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Wissenswert: Wie man faulen Lehrern auf die Sprünge hilft

von Malte Buhse Quelle: Handelsblatt Online

Zuckerbrot und Peitsche: Unter Disziplinarauflagen können Lehrer mehr leisten. US-Forscher bewiesen nun, dass man ihnen bei schwachen Leistungen der Schüler das Gehalt kürzen sollte, um einen Anreiz zu schaffen.

Lehrer können mehr leisten, wenn man die Anreize nur richtig setzt. Quelle: dpa
Lehrer können mehr leisten, wenn man die Anreize nur richtig setzt. Quelle: dpa

KölnAuf dem Papier sieht alles so einfach aus: Wenn Lehrer für gute Leistungen ihrer Schüler ein Extragehalt bekommen, machen sie einen besseren Unterricht, predigen Bildungsökonomen seit Jahren. In Studien und Modellen schwärmen sie von den segensreichen Wirkungen einer leistungsabhängigen Lehrerbezahlung. Die Pädagogen nähmen sich für schwächere Schüler mehr Zeit und der Beruf würde für talentierte Studenten attraktiver.

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Das Problem: In der Realität scheitert die schöne ökonomische Theorie oft. US- Schulen haben die Bonuszahlungen für Lehrer bereits eingeführt - besser wurden die Schüler dadurch nicht.

Eine Forschergruppe um den Harvard-Ökonomen Roland Fryer glaubt jetzt herausgefunden zu haben, wie die Theorie auch in der Realität funktionieren kann: Statt Lehrer mit der Aussicht auf einen fetten Bonus zu locken, sollte man ihnen lieber androhen, Geld wegzunehmen.

Die Ökonomen arbeiteten für ihre Studie mit neun Schulen in der Stadt Chicago Heights zusammen und konnten so die Wirkungen von Lehrerboni in einem Experiment messen. Jedem Lehrer boten sie an, bis zu 8000 Dollar zu zahlen, wenn die Schüler bei einem Vergleichstest gut abschneiden. Nicht alle Lehrer wollten bei dem Experiment mitmachen, daher hatten die Forscher gleich eine passende Kontrollgruppe und konnten messen, ob Lehrer mit oder ohne Prämie die besseren Schüler ausbilden.

Einigen Pädagogen schlugen die Ökonomen einen besonderen Deal vor: Sie zahlten ihnen schon am Beginn des Schuljahres 4000 Dollar. Wenn ihre Schüler eine vorgegebene Punktzahl beim Vergleichstest erreichten, durften die Lehrer das Geld behalten. Waren die Schüler schlechter, mussten die Pauker die Prämie wieder zurückzahlen.

Als die Forscher die Testergebnisse am Schuljahresende auswerteten, kamen sie zu überraschenden Ergebnissen. Schüler, deren Lehrer erst nach dem Test ausgezahlt wurden, erreichten nicht mehr Punkte als diejenigen in der Kontrollgruppe, in der die Lehrer keine Prämien erhielten.

Doch eine Schülergruppe war in dem Test besonders stark: Diejenigen, die von Lehrern unterrichtet wurden, denen die Forscher schon vor dem ersten Schultag 4000 Dollar gezahlt hatten.


Verlustrisiko steigert den Erfolgswillen

Auch bei einem zweiten überregionalen Test schnitten die Schüler am besten ab, deren Lehrer ihre Prämie als Vorauszahlung erhalten hatten. Da bei diesem Test andere Aufgaben abgefragt wurden, konnten die Forscher ausschließen, dass die Lehrer ihre Schüler nur gezielt auf einzelne Testfragen vorbereitet hatten, statt ihnen grundlegendes Wissen zu vermitteln.

"Menschen reagieren stärker auf das Risiko, eine bereits erhaltende Belohnung wieder zu verlieren als auf die Chance eines Gewinns", schlussfolgern die Forscher.

Dass Verlustangst Menschen eher Beine macht als eine mögliche Belohnung, zeigt auch ein Experiment mit chinesischen Fabrikarbeitern. Dabei führten die Forscher Tanjim Hossain (Universität Toronto) und John List (Universität Chicago) in einer Fabrik für Elektrogeräte ein Belohnungssystem ein: Wer besonders viele Geräte zusammenschraubte, erhielt eine Bonuszahlung.

Wie im Schulexperiment bekamen einige Arbeiter den Bonus schon im Voraus ausgezahlt. Auch Hossain und List stellten dabei fest: Diejenigen Arbeiter, die ihre Prämie verteidigen mussten, waren produktiver als Kollegen, die erst nach vollbrachter Arbeit Geld sahen.

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 22.08.2012, 05:24 UhrJoselyn

    Erst einmal sollte dafür gesorgt werden, dass das Umfeld stimmt. Viele Lehrer sind zu alt, kommen mit den Kindern nicht mehr klar. Dazu kommt, dass es generell zu wenig Lehrer an den Schulen gibt, weil diese kein Geld haben, neue Lehrer einzustellen. 1/4 des Unterrichts fällt aus, bei manchen Klassen sogar noch mehr. Klassen von 30 Schülern und mehr sind an öffentlichen Schulen nicht selten. Wie soll da ein Lehrer noch auf die einzelnen Schüler eingehen können ???

    Es muss generell mehr Lehrer geben, vor allem jüngere. Die Klassen sollten auf 20 Schüler beschränkt werden, damit die Pädagogen auch vernünftig arbeiten können.

    Ferner haben die Lehrer zu wenig Möglichkeiten in Deutschland, die Schüler zu disziplinieren. Es sollte auch die Möglichkeit von Schulverweisen geben in Einzelfällen. Über mehr Hausaufgaben und/oder ein Gespräch mit den Eltern lachen die meisten Schüler. Die Aufgaben werden einfach nicht gemacht und die Eltern bestrafen die Kinder auch nicht für Fehlverhalten, was diese genau wissen.

    Da hilft auch eine Sonderprämie nichts und wird auch nichts ändern.

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