
HB LISSABON. Das portugiesische EZB-Ratsmitglied Vitor Constancio hat sich skeptisch über die Finanzen seines Heimatlandes geäußert. Die portugiesische Wirtschaft befinde sich an einem "ernsthaften und schwierigen Punkt", sagte Constancio am Dienstag. Das Land müsse sein Defizit drosseln und komme dabei um Steuererhöhungen und Einschnitte bei den Ausgaben nicht herum.
Die Äußerungen beflügelten die Angst der Anleger, dass Portugal ähnlich wie Griechenland dem Staatsbankrott nahe sein könnte. Der Risiko-Aufschlag für portugiesische Staatsanleihen stieg auf 137,3 Basispunkte. Der für die europäischen Rentenmärkte richtungweisende Bund-Future bewegte sich kaum und lag sieben Ticks tiefer bei 123,44 Zählern. Die zehnjährige Bundesanleihe rentierte mit 3,195 Prozent.
"Ich persönlich schätze die kurzfristigen Perspektiven relativ pessimistisch ein", sagte Constancio, der auch Gouverneur der Bank von Portugal ist. Langfristig könnten aber die portugiesischen Staatsfinanzen auf ein solides Fundament gestellt werden.
Das Haushaltsdefizit Portugals war 2009 in der Rezession auf 9,3 Prozent der Wirtschaftsleistung gestiegen. Die Regierung in Lissabon hat angekündigt, den Fehlbetrag bis 2013 unter die Maastricht-Grenze von drei Prozent zu drücken. Dazu sollen unter anderem die Gehälter im öffentlichen Dienst eingefroren werden. Mehrere Ratingagenturen hatten verstärkte Sparanstrengungen gefordert und mit Herabstufungen gedroht. Die Risikoaufschläge für portugiesische Staatsanleihen stiegen daraufhin.













