Zentralbanken: Eine kalte Enteignung findet zurzeit statt

KommentarZentralbanken: Eine kalte Enteignung findet zurzeit statt

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Die Bank of England hält Staatsanleihen im Wert von 325 Milliarden Pfund - 22 Prozent des britischen BIP.

von Malte Fischer

Die großen Zentralbanken haben weltweit einen Absturz der Wirtschaft verhindert. Doch mit ihrer Methode drücken sie die Zinsen unter die Inflationsrate - und enteignen damit die Gläubiger ihrer Staaten.

Die Bank von England macht es, die US-Notenbank Fed macht es, die Bank von Japan macht es und die Europäische Zentralbank auch. Die Rede ist von Quantitative Easing (QE),der quantitativen Lockerung der Geldpolitik. Dabei kaufen die Zentralbanken Staatsanleihen an und pumpen im Gegenzug frisches Geld in die Wirtschaft. In der vergangenen Woche kündigte die Bank von England an, in den nächsten drei Monaten für weitere 50 Milliarden Pfund Staatsanleihen zu kaufen.

Der Gesamtbestand der von den Währungshütern gehaltenen Staatsanleihen steigt damit auf 325 Milliarden Pfund, rund 22 Prozent des britischen Bruttoinlandsprodukts. Experten rechnen damit, dass die Bank von England im Mai ein weiteres Ankaufprogramm von 50 Milliarden Pfund folgen lässt.

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Auch die US-Notenbank Fed erwägt eine weitere QE-Runde. Die EZB pumpt ebenfalls kräftig Geld in die Wirtschaft. Sie bedient sich dabei der Geschäftsbanken, denen sie unlimitiert Zentralbankgeld leiht, in der Hoffnung, dass diese damit Staatsanleihen kaufen. So ermunterte EZB-Chef Mario Draghi vergangene Woche die Kreditinstitute, sich bei dem für Ende Februar anstehenden nächsten Geldleihgeschäft möglichst viel Geld einzuverleiben.

Wachstumseffekte zwischen 0,6 bis 3,0 Prozent

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Offiziell begründen die Zentralbanker QE mit dem Ziel, die Wirtschaft stabilisieren und eine Kreditklemme abzuwenden. Tatsächlich ist es den Notenbankern gelungen, die Kurse der Staatsanleihen nach oben und die Renditen nach unten zu drücken. Studien der Bank für internationalen Zahlungsausgleich zeigen, dass die QE-Runden in den USA die Zinsen im Durchschnitt um jeweils 25 Basispunkte gesenkt haben.

Berechnungen der Bank von England zufolge sind in Großbritannien die Zinsen im Zuge von QE um insgesamt 100 Basispunkte gesunken. Andere Studien kommen zu dem Ergebnis, dass QE das Wachstum in Großbritannien um 1,5 Prozent angekurbelt habe, in den USA beläuft sich der Wachstumseffekt nach Expertenschätzungen auf 0,6 bis 3,0 Prozent.

Fatale Wirkung

Ist die quantitative Lockerung also die richtige Strategie in der Krise? Zweifel sind angebracht. Zwar mag QE einen Absturz der Wirtschaft nach der Lehman-Pleite verhindert haben. Doch die Zinsdrückerei der Notenbanken löst Investitionen aus, die sich unter Marktbedingungen nicht rechnen. Das hat wachstumsschädliche Fehllenkungen von Ressourcen zur Folge. Fraglich ist zudem, ob die Notenbanken das zusätzliche Geld rechtzeitig absaugen, wenn die Konjunktur anzieht. Angesichts des sich derzeit aufhellenden konjunkturellen Umfeldes darf mit Fug und Recht bezweifelt werden, ob die Wirtschaft weiterer monetärer Stimuli bedarf. Es drängt sich der Verdacht auf, dass es den Notenbanken in Wahrheit um etwas anderes geht: Sie wollen die Zinsen unter die Inflationsrate drücken, um ihre Staaten durch negative Realzinsen zu entschulden. Auf der Strecke bleiben deren Gläubiger. Die nämlich werden kalt enteignet.

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