auf und gibt dort platte Sprüche zum Besten, wie: „Deine Mutter ist zu dick. Wenn sie morgens Schuhe mit hohen Absätzen anzieht, sind die abends plattgelaufen.“

Keine Frage, Robert Mundell ist ein merkwürdiger Typ. Man weiß nie, woran man bei ihm ist. Der Kanadier zeigte schon mit 29 Jahren in einem formal ausgereiften und wissenschaftlich hoch angesehenen Papier, wann Währungsunionen funktionieren und wann nicht – und ist bis heute ein überzeugter Euro-Anhänger. Er wies mit seinen Modellen die positiven Wirkungen expansiver Geld- und Fiskalpolitik nach, entpuppte sich jedoch in der politischen Beratung als Freund von Ausgabenkürzungen und einer restriktiven Geldpolitik.

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Doch trotz seiner Unberechenbarkeit und des exzentrischen Habitus prägte Mundell die moderne Wirtschaftswissenschaft wie kaum ein anderer. Er entwickelte die Theorie der optimalen Währungsräume und konzipierte in den USA das Wirtschaftsmodell der Reaganomics. Seine makroökonomischen Modelle finden sich heute in vielen VWL-Lehrbüchern. Für den US-Ökonomen Arthur Laffer ist Mundell der beste Ökonom des 20. Jahrhunderts und ebenso einflussreich wie John Maynard Keynes. „Der Unterschied ist nur, dass Mundell recht behalten hat“, sagt Laffer.

Frauenheld und später Vater

Robert Mundell wird am 24. Oktober 1932 in Latimer geboren, einem winzigen Ort in der kanadischen Provinz Ontario. „Ich glaube niemandem, der behauptet, dieses Kaff zu kennen. Es besteht aus einer Straßenkreuzung und einer Käsefabrik“, spottet er später über seine Heimat. Er besucht dort eine Dorfschule mit nur einem einzigen Klassenzimmer. Später behauptet er, nie in die erste Klasse gegangen zu sein. Stattdessen habe er sich aus dem Lernstoff der ersten acht Schuljahre stets das Interessanteste rauspicken dürfen.

Seine Familie zieht oft um; Roberts Vater ist Feldwebel in der kanadischen Armee. So wechselt der junge Mundell 1945 an eine Highschool in Kingston, ein Jahr später zieht die Familie in den Westen Kanadas, nach British Columbia, wo Mundell die Schule abschließt und sein Studium der Ökonomie und Slawistik beginnt. An der University of Washington in Seattle macht er seinen Abschluss in Wirtschaftswissenschaften. Sein Studienkollege Douglas North, der sechs Jahre vor Mundell den Ökonomiepreis erhielt, erinnert sich, Mundell sei ein aufgeblasener Frauenheld gewesen, der immer eine Menge Ärger am Hals gehabt habe. Er habe „in allem, was er tat, über die Stränge geschlagen“.

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