
HB PEKING. China hat sein Vertrauen in die Eurozone unterstrichen. "Der europäische Finanzmarkt war, ist und wird in Zukunft einer der Hauptorte für die chinesischen Investoren sein", sagte Ministerpräsident Wen Jiabao am Freitag auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel in Peking. Die deutsche Regierungschefin sagte: "Das ist ein wichtiges Signal, dass auch China deutlich gemacht hat, dass es Vertrauen in den Euro hat." Deutschland habe klar gemacht, "dass wir die Vorteile des Euro sehen und nutzen wollen." Jetzt komme es darauf an, mit kräftigen Strukturreformen die Grundlage dafür zu legen, dass der Euro eine starke Währung bleibe.
Wen betonte, China habe bereits dazu beigetragen, die Eurozone zu stabilisieren. Er verwies auf das gemeinsame Hilfspaket der Europäischen Union und des Internationalen Währungsfonds (IWF). "Ich denke, mit der gemeinsamen Anstrengung der internationalen Gemeinschaft werden die EU und die Eurozone sicher ihre Schwierigkeiten überwinden. Die Eurozone kann die Stabilität der Finanzmärkte bewahren.
Merkel stand neben dem chinesischen Premier Wen Jiabao an der Stirnseite des Raumes, als die Vertreter aus Politik und Wirtschaft vor ihr die deutsch-chinesischen Verträge unterschrieben. Für die Unterzeichnung des 690 Mio. Euro schweren Daimler-Vertrags mit Beiqi Foton setzten sich der Chef der Trucksparte Andreas Renschler und Nordostasienchef Ulrich Walker kurz neben den CEO des chinesischen Unternehmens Wang Jinyu an einen schweren Tisch in der Mitte des Raumes und griffen zu den bereitstehenden Stiften. Es gab an diesem Tag zehn Vereinbarungen zu unterschreiben, und Kanzler und Premiers haben wenig Zeit - die Zeremonie lief also im Akkord ab. Auch Umweltminister Norbert Röttgen oder der deutsche Botschafter Michael Schäfer und ihre chinesischen Gegenstücke durften nur eben so lange Platz nehmen, wie das Gekritzel auf die Verträge in schweren Ledermappen dauerte.
Schon kurz darauf scheuchten die Protokollexperten des chinesischen Außenministeriums weiter zum Festbankett. Die ganze Gruppe blieb zwar im selben Gebäude, doch der Weg war weit: Der Empfang für die Kanzlerin und die Termine des ersten Tags fanden alle in der Großen Halle des Volkes statt. Dieser chinesisch-klassizistisch Kasten ist einer der größten offiziellen Bauten der Welt. Ihr Herz ist der Plenarsaal für das chinesische Parlament mit über zehntausend Sitzen. Darum herum gruppieren sich über 300 kleinere Säle - und jeder Termin des Freitagsprogramms fand in einem anderen davon statt, jeder mit neuer Dekoration. Die Gastgeber hatten Merkel schon seit ihrem Empfang durch die Militärformation ständig an neue Orte durch das Labyrinth der Räumlichkeiten geführt - alle mehr oder wenig üppig dekoriert mit Wandgemälden von Berglandschaften, mannshohen Vasen und ausladenden Kronleuchtern.
Neben Peking will Merkel auch noch Xi'an mit seiner weltberühmten Terrakotta-Armee im Nordwesten Chinas in der Provinz Shaanxi besuchen. Es ist bereits die fünfte Chinareise der Kanzlerin. Mit Merkel reisen rund 25 hochrangige Wirtschaftsvertreter.
Merkel kam aus Russland von den deutsch-russischen Regierungskonsultationen in Jekaterinburg. Die gemeinsame russisch-deutsche Kabinettssitzung mit mehreren Bundesministern wurde begleitet von der Unterzeichnung zahlreicher Verträge. Als einer der herausragenden wurde ein Abschluss zwischen Siemens, russischen Regierungsorganisationen und Unternehmen über die Lieferung von 220 Regionalzügen mit einem Volumen von 2,2 Mrd. Euro genannt. Darüber hinaus schlossen die staatliche KfW-Bank und ihr russisches Pendant Vnesheconombank eine Vereinbarung zur Förderung mittelständischer Unternehmen in Russland.













