Presseschau: Griechenlands Referendum schockt Europa

Presseschau: Griechenlands Referendum schockt Europa

, aktualisiert 01. November 2011, 07:48 Uhr
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Griechenlands Regierungschef Papandreou kündigte keine Woche nach dem Euro-Krisengipfel ein Bürgerbefragung an.

Quelle:Handelsblatt Online

Die internationale Wirtschaftspresse ist besorgt angesichts der geplanten Volksabstimmung über das Rettungspaket in Athen. Bei einer Ablehnung der Sparmaßnahmen drohe im schlimmsten Fall der Staatsbankrott.

Der griechische Premier Giorgos Papandreou habe Europa mit der Ankündigung eines Referendums über die neueste Rettungsaktion für sein Land schockiert, schreibt das Wall Street Journal. Er drohe damit, die internationalen Anstrengungen der Krisenbewältigung zu untergraben. Ein positives Ergebnis der Abstimmung dürfte die Proteste gegen die Sparmaßnahmen, die eine Bedingung für weitere Rettungskredite seien, dämpfen. Ein „Nein“ könne die Regierung jedoch zu Fall bringen und die internationale Finanzierung für das Land abschnüren. „Dadurch wäre das Land mit einer finanziellen Kernschmelze konfrontiert“, warnt das Blatt. Eine Ablehnung der Wähler dürfte Angela Merkel und Nicolas Sarkozy vor eine bittere Wahl stellen: „Entweder sie lassen Griechenland bankrott gehen und riskieren eine Panik auf den Anleihemärkten und im Bankensektor, oder sie knicken ein und bieten den Griechen günstigere Bedingungen an“, schreibt das Blatt. 

Auch die Financial Times Deutschland sieht die überraschende Entscheidung von Giorgos Papandreou als „enormes Risiko“ an. „Sollte das Rettungspaket im Referendum abgelehnt werden, hätte das unabsehbare Folgen für den Euro und die Staaten der Euro-Zone“, schreibt das Blatt. Die künftige Finanzierung wäre wieder völlig offen. Im schlimmsten Fall drohe der Staatsbankrott. In diesem Fall müssten andere hoch verschuldete Euro-Staaten steigende Refinanzierungskosten fürchten. Dabei hätten sich die Märkte nach der Ankündigung eines 50-prozentigen Forderungsverzichts privater Gläubiger und einer 100 Milliarden Euro schweren Hilfstranche für Griechenland gerade erst beruhigt. Mit der Volksabstimmung wolle Papandreou an das Verantwortungsgefühl seiner Bürger appellieren, die seit Monaten gegen die harten Sparmaßnahmen protestierten.

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Der britische Guardian findet den „Ausbruch demokratischen Geistes“ zunächst lobenswert. Dennoch stelle sich die Frage, wie die Investoren, die ohnehin die Robustheit der kürzlichen Einigung in Frage gestellt hätten, auf die neue Wendung reagieren werden. „Vermutlich sehr negativ“, schreibt das Blatt. Es sei zunächst unklar, welche Frage die Griechen beim Referendum beantworten müssten und ob Papandreou seinen Plan gegenüber Sarkozy und Merkel erwähnt habe. Die bisherige Stille aus Berlin und Paris lasse dies nicht vermuten. „Kann die EU weiterhin Gelder einem Land zuteilen, von dem man nicht weiß, ob es die Bedingungen des Kreditpakets doch nicht akzeptieren will?“, fragt die Zeitung. Es sei zudem unklar, wie die Griechen abstimmen werden. Die Euro-Politiker seien auch in weniger harten Zeiten nicht besonders gut darin, Volksabstimmungen zu gewinnen.


Qantas-Chef gewinnt Pokerrunde

Die britische Financial Times glaubt, dass der Qantas-Chef Alan Joyce für sein „Pokerspiel“ vom Wochenende Lob verdient habe. Hintergrund: Die australische Fluggesellschaft hatte nach monatelangen Auseinandersetzungen mit den Gewerkschaften am Samstag den Betrieb eingestellt und die Entscheidung eines Schiedsgerichts erzwungen. Dieses ordnete ein sofortiges Ende des Flugstopps an. Das Pokern habe sich gelohnt: „Der Staat musste handeln und die Streiks sind beendet worden“, schreibt das Blatt. Während die Streiks jede Woche rund 15 Millionen Australische Dollar gekostet hätten, habe die Fluggesellschaft während der zweitägigen totalen Stilllegung rund 40 Millionen Australische Dollar verloren. „Das kann Qantas sich leisten“, kommentiert die Zeitung. Dabei äußert die Zeitung Zustimmung für die Unternehmensführung. Die Suche nach neuem Wachstum in Asien sei genau richtig. Der Plan, einen neuen Premium-Carrier in Asien aufzubauen, sage Vieles über die bisherige Basis aus – sie sei zu teuer. Qantas müsse seine internationalen Geschäfte verschlanken.

MF Global beging altbekannte Fehler

Der Zusammenbruch des Derivate-Brokers MF Global lasse Einige ziemlich dumm dastehen, kommentiert The Globe and Mail aus Kanada. Die Insolvenz der Möchtegern-Investmentbank gebe der Idee, dass Unternehmen ihr Kapital nur in dem Fall investieren dürften, wenn der Schaden für das System begrenzt bliebe, neuen Aufwind. MF Global habe die gleichen Fehler begangen, die bei anderen Instituten während der Finanzkrise 2008 bereits offenbart worden seien: darunter ein exzessiver Hebel oder die hohe Konzentration europäischer Anleihen im Portfolio, die etwa 15 Prozent der Bilanz ausmachten. Auch die Regulatoren trügen einen Teil der Schuld.

HRE ist keine Lachnummer

Die Börsen-Zeitung schließt sich im Bilanzskandal der Hypo Real Estate der hämischen Kritik der SPD an, der zufolge das Finanzministerium sich während der Krise dermaßen an den Umgang mit Billionen gewöhnt habe, dass es einen mittleren zweistelligen Milliardenbetrag schon mal übersehe. Auch sei es legitim, die Frage nach der politischen Verantwortung zu stellen. Doch auch wenn einige Kabarettisten an dem Fall ihren Spaß haben würden, lasse sich der Fall leider nicht als Lachnummer abtun. Soweit nennenswerte Fehlbuchungen vorgekommen seien, handele es sich um einen weiteren handfesten Skandal in der Geschichte der HRE. Erklärungsbedarf gebe es auch seitens der Wirtschaftsprüfer von PwC. Das Vertrauen der Bürger in die Finanzwirtschaft und Aufsichtsbehörden nehme durch solche Vorgänge weiter ab. „Woran und an wen kann man überhaupt noch glauben?“, fragt die Börsen-Zeitung stellvertretend.


Russland steht vor WTO-Beitritt

Das plötzliche Plus für den Bundeshaushalt aus dem ehemaligen Portfolio der Hypo Real Estate sei keine gute Nachricht, analysiert die Wirtschaftswoche. Die Steuerzahler dürften sich fragen, ob es bei den rund 175 Milliarden Euro bleiben dürfte, die bislang an Garantien und Kapitalspritzen mobilisiert worden seien, oder ob noch weitere Belastungen auf den Bundeshaushalt zukämen. „Wird demnächst vielleicht ein weiterer Fehler bekannt, der dann wirklich Geld kostet“, fragt das Blatt. Der Bundesfinanzminister und seine Beamten müssten sich die Frage gefallen lassen, warum die Panne erst jetzt bekannt wurde, schreibt die Wiwo.

Russland stehe nach etwa 18 Jahren Verhandlungen kurz vor der Aufnahme in die Welthandelsorganisation WTO, schreibt Vedomosti - ungeachtet der Mühen seiner Gegner. Bereits zum dritten Mal habe Russland die Verhandlungen mit allen 153 Mitgliedern abgeschlossen, und selbst Georgien habe diesmal grünes Licht gegeben, was unter dem Druck der USA und Europas geschehen sei. Doch man sollte sich nicht zu früh freuen. Bisher habe sich jedes Mal am Ende ein neues Hindernis aufgetan. Über die langen Jahre der Verhandlungen habe Russland bereits einige Beschränkungen freiwillig eingeführt, um den Ernst seines Anliegens zu unterzeichnen. Der durchschnittliche Einfuhrzoll liege bei etwa zehn Prozent, was sehr niedrig sei. Russlands Exporteure hätten jedoch als Nicht-Mitglieder der WTO mit einigen Beschränkungen im Ausland zu kämpfen. Dies sei ungerecht gegenüber der heimischen Wirtschaft, und verantwortlich dafür sei die Regierung und Premier Wladimir Putin persönlich, der den WTO-Beitritt früher bereits wiederholt habe platzen lassen. 

Fundstück: DSK-Skandal liefert Stoff für Pornofilm

The Local aus Frankreich berichtet von einer Idee, die Affäre des ehemaligen Chefs des Internationalen Währungsfonds Dominique Strass-Kahn als Porno zu verfilmen. Die Produzenten riefen die Öffentlichkeit dazu auf, das Projekt finanziell zu unterstützen. Mit einer Spende von etwa 35 Euro könne man sich eine Erwähnung im Abspann sichern. Insgesamt seien die Kosten des Films mit etwa 145.000 Euro veranschlagt worden.

Quelle:  Handelsblatt Online
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