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Sergej Tigipko im Interview: "Die Banken stärken, die Energiemonopole zerschlagen"

Quelle: Handelsblatt Online

Der Bankier Sergej Tigipko war bei den ukrainischen Wahlen in der ersten Wahlrunde Dritter und wird jetzt als Premier gehandelt. Mit dem Ex-Wirtschaftsminister und Ex-Zentralbankchef sprach in Kiew Nina Jeglinski.

Sergeij Tigipko wird als künftiger ukrainischer Premier gehandelt. Quelle: Reuters Quelle: handelsblatt.com
Sergeij Tigipko wird als künftiger ukrainischer Premier gehandelt. Quelle: Reuters Quelle: handelsblatt.com

Handelsblatt: Seit Jahren schiebt die Ukraine Reformen vor sich her. Wie müsste ein Programm für die ersten 100 Tage aussehen?

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Sergej Tigipko: Das Wichtigste wäre, den Etat 2010 komplett zu überarbeiten. Das von Julia Timoschenko vorgelegte Budget ist unrealistisch und sieht viel zu hohe Sozialausgaben vor. Grundsätzlich muss die Ukraine beginnen, mittelständische Firmen zu unterstützen. Noch herrscht der Irrglaube, diese Unternehmen würden der Wirtschaft mehr schaden als helfen.

Ist das Land dafür bereit?

Die Menschen erleben, was alles nicht funktioniert. Es ist die Aufgabe der Politiker, unpopuläre Reformen durchzusetzen.

Vor allem der Bankensektor hat durch die Wirtschaftskrise gelitten und konnte nur durch die Hilfe des IWF gerettet werden...

Die meisten Banken sind mit denen in Europa nicht vergleichbar. Der Eigenkapitalanteil ist oft zu gering, darum sind viele in Schieflage geraten. In Zukunft sollte die Zentralbank strengere Regeln aufstellen und durchsetzen. Zudem dürfen sich die Banken nicht nur der Spekulation widmen. Auch in der Ukraine sollten sie nicht zu Kasinos verkommen.

Die Zentralbank ist zum Spielball der Politik geworden. Was muss passieren, damit die Bank eine neutrale Institution wird?

Auf dem Papier hat unsere Nationalbank die gleiche Rolle wie ihre europäischen Pendants, doch mit der Umsetzung hapert es. Auch hier braucht es eine Person, die Mut hat, unpopuläre Maßnahmen umzusetzen.

Sie wollen die Gasverträge mit Russland wieder aufschnüren?

Wir wollen die gleichen Konditionen wie Europa, derzeit zahlt die Ukraine mit 221 Euro pro 1000 Kubikmeter Gas viel mehr als Deutschland (185 Euro) oder Polen (215 Euro). Die Preisgestaltung für Privatkunden und Unternehmen muss dem Markt angepasst werden.

Was ist mit der Reform des Energiekonzerns Naftogaz?

Das Staatsunternehmen gehört zerschlagen. Die Bereiche Transport, Lagerung und Verbrauch müssen in eigenständige, private Firmen überführt werden. Unser Energiesektor ist gekennzeichnet durch Korruption und Intransparenz. Um das aufzulösen, schlage ich die Schaffung eines Konsortiums vor, das den Gastransport regelt. Daran sollten sich Russland und die EU je zu 24,5 und die Ukraine zu 51 Prozent beteiligen.

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