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„Ökonomie neu denken“: Aus der Finanzkrise lernen

von Johannes Pennekamp und Olaf Storbeck Quelle: Handelsblatt Online

Was muss die Volkswirtschaftslehre aus der Finanzkrise lernen? Dieser Frage widmet sich die Konferenz „Ökonomie neu denken“. Unter den Gästen: die Bestseller-Autorin und Beraterin der britischen Regierung, Diane Coyle.

In Frankfurt diskutieren mehr als 250 Volkswirte, Politiker und Unternehmer über die Konsequenzen der Finanzkrise. Quelle: dapd
In Frankfurt diskutieren mehr als 250 Volkswirte, Politiker und Unternehmer über die Konsequenzen der Finanzkrise. Quelle: dapd

FrankfurtIhre Botschaft rüttelt am Selbstverständnis einer ganzen Disziplin: „Die Wirtschaftswissenschaften müssen sich in größerer Demut üben“, sagte die britische Top-Ökonomin Diane Coyle am Vormittag bei der hochrangig besetzten Konferenz „Ökonomie neu denken“ in Frankfurt. Coyle, Betreiberin der Beratungsagentur Enlightenment Economics Bestseller-Autorin und Beraterin der britischen Regierung, hält die gängigen makroökonomischen Modelle für gescheitert. Sie plädierte für eine größere Vielfalt und einen stärkeren Realitätsbezug in den Wirtschaftswissenschaften. „Wir müssen neu darüber nachdenken, wie die Gesamtwirtschaft funktioniert.“

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Auf der noch bis zum morgigen Dienstag in Frankfurt stattfindenden Konferenz, die der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und das Handelsblatt gemeinsam veranstalten, diskutieren mehr als 250 Volkswirte, Politiker und Unternehmer, was die Volkswirtschaftslehre aus der Finanzkrise lernen muss.

In ihrer Keynote-Rede brauchte Coyle auf den Punkt, was Kritiker der Disziplin sei langem umtreibt: „Die Makroökonomie in ihrer jetziger Form kann nicht überleben.“ Die Ereignisse auf den Finanzmärkten, die mit den traditionellen Makro-Modellen nicht erklärbar sind, hätten etablierte Glaubenssätze zerstört. Jahrzehntelang dominierende ökonomische Modelle, die auf der Annahme beruhen, dass Menschen stets rational und eigennützig handeln, seien keine adäquate Beschreibung der wirtschaftlichen Realitäten.

Die Ökonomin warnte jedoch davor, die Disziplin als Ganzes zu verteufeln. Die etablierte Makro-Ökonomie stehe zu Recht in der Kritik. „Aber es gibt viele andere Teilgebiete, die in blendender Verfassung sind“, betonte Coyle. In den vergangenen beiden Jahrzehnten habe die empirische, angewandte Wirtschaftsforschung deutliche Fortschritte gemacht – dank der besseren Verfügbarkeit von Daten, besseren Computern und neuen empirischen Methoden. „Es wäre absurd, wenn man jetzt, da die Ökonomie mehr Möglichkeiten hat als jemals zuvor, das generelle Vertrauen in das ökonomische Denken verlieren würde.“

Die Verhaltensökonomie, die psychologischen Faktoren größeres Gewicht bemisst und versucht menschliches Verhalten realistischer zu beschreiben und weitere interdisziplinäre Ansätze, gingen in die richtige Richtung. Generell plädierte Coyle für mehr angewandte Forschung: „Theorien müssen empirisch getestet werden.“ Wenn das passiere, dann werde die Wirtschaftswissenschaft gestärkt aus der Krise hervorgehe. „Das öffentliche Interesse an unserem Fach ist so groß wie lange nicht mehr, und die Studentenzahlen steigen.“ Ob es aber jemals wieder ein neues, geschlossenes wissenschaftliches Paradigma gehen werde, sei offen. „Wenn es überhaupt kommt, ist es noch sehr weit weg.“

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