Zentralbanken: Mehr Geld stabilisiert die Konjunktur nicht

KommentarZentralbanken: Mehr Geld stabilisiert die Konjunktur nicht

von Malte Fischer

Ein Ende ist nicht in Aussicht: Weltweit zeichnen sich weitere geldpolitische Lockerungen ab. Mit üblen Folgen - die Liquiditätsspritzen wirken wie eine Extra-Dosis Heroin bei einem Drogenkranken.

Wenn sich die US-Notenbanker an diesem Mittwoch treffen um über den weiteren Kurs der Geldpolitik zu beraten, blicken die Börsen weltweit nach Washington. Viele Investoren hoffen, dass die Währungshüter um Fed-Chef Ben Bernanke die geldpolitischen Zügel weiter lockern, um die Wirtschaft zu stützen. Weil die Leitzinsen längst bei null Prozent angekommen sind, kann die Fed nur noch eine dritte Runde von Anleihekäufen starten (QE 3) oder ihre Ende Juni auslaufende Operation Twist verlängern. Bei dieser kaufen die Währungshüter langlaufende Staatsanleihen an, im Gegenzug verkaufen sie Kurzläufer.

Sowohl mit QE 3 als auch mit der Operation Twist will die Notenbank die Kurse langlaufender Anleihen nach oben und deren Effektivzinsen nach unten drücken. Da die Renditen der Staatsanleihen Signalfunktion für andere Zinsen haben, dürften auch die Zinsen für Unternehmens- und Hypothekenkredite sinken. Das soll die Investitionen und die Konjunktur ankurbeln.

Anzeige

In den vergangenen Wochen haben bereits die Notenbanken von China, Australien, Indien und Brasilien ihre geldpolitischen Zügel gelockert und die Leitzinsen gesenkt. Die Bank von England und die Europäische Zentralbank könnten Anfang Juli folgen.

Der Druck auf die Notenbanker, das Gaspedal zu betätigen, ist groß. Rund um den Globus kühlt sich die Konjunktur ab. Die Euro-Zone stürzt immer tiefer in die Rezession, Amerika kommt über Wachstumsraten von zwei Prozent kaum hinaus, und den Schwellenländern geht mehr und mehr die Luft aus. So fielen in China die Zuwachsraten im Einzelhandel und in der Industrie weit hinter die Erwartungen zurück, in Indien wächst die Wirtschaft so langsam wie seit drei Jahren nicht mehr, in Brasilien stagniert sie sogar.

Bei diesen Finanzierungskosten drohen Fehlinvestitionen

Doch es ist ein Trugschluss, zu glauben, weitere geldpolitische Lockerungen könnten die Weltwirtschaft stabilisieren. In den Schwellenländern bergen niedrigere Zinsen die Gefahr, die Inflation in die Höhe zu treiben. In Brasilien (5,1 Prozent) und Indien (7,6 Prozent) liegen die Teuerungsraten schon jetzt deutlich über den Zielwerten der Notenbanker.

Mehr Artikel zum Thema

Die Industrieländer kämpfen mit den Folgen einer durch zu viel Geld und Kredit ausgelösten Finanzkrise. Dieser mit Liquiditätsspritzen zu Leibe zu rücken ist, als wolle man einen Drogenkranken mit einer Extra-Dosis Heroin heilen. Den Notenbanken mag es gelingen, die Renditen mit Bond-Käufen um ein paar Prozentpunkte hinter dem Komma nach unten zu drücken. Doch was soll das bringen? Keine vernünftige Investition scheitert derzeit an zu hohen Zinsen. Vielmehr besteht die Gefahr, dass niedrige Finanzierungskosten Projekte rentabel erscheinen lassen, die sich im Nachhinein als Fehlinvestition entpuppen. Die Notenbanken sollten sich daher zurückhalten und den Bereinigungsprozess, den die Wirtschaft durchläuft, wirken lassen. Er gehört zur Marktwirtschaft wie das Salz zur Suppe.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%