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Wissenswert: Schmutz-Zertifikate fallen durch

von Olaf Storbeck Quelle: Handelsblatt Online

Der CO2-Zertifikatehandel der EU sollte Wirtschaft und Klimaschutz miteinander versöhnen. Doch eine Studie zeigt: Dem von der Politik herbeigesehnten Markt mangelt es nicht nur an Effizienz.

Der Schlot eines Kohlekraftwerks im Westen von Polen. Quelle: dpa
Der Schlot eines Kohlekraftwerks im Westen von Polen. Quelle: dpa

LondonTheoretisch ist die Sache einfach. Alles, was man braucht, um den Klimawandel zu bremsen, ist ein Preis für Kohlendioxid-Emissionen. Dann regelt der Markt den Rest. Schließlich rechnen sich dann auch teure Investitionen in den Klimaschutz - solange sie billiger sind, als der Ausstoß der entsprechenden CO2 -Menge kostet.

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Auf dieser Logik basiert der Emissionshandel, den die Europäische Union (EU) 2005 eingeführt und seitdem schrittweise ausgebaut hat. Die Gesamtmenge der in der EU jährlich erlaubten Emissionsmengen ist gedeckelt, und Unternehmen können die Verschmutzungsrechte auf einem Markt handeln.

In der Realität gibt es allerdings ein Problem: Der CO2 -Preis fährt Achterbahn. Im ersten Jahr verdoppelte er sich auf fast 35 Euro, dann kollabierte er auf 15 Euro, stieg anschließend wieder fast auf die alten Höchstwerte und fiel schließlich wie ein Stein zu Boden. Derzeit kostet ein Zertifikat, das zum Ausstoß von einer Tonne Kohlendioxid berechtigt, weniger als sieben Euro.

Die Preisentwicklung ist gleich aus zwei Gründen problematisch. Zum einen leidet die Planungssicherheit von Investoren massiv unter den enormen Ausschlägen. Zum anderen ist das absolute Niveau des CO2 -Preises nach Ansicht vieler Umweltökonomen derzeit zu niedrig - Geld in teure Klimaschutzprojekte zu investieren, lohne sich momentan nur selten.


Fundamentale Faktoren konnten Kursausschläge nicht erklären

Was ist der Grund dafür, dass der Markt so schwankungsanfällig ist? Dieser Frage sind zwei Volkswirte des Münchener Ifo-Instituts in einer empirischen Studie jetzt auf den Grund gegangen. Die Wissenschaftler Marc Gronwald und Janina Ketterer kommen zu einem beunruhigenden Fazit: Mit fundamentalen Faktoren alleine lassen sich die gewaltigen Ausschläge nach oben und unten nicht erklären. Das ist ein deutliches Indiz dafür, dass der Markt bislang nicht effizient funktioniert und nicht die richtigen Preissignale liefert.

Bis zu 60 Prozent der gesamten Kursentwicklung gehen auf einmalige, plötzliche und extreme Veränderungen zurück, zeigen die Ergebnisse der Forscher. Auf anderen, etablierten Märkten haben solche Sprünge weit weniger Bedeutung. Auf dem Ölmarkt lassen sich zum Beispiel nur 30 Prozent der Kursentwicklung seit 1998 durch einzelne Extrembewegungen erklären - ähnlich sieht es auch bei traditionellen Aktienbörsen aus.

Zumindest zum Teil ist die übermäßige Volatilität des CO2 -Zertifikatemarkts hausgemacht, zeigt die Studie. Politische Entscheidungen können einige der massiven Ausschläge erklären. Die Einigung der EU-Staaten auf verbindliche Klimaschutzziele 2008 beflügelte den CO2 -Preis zum Beispiel deutlich. Als aber der Europäische Gerichtshof 2009 urteilte, dass Estland und Polen mehr Zertifikate zustehen, sackte der Preis umgekehrt schlagartig ab.

Die Aufsichtsbehörden sollten die Preisausschläge und das Preisniveau nicht länger ignorieren, fordern die beiden Forscher. Vorbild dabei könnten die Zentralbanken sein - die versuchen schließlich, die Inflation niedrig und stabil zu halten.

Download der gesamten Studie:www.handelsblatt.com/link

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