_

Niebels Afghanistan-Bild: "Die Kinder lassen wieder Drachen steigen"

Quelle: Handelsblatt Online

Die Bundesregierung sieht trotz vieler Mängel beim Wiederaufbau in Afghanistan auch Fortschritte. Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) verwies am Freitag im Bundestag unter anderem auf die deutlich gestiegene Zahl von Schülern, den höheren Mädchen-Anteil in den Schulen sowie die geringere Säuglingssterblichkeit. Zugleich warnte er davor, die Entwicklung in Afghanistan zu negativ zu betrachten.

HB BERLIN. Niebel kündigte an, dass künftig 2500 Mitarbeiter den zivilen Aufbau Afghanistans vor Ort unterstützen sollen, 800 mehr als derzeit. Zugleich hob er die Erfolge der Aufbauarbeit hervor. "Die Kinder lassen wieder Drachen steigen", sagte er mit Verweis auf den alten Nationalsport der Afghanen.

Anzeige

Der Satz der ehemaligen Bischöfin Margot Käßmann, nichts sei gut in Afghanistan, stimme nicht. Eine solche Schwarz-Weiß-Malerei spiele nur den Extremisten in die Hände. "Richtig ist: Vieles ist besser geworden in Afghanistan", sagte der Minister. Er sei beeindruckt vom Aufbauwillen der der Afghanen.

"Der Faktencheck für Afghanistan straft diejenigen Lügen, die mit schwarzmalerischer Rhetorik versuchen, den kompletten Einsatz Deutschlands zu diskreditieren", sagte Niebel. Jede vierte Frau erhalte bei der Geburt medizinische Hilfe, die Kidersterblichkeit sei von 250 auf 161 pro tausend Lebendgeburten gesunken. Der Getreideertrag habe sich seit 2000 mehr als verdoppelt. Die Zahl der Kinderverheiratungen sei um weit über 60 Prozent zurückgegangen.

Während Mädchen unter den Taliban nicht zur Schule gehen durften, machten sie jetzt einen Anteil von knapp 40 Prozent der Grundschüler aus. 28 Prozent der Abgeordneten im Parlament seien Frauen. Die Weltbank prognostiziere dieses Jahr ein Wirtschaftswachstum von 8,5 bis neun Prozent, das Bruttosozialprodukt habe sich seit 2002 fast vervierfacht.

Der Bundestag berät am Freitag in erster Lesung auch über das neue Afghanistan-Mandat. Darin ist erstmals auch ein Datum für den angestrebten Abzugsbeginn festgeschrieben. Ende dieses Jahres sollen die ersten Soldaten nach Deutschland zurückkehren, falls es die Sicherheitslage zulässt. Während besonders Außenminister Guido Westerwelle auf den Termin für den Abzugsbeginn gedrängt hatte, warnte Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg vor voreiligen Festlegungen. Die Mandatsobergrenze von 5000 Soldaten plus einer Reserve von 350 Soldaten bleibt dagegen unverändert. Die Nato will den Kampfeinsatz am Hindukusch bis Ende 2014 beenden.

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 21.01.2011, 12:29 UhrNicht Dumm

    Wenn man jetzt die Militärkosten als investition in bildung sieht, dann geben wir wahrscheinlich in Afganistan für bildung pro Kopf mehr aus, als für unsere eigenen deutschen Kinder.

Alle Kommentare lesen
weitere Fotostrecken

Blogs

Chinesen-Plage in Hongkong
Chinesen-Plage in Hongkong

Quer durch die Kulturen ist der Sonntag ein Tag der Ruhe, des Innenhaltens – im britisch geprägten Hongkong nicht anders...

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 18.05.2013

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche

    Folgen Sie uns im Social Web

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.