Studie: Alkohol - Schmiermittel für gute Geschäfte

Studie: Alkohol - Schmiermittel für gute Geschäfte

, aktualisiert 26. November 2011, 11:25 Uhr
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Menschen, die gemeinsam getrunken haben, vertrauen sich eher.

Quelle:Handelsblatt Online

Menschen mit moderatem Alkoholkonsum verdienen besser als Abstinenzler. Dieses häufig beobachtete Phänomen haben Forscher nun ein Stück weit erklärt. Die Ergebnisse sind jedoch kein Freibrief für hemmungsloses Trinken.

DüsseldorfJapanische Fischer tun es, kanadische Holzfäller und Londoner Börsenhändler sowieso: Kaum ist der letzte Fang des Tages eingeholt, die Motorsäge verstummt, das Börsenparkett geschlossen, strömen sie in die nächste Bar, um mit Bier, Wein und Co miteinander anzustoßen.

Ob nach Feierabend, auf Partys oder beim Karten spielen: Während das einsame Trinken zu Hause eher verpönt ist, ist Alkoholkonsum in geselliger Runde ein weit verbreitetes Phänomen – dabei ist es weit günstiger, sich zu Hause das ein oder andere Gläschen zu genehmigen.

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Wie lässt sich dieses Phänomen erklären? Justus Haucap, Vorsitzender der Monopolkommission und Direktor des Düsseldorf Institute for Competition Economics (DICE) ist dieser Frage zusammen mit seinen Koautoren Björn Frank (Universität Kassel) und Annika Herr (DICE) in einer wissenschaftlichen Arbeit auf den Grund gegangen.

Die Ökonomen stellen die These auf, dass der gemeinsame Alkoholkonsum ein Schmiermittel für wirtschaftliche Transaktionen aller Art ist – weil sich Menschen, die gemeinsam getrunken haben, eher vertrauen. Haucap und seine Koautoren führen diesen Mechanismus in einem theoretischen Modell vor Augen – und untermauern ihn auch mit empirischen Daten.

Eine Romanfigur hat Haucap vor mehr als 15 Jahren auf die Idee  gebracht: Die Autorin Dorothy Allision beschreibt in ihrem Buch „Bastard out of Carolina“ einen Mann, der Menschen, die keinen Alkohol trinken, nicht vertraut.


Daten aus 26 Ländern

Haucaps Modell basiert auf der Annahme, dass es zwei Gruppen von Menschen gibt. „Der eine Typ ist vertrauenswürdig und produktiv, mit ihm arbeitet jeder gerne zusammen“, erklärt Haucap. Der andere Typ dagegen handelt hinterlistig und ist kein gerngesehener Geschäftspartner. Entscheidend ist: Bevor man mit einem anderen Menschen in Kontakt tritt, kann man nicht erkennen, zu welchem Typ er gehört.

Hier kommt der Alkohol ins Spiel: Wenn Menschen miteinander trinken, fahren in dem Modell beide besser. „Alkohol löst die Zunge“, sagt Haucap. Der Konsum erhöhe die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen, egal ob Ekel oder Sympathieträger, von sich aus ihren wahren Charakter preisgeben – und das erleichtere die Partnerwahl. Alkohol diene als Signal, das böse Überraschungen unwahrscheinlicher mache und dadurch Vertrauen schaffe.

Um zu überprüfen, ob diese These dem Realitätstest standhält, werteten die Ökonomen Daten aus 26 Ländern aus. Mit Hilfe des World Value Surveys ermittelten sie, wie stark das gegenseitige Vertrauen in verschiedenen Gesellschaften ausgeprägt ist. Befragungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) lieferten Informationen zu den Trinkgewohnheiten: „Wir entdeckten einen eindeutigen Zusammenhang“, sagt Haucap. Wie stark sich Menschen in einem Land vertrauen, hänge zu einem großen Teil davon ab, wie viel Alkohol dort getrunken wird.

In dieser Korrelation sehen die Ökonomen die Erklärung für das von Forschern vielfach beobachtete Phänomen, dass Menschen mit gemäßigtem Spirituosenkonsum besser verdienen als Abstinenzler. „Bislang wurde über die Gründe nur spekuliert“, so Haucap.

Die Ergebnisse der Wissenschaftler sind allerdings kein Freibrief zum hemmungslosen Trinken. Der Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und größerem Vertrauen lässt sich nur nachweisen, wenn die Alkoholiker herausgerechnet werden. Forscher Haucap: „Bei Menschen, die Blackouts oder einen Filmriss haben, funktioniert die Signalfunktion nicht.“

„In Vino Veritas: Theory and Evidence on Social Drinking“, von Justus Haucap, Annika Herr und Björn Frank, DICE, Discussion Paper Nr. 37 (November 2011). Kostenloser Download der Studie: www.handelsblatt.com/link

Quelle:  Handelsblatt Online
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