
BERLIN. Doch das Küken des Kabinetts hat es in den ersten 100 Tagen geschafft, nicht nur ins Gespräch zu kommen, sondern sich mit ihrem Vorstoß zur Pflegeteilzeit auch den Unmut der Wirtschaft zuzuziehen. Jetzt wissen die Herren von BDA und BDI vermutlich alle, wie die neue Bundesfamilienministerin heißt.
Das mit der Fanta-Torte, die sie früher gebacken hat, hätte sie besser nicht erzählt, sah die Christdemokratin schnell ein. Die Vorbehalte waren auch so groß genug: erst 32 Jahre, ledig, kinderlos, die Doktorarbeit mit Hilfe der Parteizentrale geschrieben? Und dann die Fußstapfen von der Leyens, die der Union Elterngeld und Kitaausbau abtrotzte?
Anfangs lief es denn auch schlecht. Die Haushaltsrede fiel mäßig aus, auf Druck aus den eigenen Reihen musste Schröder bei der Extremismusbekämpfung nachbessern und zusätzliche Programme gegen linke Radikale vorlegen. In Deckung blieb sie bisher beim in der Unions-Familie heiß umkämpften Thema Betreuungsgeld.
Es gibt zwar Anzeichen dafür, dass sie eher gegen die Auszahlung der von der CSU geforderten und den Sozialdemokraten als "Herdprämie" verspotteten Leistung ist, und eher für eine Variante mit Gutscheinen, wie sie ihre Vorgängerin und die Liberalen wollen. Doch festnageln lässt sich die junge Hessin bisher nicht. Sie hat Zeit, denn die Entscheidung muss erst 2012 fallen.
Mit der Wirtschaft geriet die bekennende Kohl-Anhängerin erstmals in Konflikt, als sie ihren Plan vorstellte, das Elterngeld um zwei Monate für Väter zu verlängern. Der Finanzminister ließ mitteilen, das müsse sie dann aber aus ihrem eigenen Etat finanzieren. Gewichtiger ist jedoch ihr jüngster Vorschlag für eine zweijährige Pflege-Teilzeit. Dafür hat sie sogar Rückenwind aus dem Kanzleramt. Die Arbeitgeber wiesen die Idee empört als unzumutbare Belastung zurück. Darauf brachte Schröder eine Versicherung für etwaige Ausfälle ins Spiel - und will nun erst mal Modellprojekte prüfen.
Die große Probe aufs Exempel folgt ohnehin erst, wenn Schröder Konsequenzen aus der angeleierten Überprüfung aller familienpolitischen Leistungen ziehen - und dann im Gerangel um eine Steuerreform verteidigen muss. Hier ist alles möglich: Von der Nullnummer bis zum großen Reformwurf.














