
HB BERLIN. "Deutschland ist ein Vorbild für andere Länder", sagte Pascal Lamy der Zeitung "Welt am Sonntag". Es sei weltweit einzigartig, wie Bundesregierung, Gewerkschaften, Arbeitgeber und Bundesländer in wirtschaftspolitischen Fragen kooperierten.
Allerdings lasse sich das Konsenssystem kaum übertragen. Ein solches System finde man noch in einigen kleineren Ländern wie Norwegen oder Chile, aber kein zweites Mal in einer solch großen Volkswirtschaft wie Deutschland.
Französische und US-Regierungsvertreter haben kritisiert, dass Deutschland zu viel exportiere und zu wenige Produkte aus dem Ausland einführe. Lamy sagte, als WTO-Chef freue er sich, wenn Deutschland viel exportiere. Es gebe viele Gründe, warum Deutschland mehr exportiere als Frankreich. Für die großen deutschen Handelsüberschüsse seien strukturelle Unterschiede entscheidend, sagte der Franzose in dem vorab veröffentlichten Interview. "Deutschland schaut sich in der Welt um, erkennt, wo es nicht konkurrenzfähig ist, und passt seine Industrie und Sozialsysteme so an, dass es in einer offenen Welt konkurrenzfähig bleibt.
Warnung vor unkoordinierten Währungs-Eingriffen
Außerdem kritisierte Lamy unkoordinierte Eingriffe in Wechselkurse. Er spreche nicht von Währungskrieg, sondern eher von Spannungen und Reibereien, sagte Lamy in dem Interview zu den Vorwürfen, China verschaffe sich über seinen schwachen Yuan Wettbewerbsvorteile. "Die unkoordinierten Eingriffe in die Wechselkurse beunruhigen mich", sagte der Chef der Welthandelsorganisation. Alle befürchteten, dass diese Auseinandersetzung zu Protektionismus führen werde. Schon vor zwei Jahren nach dem Lehman-Crash hätten fast alle geglaubt, dass diese Art von Protektionismus kommen würde. Bisher sei das trotz des großen Schocks nicht eingetreten. "Unsere Zahlen zeigen: Der Handel ist heute so frei wie vor drei Jahren, auch wenn sich nicht jeder völlig korrekt verhalten hat."
Niemand bestreite, dass der Yuan unterbewertet sei, sagte Lamy. "Aber es ist nicht klar, ob ein höherer Yuan-Kurs automatisch mehr Stellen in den USA bringen würde." Wenn man bedenke, welche Produkte China exportiere, sei es wahrscheinlicher, dass bei einer Neubewertung des Yuan die Arbeitsplätze von China nach Bangladesch, Vietnam oder Sri Lanka wanderten und nicht zurück in die reichen Volkswirtschaften.














