Westerwelles Südamerika-Reise: Brasilien: Eine Großmacht bittet zum Tanz

Westerwelles Südamerika-Reise: Brasilien: Eine Großmacht bittet zum Tanz

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Ein Mitglied der Samba Schule Porto da Pedra in Rio de Janeiro, Brasilien.

von Henning Krumrey

Brasilien strotzt vor Kraft – und lässt es seine Gäste auch spüren. Henrique de Campos Meirelles, Chef der Zentralbank Brasiliens, teilt dem deutschen Journalistentross, der mit Außenminister Guido Westerwelle angereist ist, gleich zu Anfang mit, dass er hier nur zum Hintergrundgespräch bitte.

Denn was die Zentralbanker an Zahlen vorlegen, das strotzt nur so vor Kraft und Zuversicht.

Und natürlich versäumen es die Gastgeber nicht, auf die Unterschiede zu anderen Staaten hinzuweisen, denen die Finanz- und Wirtschaftskrise viel heftiger zugesetzt hat. Stolz zeigen die Währungshüter in Brasilia, wie sie die Inflation eingedämmt haben. Sicher, sie liegt immer noch bei sieben Prozent, aber seit sechs Jahren hält sie sich im Zielkorridor zwischen zwei und acht Prozent. Für Südamerika ist das ein guter Wert.

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Keine zehn Jahre ist es her, da mussten Meirelles und Kollegen 35 Prozent ausweisen. Und zwischen 1980 und 1994 hatten sich die Preise jedes Jahr mindestens verdoppelt. In der Krise steig die Rate im Euro-Raum um rund zwei Prozentpunkte, in Brasilien nur um einen.Auch den Stand der Staatsschulden im Vergleich zum Bruttoinlandsprodukt konnte der Amazonas-Gigant kontinuierlich absenken. Lag er Ende 2002 noch bei 60 Prozent, waren es sechs Jahre später, bevor die Finanzkrise das Land erfasste, nur noch knapp 43 Prozent. Nach der Krise soll es weiter nach unten gehen, für 2014 haben die Staatsbanker 35 Prozent im Visier. Parallel dazu stiegen die Währungsreserven von etwa über 30 auf mittlerweile 242 Milliarden US-Dollar.

Brasiliens Bilanz bei der Beschäftigung ist beeindruckend

Geholfen hat dabei natürlich auch das kräftige Wirtschaftswachstum, das die geliehenen Summen jährlich kleiner erscheinen lässt.

Zwar sackte auch hierzulande die Wirtschaftskraft in der Krise heftig ab, aber im Jahr 2009 blieb immerhin noch ein Mini-Plus von 0,2 Prozent. Für dieses Jahr sagen die staatlichen Ökonomen bereits wieder einen Aufschwung auf 5,8 Prozent voraus – und damit sogar mehr als vor dem Einbruch. Die Investitionen sollen sogar um 15,8 Prozent zulegen.

Beeindruckend ist auch die Bilanz bei der Beschäftigung.

Zwar gingen im Abschwung 800 000 Jobs verloren, aber seit dem Ende der Krise – in Brasilien – entstanden bereits wieder 1,3 Millionen neue Arbeitsplätze.Entsprechend hat der Staat die Ankurbelung der Wirtschaft schon wieder beendet. Die Hilfen beim Kauf von Autos oder Lastwagen liefen im März aus, im Juni versiegen die letzten außerplanmäßigen Zuschussquellen. Der wesentliche Teil der zusätzlichen Staatsausgaben diene nicht dem Wahlkampf – Anfang Oktober wird der Nachfolger oder die Nachfolgerin von Präsident Lula da Silva gewählt -, sondern sei er Stimulierung geschuldet. Stolz ist Brasilien darauf, dass kein einziger Real in die Rettung von Banken floss.Mit mahnendem Unterton legen die Zentralbanker schließlich eine Folie auf, die die Entwicklung der deutschen Direktinvestitionen in den BRIC-Staaten zeigt. Nicht nur, dass die in Russland deutlich höher und in China sogar doppelt so groß sind wie im Land des Amazonas. In allen drei anderen Staaten, also auch in Indien, sind sie in den vergangenen drei Jahren deutlich gestiegen. Nur in Brasilien fielen sie 2009 auf das Niveau von 2007 zurück.Dennoch hätte Brasilien gern mehr Engagement auch deutscher Investoren. 45 Milliarden Dollar Zuflüsse aus dem Ausland erwarten die Notenbanker in diesem Jahr. Brasilien habe eine freie Presse, eine unabhängige Justiz und sei inzwischen eine stabile Demokratie. Die Deutschen müssten nur noch kommen.

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