Private-Equity-Investoren: Heuschrecken sind besser als ihr Ruf

Private-Equity-Investoren: Heuschrecken sind besser als ihr Ruf

, aktualisiert 17. November 2011, 12:32 Uhr
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Heuschrecken stehen in dem Ruf, aggressiv und skrupellos zu handeln.

von Johannes PennekampQuelle:Handelsblatt Online

Private-Equity-Gesellschaften und Hedge-Fonds wird immer wieder rücksichtsloses Wirtschaften vorgeworfen - vor allem auf Kosten der Mitarbeiter. Doch eine Studie zeigt: Langfristig machen sie Unternehmen besser.

DüsseldorfSie spielten sich als große Retter auf - doch am Ende hinterließen sie ein zerstörtes Unternehmen: Als die amerikanische Private-Equity-Gesellschaft CD&R gemeinsam mit einem weiteren Finanzinvestor 1999 beim Flugzeugbauer Dornier einstieg, sollte das der Befreiungsschlag für die angeschlagenen Flugzeugwerke sein. Doch nur drei Jahre später musste der süddeutsche Konzern Insolvenz anmelden, von den einst über 3500 Arbeitsplätzen blieben nur wenige Hundert erhalten.

Ein deutsches Traditionsunternehmen - herabgewirtschaftet von einem gierigen Finanzinvestor. Für Ex-SPD-Chef Franz Müntefering war das der Beweis für das rücksichtslose Wirtschaften internationaler Private-Equity-Gesellschaften und Hedge-Fonds. Wie "Heuschrecken" würden sie über Unternehmen herfallen und nichts als verkümmerte Reste hinterlassen, polterte er im Jahr 2005.

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Doch sechs Jahre später wird immer deutlicher: Der SPD-Politiker lag mit seiner Pauschalkritik falsch, Fehlinvestments wie bei Dornier scheinen Einzelfälle zu sein. Stattdessen zeigen Kapitalmarktforscher in einer Reihe aktueller Studien, dass Unternehmen, die in die Hände von Private-Equity-Investoren fallen, langfristig profitieren. Im Schnitt arbeiten sie nach der Übernahme produktiver und profitabler. Und auch die Angestellten müssen nicht in Panik verfallen, wenn ein Finanzinvestor anklopft. Denn Massenentlassungen sind nicht die Regel.

Was die wahren Folgen von Übernahmen durch Private-Equity-Gesellschaften und Hedge-Fonds sind, erforschen Ökonomen seit mehr als zehn Jahren. Lange tappten sie im Dunkeln, weil sich die Finanzinvestoren ungern in die Karten gucken lassen. "Wie sie durch ihre Investitionen in Unternehmen Gewinne erwirtschaften, ist ein streng gehütetes Betriebsgeheimnis", sagt Christoph Kaserer. Der Professor für Finanzmanagement und Kapitalmärkte der TU München bekam aber bei der Datenrecherche Unterstützung von der European Private Equity and Venture Capital Association.


Viele Fonds verdreifachen Einsatz.

Der Branchenverband beauftragte Kaserer mit der Analyse anonymisierter Daten von 332 mittelständischen Unternehmen, die in Europa zwischen 1990 und 2011 von Private-Equity-Gesellschaften übernommen und wieder verkauft wurden. "Inhaltlich konnte ich selbstverständlich vollkommen unabhängig arbeiten", versichert der Forscher.

Kaserers Studie bestätigt: Der Einstieg in Unternehmen ist für die Risikogesellschaften ein höchst lukratives Geschäft. Nach den knapp fünf Jahren, die sie durchschnittlich ihre Anteile halten, verdreifachen die Geldgeber ihre Anfangsinvestition im Schnitt beinahe.

Was Kaserers Untersuchung auszeichnet: Dank detaillierter Unternehmensdaten kann er nachvollziehen, woher dieser immense Wertzuwachs stammt. "Zwei Drittel der Rendite entstehen, weil sich die Unternehmen operativ verbessern", sagt der Forscher. Sie senken ihre Kosten und - was noch viel entscheidender sei - steigern ihren Umsatz.

"Die steigenden Umsätze sind mit Abstand die wichtigste Komponente der Wertsteigerung", betont Kaserer. Den meisten Unternehmen sei der Umsatzsprung aus eigener Kraft gelungen und nicht etwa, indem sie Wettbewerber hinzukauften.
Der sogenannte Leverage-Effekt, bei dem die Investoren die Schuldenlast des gekauften Unternehmens erhöhen und auf diese Weise die Eigenkapitalrendite in die Höhe treiben, werde dagegen überschätzt: "Bei Mittelstandsunternehmen macht der Effekt höchstens ein Drittel der Gesamtrendite aus", sagt Kaserer.

Sein Resümee deckt sich mit mehreren Studien, die in den vergangenen Jahren sogenannte "Buy-out-Transaktionen" bei Großkonzernen untersucht haben. "Die empirischen Belege sprechen stark dafür, dass Private-Equity-Aktivitäten im Schnitt wirtschaftliche Werte schaffen", fasst Steven Kaplan von der Chicago Booth School of Business in einer Studie zusammen.

Mitarbeiteraustausch

Selbst Hedge-Fonds, die als noch aggressiver und skrupelloser gelten, scheinen - wenn es um Unternehmensbeteiligungen geht - besser zu sein als ihr Ruf. Ein amerikanisches Forschertrio um Duke-Professor Alon Brav wies kürzlich am Beispiel amerikanischer Industriebetriebe nach, dass "Unternehmen besonders in wettbewerbsintensiven Branchen zwei Jahre nach der Transaktion effizienter wirtschaften". Sogar Konkurrenten könnten von dem Produktivitätsschub mitgezogen werden, schreiben die Forscher. Ihre Analyse für die Jahre 1994 bis 2007 widerspricht dem Vorurteil, dass die Fonds Zielfirmen systematisch finanziell ausquetschen.

Aber werden die Renditesteigerungen vielleicht doch auf Kosten der Mitarbeiter erwirtschaftet? Mehrere Studien hinterfragen diese Befürchtung - und schwächen sie zumindest ab. So fand ein fünfköpfiges Team um Investment-Forscher Josh Lerner von der Harvard Business School bei seiner Analyse von 3200 aufgekauften Unternehmen heraus: Es werden zwar mehr Stammkräfte entlassen als bei Konkurrenten, dafür aber auch viele neue Mitarbeiter eingestellt.

"Zusammengerechnet ergibt sich ein Effekt von weniger als einem Prozent der Beschäftigten", fassen die Forscher zusammen. Eine Studie französischer Ökonomen kommt sogar zu dem Schluss, dass aufgekaufte Konzerne ihre Wettbewerber auch bei Lohnhöhe und Beschäftigung abhängen.

Wärmer anziehen müssen sich dagegen Mitarbeiter in Führungspositionen. Sie werden laut einer weiteren Studie überdurchschnittlich häufig ausgetauscht.

Quelle:  Handelsblatt Online
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