Öl und Euro sind so teuer wie nie, die Verbraucherpreise so hoch wie lange nicht mehr. Rezessionsangst schwappt über den Atlantik, die Finanzkrise fordert immer mehr Opfer. Und nun auch noch steigende Leitzinsen: Es wird ungemütlich in Europa. Der Aufschwung, der manche Branchen bereits zu übermütigen Lohnerhöhungen verführte, scheint schneller zu Ende zu gehen, als manche erwartet haben.
Höchste Zeit also, der Schar der Aufgeregten ein paar Fakten entgegenzusetzen. Erstens: Es ist Unsinn, dass die heutige Minizinserhöhung der Europäischen Zentralbank Hunderttausende Arbeitsplätze bedroht. Kein Unternehmen lässt sich wegen dieser geringfügigen Zinsverteuerung von einer zukunftsträchtigen Investition abhalten. Kein Verbraucher wird deswegen auf den neuen Kühlschrank verzichten.
Einen viel größeren Einfluss auf Investitions- und Kreditentscheidungen als der Leitzins hat die wirtschaftliche Perspektive. Zu der zählt ganz wesentlich die Geldwertstabilität. Und deren Sicherung ist der Hauptjob der EZB. Das Signal der Notenbank, die Inflation entschlossen zu bekämpfen, ist daher von großer Bedeutung. Die Gewerkschaften wären gut beraten, mit moderaten Lohnforderungen einen eigenen Beitrag zur Senkung des Preisschubs zu leisten.
Zweitens: Inflation ist unsozial, sie ist Gift für eine Volkswirtschaft. Inflation nützt allen, die hochverschuldet sind, sie vertilgt die Ersparnisse und Löhne der kleinen Leute. Wer einmal erlebt hat, wie Hyperinflation funktioniert, kann das nachvollziehen. Wenn in Staaten mit einer Hyperinflation der Brotpreis über Nacht 30 Prozent steigt, ahnt man, wie hilflos die breite Bevölkerung und weite Teile der Wirtschaft diesem Phänomen ausgeliefert sind.
Nur wer über Devisen verfügt, ist auf der sicheren Seite. Daraus folgt: Wachstum und Beschäftigung gedeihen nachhaltig nur in einem Klima stabiler Preise. Und dafür ist die Zentralbank zuständig. Heute hat sie ihre Aufgabe erfüllt.
Drittens: Zu niedrige Zinsen fördern nicht nur die Inflation, sondern auch die Fehlallokation von Kapital. Das haben wir gerade schmerzlich in den USA erlebt, wo eine lange Phase zu niedriger Zinsen zu einer gefährlichen Immobilienpreisblase geführt hat.
Gemessen an den Fehlern der amerikanischen Zentralbank, hat EZB-Chef Trichet jetzt genau das Richtige getan. Er sollte sich auch in Zukunft von Besserwissern aus der Politik, die selbst keinen rechten Beitrag zur Inflationsbekämpfung leisten, nicht vom Pfad der Tugend abbringen lassen.
Dennoch: Es wird nach ein paar behaglichen Jahren des Aufschwungs in der Tat ungemütlich in Europa. Die Schwäche der Banken und die Konjunkturflaute werden bei den Unternehmen früher oder später ankommen.
Die Phase, in der billige Zinsen Regierungen und Parlamenten tiefgreifende Schritte für eine echte Sanierung der Staatshaushalte ersparten, geht zu Ende. Der Anteil der Staatsausgaben, der für Zinsausgaben aufgewendet werden muss, droht nun wieder zu steigen.
Der Spielraum für Wahlgeschenke wird damit kleiner. Jetzt sind mehr denn je Führungsstärke und Mut zu unpopulären Entscheidungen gefragt. Forderungen nach schnellen Zinssenkungen laufen ins Leere.












