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Währungsunion: Eurozone bangt um ökonomischen Zusammenhalt

von Ruth Berschens Quelle: Handelsblatt Online

Die Gruppe der 16 Euro-Finanzminister ist zunehmend beunruhigt über die tiefen ökonomischen Gräben quer durch die Währungsunion. Die Wettbewerbsfähigkeit der Mitgliedstaaten klaffe in einem "besorgniserregenden" Ausmaß auseinander, heißt es in einem Erklärungsentwurf für die Sitzung der Euro-Gruppe Mitte Februar, der dem Handelsblatt vorliegt. Dies gebe "Anlass zu ernster Sorge für das Funktionieren der Währungsunion".

Derzeit gibt es in der Eurozone einige Finanzsünder. Quelle: dpa Quelle: handelsblatt.com
Derzeit gibt es in der Eurozone einige Finanzsünder. Quelle: dpa Quelle: handelsblatt.com

BRÜSSEL. Die Befürchtungen konzentrieren sich nicht nur auf das hochverschuldete Griechenland, sondern gelten auch Irland, Spanien, Portugal und Zypern. In diesen fünf Ländern seien die ökonomischen Ungleichgewichte besonders groß, sie alle hätten erhebliche Probleme mit ihrer internationalen Wettbewerbsfähigkeit bei Preisen und Produktionskosten. Irland habe bislang als einziges dieser Länder begonnen, politisch gegenzusteuern. Eine zweite Länder-Gruppe weise ebenfalls "besorgniserregende strukturelle Schwächen im Exportsektor" auf. Dazu gehörten Belgien, Frankreich, Italien, Malta, Slowenien, die Slowakei und Finnland.

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In einer relativ starken Wettbewerbsposition befänden sich nur vier Euro-Staaten, nämlich Deutschland, Luxemburg, die Niederlande und Österreich. Wirtschaftspolitischen Handlungsbedarf gebe es allerdings auch hier. Die vier Länder müssten die Qualität ihrer öffentlichen Finanzen verbessern, die Arbeitsmärkte reformieren und die Inlandsnachfrage stärken, etwa durch nachfragefreundliche Steuerreformen.

Zur Wettbewerbsfähigkeit der Euro-Staaten hatte die EU-Kommission kurz vor Weihnachten einen umfangreichen Bericht vorgelegt. Bereits im Januar hatte die Euro-Gruppe begonnen, über mögliche politische Konsequenzen zu beraten und will dazu nach ihrer Sitzung am 15. Februar eine Erklärung abgeben. Im Entwurf dieser Erklärung ist vorgesehen, dass sich die Finanzminister zu einer "ehrgeizigen und umfassenden politischen Antwort" verpflichten, die "Maßnahmen in den Bereichen Wirtschaftspolitik, Arbeitsmärkte, Güter- und Dienstleistungsmärkte und Kreditmärkte" einschließen. Ob die Euro-Gruppe die Erklärung in dieser Fassung tatsächlich beschließt, ist derzeit allerdings noch nicht klar.

Die Kurse griechischer Staatsanleihen fielen gestern erneut deutlich. Der Renditeabstand der zehnjährigen Griechen-Bonds zur vergleichbaren deutschen Staatsanleihe stieg auf fast vier Prozentpunkte - den höchsten Stand seit 1998.

2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 02.02.2010, 11:04 UhrAnonymer Benutzer: Lustig

    Es ist wie mit kommunizierenden Gefäßen: Ausgleich findet statt. im Falle Euro von reich zu arm. Wer kann es den schwächeren Staaten verdenken, zu tricksen und sich ein angenehmes Leben auf Kosten der reichen Staaten zu machen? Die Entscheidung zur Währungsunion kam ja nicht diktatorisch, sondern weil die Europäer das alle so wollten. Die wirtschaftliche Situation Griechenlands, Spaniens, Portugals etc. kam ja nicht über Nacht, sondern war jedem bürger bekannt, und die Europäer waren gerne bereit, sich hier solidarisch zu zeigen. (Sonst hätte es ja keine Zustimmung zu den diversen integrationsverträgen und zum euro gegeben!) Da Griechenland nur 1,8% des biP der EU stellt, kann man von Deutschland ruhig verlangen, das Aufzufangen - was auch geschehen wird. Es gibt zum Glück noch immer deutliche Mehrheiten für die EU und deren Ausweitung vom Staatenbund zum heutigen bundesstaat und in Zukunft zum Zentralstaat. Hier können sich die Politiker beruhigt auf Mehrheiten verlassen und im sinne Europas handeln. Also ist Zusammenhalt gefordert. Und die paar hundert Euro pro Kopf sollte es den reichen Staaten der Friede und das Projekt EU schon wert sein.

  • 29.01.2010, 12:05 UhrAnonymer Benutzer: Gerechtigkeit lässt sich nicht aufhalten

    So kommt es, wenn man Dilettanten Wirtschaftspolitik machen lässt. Wenn die griechischen Staatsanleihen auf ein Niveau fallen wie vor der Euro Einführung, so ist das nicht verwunderlich. Da die Griechen bei ökonomischen Zahlen getrickst haben, wären ihre Staatsanleihen ohnehin ohne die Trickserei nie gestiegen. Nun sind sie wieder dem fairen Wert näher als sie durch die Trickserei waren. bei einem Unternehmen hätte die Trickserei strafrechtliche Folgen. ich frage mich, warum noch kein Anleihehalter Griechenland auf Schadenersatz verklagt hat. ich meine, wenn ein Staat trickst um sich daraus Vorteile zu verschaffen, so ist das betrug.

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