Konjunkturprognosen: Ganz gleich was draufsteht, meistens ist Kiel drin

Konjunkturprognosen: Ganz gleich was draufsteht, meistens ist Kiel drin

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40 Ökonomen aus acht Instituten tummeln sich derzeit im ifW in Kiel, um Wirtschaftsminister Brüderle mit einem neuen Frühjahrsgutachten zu beglücken.

Quelle:Handelsblatt Online

Es geht um Geld, Prestige, Befindlichkeiten - und um eine Konjunkturprognose. Seit Montag tummeln sich rund 40 Ökonomen aus acht Wirtschaftsforschungsinstituten im Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW). Vordergründig geht es um das gemeinsame Ziel, Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) am 15. April mit einem neuen Frühjahrsgutachten zu beglücken.

DÜSSELDORF. Wie entwickelt sich die Wirtschaft dieses und nächstes Jahr, wie hoch ist das Haushaltsdefizit, kommt das dicke Ende auf dem Arbeitsmarkt vielleicht doch noch, welche Folgen hat die Krise für den mittelfristigen Wachstumspfad? Wichtige Fragen, deren Antworten der Koalition in Berlin das Regieren etwas einfacher machen würden.

Tatsächlich könnte man alle diese Fragen im kleineren Kreise wohl recht schnell abhandeln. Viele Institute haben noch rasch vor Beginn der Beratungen eigene Prognosen vorgelegt - und die Spanne ist eng. Dieses Jahr und nächstes Jahr dürfte die Wirtschaft zwischen 1,2 und zwei Prozent zulegen; vermutlich wird man sich etwa auf die Mitte einigen. Ähnliches gilt für den Arbeitsmarkt und das Staatskonto, das ohnehin bestenfalls eine Hand voll der teilnehmenden Volkswirte versteht.

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Dann müssen noch ein paar Politikempfehlungen zusammen geschrieben werden, die den kleinsten gemeinsamen Nenner von angebotsorientierten und gewerkschaftsnahen Volkswirten aufzeigen, wie etwa "die Regierung muss unbedingt Sparen, sobald der richtige Zeitpunkt dafür gekommen ist". Für solch dehnbare Ratschläge zahlt die Regierung sicher gerne.

Wesentlich wichtiger als die rund 80 Seiten bedrucktes Papier, die am Ende herauskommen, dürfte für die meisten Beteiligen dieses Mal freilich das Gerangel um die künftigen Plätze am Futtertrog sein. Es geht immerhin um rund 1,3 Mio. Euro pro Jahr, die die Regierung auch weiterhin Jahr für Jahr unter die Institute streuen will.

Für die Herbstprognose werden die Karten nun neu gemischt. Nicht gerade gut sieht es für das gewerkschaftsnahe IMK aus, das statt bislang als Juniorpartner des IWH nun als Konsortialführer gemeinsam mit zwei ausländischen Partnern antritt. Die Vorbehalte gegen die Unabhängigkeit der Düsseldorfer Gewerkschaftsökonomen sind groß. Kaum mehr als Außenseiterchancen hat auch das Konsortium aus Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut und dem privaten Institut Prognos.

Beste Chancen vertreten zu sein hat freilich das Kieler Institut, denn faktisch ist das IfW gleich drei Mal am Start - einmal im Original, zweimal als Kopie. "Bald ist egal, was auf einer Konjunktur-Prognose draufsteht, meist ist eh Kiel drin", heißt es im Ministerium.

Als erste Kopie gilt das Ifo-Institut. Dort hat der Ex-Kieler Kai Carstensen als Chefvolkswirt die angebotsorientierte Kieler Philosophie in den letzten zweieinhalb Jahren verankert. Zum zweiten Kieler Klon könnte künftig das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) werden, das bislang auch wegen seiner Kooperation mit dem IMK eher in der nachfrageorientierten Ecke stand.

Doch weil die Hallenser Volkswirte sich nicht länger auf den Ost-Bonus verlassen wollten, kooperieren sie künftig mit dem zunächst outgesourcten und dann entsorgten Ex-IfW-Rechenzentrum, dem von Carsten-Patrick Meier geführten Institut Kiel Economics.

Und das Original? So ganz sicher war sich der einstige Primus wohl seiner Sache nicht mehr. Daher griff Präsident Dennis Snower zu, als sich das ZEW als Kooperationspartner anbot. Da die Mannheimer keinerlei Erfahrung mit Konjunkturprognosen haben, konnten sie das Loch in der IfW-Konjunkturabteilung nicht stopfen. Das soll nun Stefan Kooths ausfüllen, der entnervt das DIW verlassen hat.

Wann das Wirtschaftsministerium entscheidet, ist unklar. Gemäß EU-Vergaberecht werden zunächst die nicht zum Kreis der Erlauchten gehörenden benachrichtigt; nach einer 14tägigen Widerspruchsfrist bekommen dann die Gewinner Bescheid, dass sie zum Zuge kommen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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