KommentarZinsen: Blase am Rentenmarkt?

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WirtschaftsWoche-Redakteur Malte Fischer

von Malte Fischer

Trotz des kräftigen Wachstums der deutschen Wirtschaft gehen die Zinsen für zehnjährige Staatsanleihen in den Keller. Hat sich am Bondmarkt eine neue Blase entwickelt?

Für Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble könnte es nicht besser laufen. Die Wirtschaft wächst kräftig und lässt die Steuerquellen wieder sprudeln. Gleichzeitig muss er für neue Kredite so wenig Zinsen zahlen wie noch nie. Der Effektivzins für zehnjährige Staatsanleihen sackte in der vergangenen Woche auf ein neues Allzeittief von rund 2,1 Prozent. Doch wie passen Rekordwachstum und ultraniedrige Zinsen zusammen? Je stärker eine Wirtschaft wächst, desto mehr Kapital benötigt sie, was dessen Preis – den Zins – normalerweise nach oben treibt.

Um zu beurteilen, ob der Zins zu hoch oder zu niedrig ist, berechnen Ökonomen den Gleichgewichtszins. Er ergibt sich aus dem langfristigen Wachstumstrend der Wirtschaft plus einem Aufschlag für die erwartete Inflation. Für Deutschland errechnet sich ein Gleichgewichtszins von etwa 3,3 Prozent. Er setzt sich aus dem langfristigen Wachstumstrend des Bruttoinlandsprodukts von rund 1,5 Prozent und dem Inflationsziel der Europäischen Zentralbank von etwa 1,8 Prozent zusammen, an dem die Finanzmärkte ihre Inflationserwartungen ausrichten. Gemessen daran ist der aktuelle Langfristzins von 2,1 Prozent viel zu niedrig.

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Ob dies jedoch ein Zeichen für eine Kursblase am Bondmarkt ist, die die Renditen nach unten gedrückt hat, ist umstritten. Die Pessimisten erwarten, dass sich die Wirtschaft bald wieder abkühlt und die Inflation in den nächsten Jahren Richtung null Prozent sinkt. Zu einem solchen Disinflationsszenario passt ein Langfristzins von zwei Prozent, eine Blase am Bondmarkt läge demzufolge nicht vor.

Staatsanleihen für Pessimisten

Dagegen erwarten die Optimisten einen nachhaltigen Aufschwung, der die Inflation in absehbarer Zeit in Richtung zwei Prozent marschieren lässt. Aus ihrer Sicht besteht mittelfristig ein erhebliches Korrekturpotenzial am Bondmarkt. Dazu kommt, dass Anleger Deutschland vor dem Hintergrund der Staatsschuldenkrise als einen sicheren Hafen in der Europäischen Währungsunion betrachten. Das treibt die Kurse nach oben. Bekommen die südeuropäischen Länder ihre Haushaltsprobleme in den Griff und stabilisiert sich die Lage in der Währungsunion, dürften die Anleger dem deutschen Bondmarkt wieder den Rücken kehren. Vor diesem Hintergrund bleibt ein Investment in Staatsanleihen nur etwas für notorische Schwarzseher.

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