Welthandel: China weint Krokodilstränen

KommentarWelthandel: China weint Krokodilstränen

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Vize-Präsident Zhou Zaiqun (von links nach rechts), Präsident Li Lihui und Vize-Präsident Chen Siqing der Banke of China.

von Mark Fehr

Der Exportweltmeister warnt vor einem Defizit im Außenhandel. Wie bitte? Die Chinesen bedienen sich nur einer uralten List, um den USA im Währungsstreit Wind aus den Segeln zu nehmen.

Hat sich die Weltwirtschaft verhört?

Chinas Regierungschef, Wen Jiabao, kündigt für März ein Handelsbilanzdefizit der Volksrepublik an. Es wäre der erste monatliche Negativsaldo im chinesischen Außenhandel seit April 2004.

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Um acht Milliarden Dollar soll der Wert der von Chinas Importeuren auf dem Weltmarkt gekauften Güter die Lieferungen der Exporteure an ausländische Kunden übersteigen. Diese Nachricht kommt Peking in der aktuellen Situation gerade Recht.

Die Amerikaner werfen den Chinesen seit Jahren Währungsmanipulation zugunsten der Exportwirtschaft vor. Ein staatlich niedrig gehaltener Wechselkurs verschaffe Chinas Industrie einen internationalen preislichen Wettbewerbsvorteil.

Angst vor einem Handelskrieg

Jetzt drohen die USA mit Strafzöllen auf chinesische Produkte und schüren die Angst vor einem Handelskrieg. Gleichzeitig scheint Bewegung in Chinas Währungspolitik zu kommen.

Notenbankpräsident Zhou Xiaochuan machte kürzlich vorsichtige Andeutungen in Richtung einer möglichen Aufwertung des Renminbi.

Doch das Tempo will China offenbar selbst bestimmen – und wendet eine uralte chinesische List an. Ganz plötzlich präsentiert sich der Exportweltmeister schwächer als er ist.

Schon die Denker und Feldherren des antiken China priesen diese List als "Strategie des leidenden Fleisches".

Ob der Trick des Starken, sich schwach zu stellen, um Kritik oder Angriffen zu entgehen, auch im modernen Wirtschaftsleben funktioniert?

Tatsache ist, dass Ökonomen trotz des im März möglichen Außenhandelsdefizits den Chinesen für das Gesamtjahr einen gewaltigen Exportüberschuss vorhersagen. Vom bevorstehenden Monatsdefizit sollte man sich daher nicht hinters Licht führen lassen.

Doch die angekündigten Zahlen verschaffen der Pekinger Regierung Luft, denn angesichts eines Importüberschusses fehlen den Befürwortern einer Währungsanpassung kurzzeitig die Argumente.

Deutsche Waren in China sehr begehrt

Abgesehen davon, wollen die Chinesen ihre Wirtschaft ohnehin besser ausbalancieren.

Die bisher wenig entwickelten Regionen abseits der florierenden Küstenprovinzen sollen an das Wachstum andocken. Die exportgetriebene Nachfrage soll durch steigende Binnennachfrage ergänzt werden.

Chinas Regierung hat auch schon mehr Importe angekündigt, um die Handelsbilanz auszugleichen. Schon jetzt ist die Nachfrage aus China ein nicht zu vernachlässigender Treiber des weltweiten Wirtschaftswachstums. Das merken nicht nur rohstoffreiche Länder, denen die Chinesen zu teils überhöhten Preisen immer neue Rekordmengen an Öl, Kohle und Erz abnehmen.

Auch die Exportnation Deutschland verdient an Lieferungen nach China. Als der deutsche Export im vergangenen Jahr durch den Kollaps des Welthandels um insgesamt 18,4 Prozent einbrach, waren die Chinesen die einzigen bedeutenden Auslandskunden, die für Wachstum sorgten.

Die deutschen Ausfuhren in die Volksrepublik stiegen gegenüber 2008 um sieben Prozent auf 36,5 Milliarden Euro. Besonders begehrt waren die Paradeprodukte Maschinen, Autos und Elektrotechnik.

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