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Non-Profit-Organisationen: Eine Formel für Profitabilität

von Claudia Schumacher Quelle: Handelsblatt Online

Berater von Kienbaum haben ein Konzept entworfen, um sozialwirtschaftliche Unternehmen haushaltspolitisch zu bewerten. Das Prinzip klingt zunächst simpel: In der Studie, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt, stellen sie den Nutzen, der sich aus der Betreuung hilfebedürftiger Menschen ergibt, den aufgewendeten Finanzmitteln gegenüber.

Die Treberhilfe hat 2008 rund 12,2 Millionen Euro erhalten, um Menschen in Notlagen zu unterstützen. Auch diese Unterstützung erwirtschaftet "Social Profit". Quelle: dpa Quelle: handelsblatt.com
Die Treberhilfe hat 2008 rund 12,2 Millionen Euro erhalten, um Menschen in Notlagen zu unterstützen. Auch diese Unterstützung erwirtschaftet "Social Profit". Quelle: dpa Quelle: handelsblatt.com

DÜSSELDORF. Eigentlich müssen Non-Profit Organisationen, so sagt es schon der Name, nicht profitabel sein. Sie sollen gemeinnützige oder soziale Ziele verfolgen, ohne dabei auf Gewinnziele und Margen schauen zu müssen. Eigentlich. Aber der Staat ist zunehmend knapp bei Kasse - und so fühlen sich die sozialen Dienstleister unter Druck, zu dokumentieren, dass die Gelder, die sie aus den öffentlichen Haushalten bekommen, gut investiert sind. Die Unternehmensberatung Kienbaum hat am Beispiel der Treberhilfe Berlin deshalb eine Messmethode entwickelt, mit deren Hilfe sich der monetäre Nutzen sozialer Projekte errechnen lässt, der sogenannte Social Profit.

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Konkret: Für jeden Euro, den die Politik aus öffentlichen Mitteln zur Verfügung stellt, soll sie künftig erkennen, wie viel Geld letztlich dafür wieder zurückfließt. So können die Haushälter genau vergleichen, wie erfolgreich die sozialen Maßnahmen sind, in die sie investieren.

Beispiel Treberhilfe: Sie hat 2008 rund 12,2 Mio. Euro an öffentlichen Mitteln erhalten, um Menschen in Notlagen zu helfen. Zurückgeflossen sind laut der Berechnung rund 14 Mio. Euro, indem Arbeitslosigkeit, Obdachlosigkeit, Haft oder Psychiatrie mit ihren jeweils hohen Kosten für den Staat vermieden wurden.

Der sogenannte Social Profit beträgt demnach 1,8 Mio. Euro, was einer sozialen Rendite von 15 Prozent entspricht. Für jeden Euro aus Haushaltsmitteln finanzierten Leistungen fließt also 1,15 Euro an staatliche Institutionen zurück. Für den Zeitraum von 2008 bis 2011 erwarten die Kienbaum-Berater durch positive Nachwirkungseffekte sogar eine durchschnittliche Jahresrendite von rund 83 Prozent.

"Es ist natürlich immer ein bisschen schwierig, den Erfolg eindeutig zuzuordnen", sagt Peter Eichhorn, Emeritus an der Universität Mannheim. Darum hätten sie "eher konservativ gerechnet", sagt er. Auch Rückfallquoten seien berücksichtigt. Der Betriebswirt forscht seit vielen Jahren auf dem Gebiet; auf seiner Idee fußt das Kienbaum-Konzept.

Am Freitag werden die Ergebnisse auf einer Fachtagung in Berlin diskutiert. Dort wird auch Annette Fugmann-Heesing (SPD) auf dem Podium sitzen, die die Entstehung der Studie in einem Expertengremium begleitet hat. Fugmann-Heesing ist ehemalige Finanzsenatorin von Berlin und heute Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses. "Das Modell kann sehr gut als Grundlage dienen", sagt sie. "Man muss das jetzt erproben."

Mehrere öffentliche Träger haben bereits Interesse angemeldet, etwa die Diakonie oder die Arbeiterwohlfahrt. Die Branche der sozialen Dienstleister ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Allein Caritas und Diakonie haben mehr als 90 000 Dienste und Einrichtungen und mehr als eine Million hauptamtliche Mitarbeiter. "Der Sektor ist ein riesengroßes Geschäft", sagt Alexander Kraus vom Berliner Bund der Steuerzahler. "Die haben natürlich auch ein Interesse daran, sich wirtschaftlich zu zeigen."

Wissenschaftler betrachten das Konzept allerdings kritisch. "Es ist im Ansatz gut und richtig, aber ich halte das nur für bedingt durchsetzbar", sagt Nikolaus Dimmel, Professor am Salzburger Institut für Social Profit Management. Nicht jede Leistung sei volkswirtschaftlich berechenbar; die moralischen, ethischen Aspekte dürften nicht zu kurz kommen.

Der Grenzen des Ansatzes ist sich Eichhorn bewusst. "Wir haben keine Weltformel gefunden", sagt er. Es sei ein rein haushaltspolitischer Ansatz, der erste empirische Versuch aus Haushaltssicht. "Wir geben den Haushältern und den sozialwirtschaftlichen Unternehmen eine Hilfe an die Hand, aber natürlich muss man andere Aspekte auch berücksichtigen", sagt er.

"Wirtschaftlichkeit soll nicht über soziale Verantwortung gestellt werden", ergänzt Tom Feldkamp, Kienbaum-Projektmanager. Seiner Meinung nach lässt sich das Konzept auf jedes sozialwirtschaftliche Unternehmen übertragen, wenn nur die richtigen Faktoren und Ziele berücksichtigt werden. "Ich sehe durchaus noch die Herausforderung, das generell verbindliche Konzept für einzelne Träger umsetzbar zu machen." Bei jeder Organisation müsse man wieder neu nachjustieren. Sein hehres Ziel: "Wir wollen uns dahin entwickeln, dass diese Kennziffer ein Muss ist."

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