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Zwölf Jahre Arbeitslager: Nordkorea verurteilt US-Journalistinnen

von Finn Mayer-Kuckuk Quelle: Handelsblatt Online

Das höchste Gericht in Nordkorea hat zwei an der Grenze zu China festgenommene US-Journalistinnen zu jeweils zwölf Jahren Arbeitslager verurteilt. Die Bemühungen der USA um ihre Freilassung waren bisher vergeblich. Das Weiße Haus erwägt nun, andere Maßnahmen zu ergreifen.

Verurteilt: Die koreanischstämmige Journalistin Euna Lee und ihre chinesischstämmigen Kollegin Laura Ling. Quelle: ap Quelle: handelsblatt.com
Verurteilt: Die koreanischstämmige Journalistin Euna Lee und ihre chinesischstämmigen Kollegin Laura Ling. Quelle: ap Quelle: handelsblatt.com

TOKIO. Pjöngjang verstärkte mit dem Urteil seine Provokationen gegenüber den USA. Die zwei amerikanischen TV-Journalistinnen sollen illegal die Grenze zu Nordkorea überschritten haben. Euna Lee und Laura Ling hatten Mitte März am Grenzfluss zu China gedreht, als nordkoreanische Soldaten sie aufgegriffen haben. "Die Vorwürfe gegen die beiden Frauen entbehren jeder Grundlage", sagte US-Außenministerin Hillary Clinton. Sie forderte sie sofortige Freilassung der Reporterinnen. Nach einem Atomtest Nordkoreas vor zwei Wochen beginnen die USA, ihren Ton gegenüber dem abgeriegelten Land zu verschärfen. US-Präsident Barack Obama nannte Nordkorea "sehr provokativ". Amerika werde sich diesmal nicht beschwichtigen lassen, sagte Obama.

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Nordkoreas Staatschef Kim Jong-Il will derzeit Stärke gegenüber dem Westen demonstrieren. Aus Pjöngjang ist zu hören, dass er die Übergabe der Macht im Lande an seinen jüngsten Sohn Jong-Un vorbereite. Dessen ältester Bruder Jong-Nam sagte japanischen Reportern am Wochenende, er wäre nicht überrascht, wenn Jong-Un seinem Vater nachfolge. Vater Kim ist 67 Jahre alt und hat im vergangenen August einen Schlaganfall erlitten. Jong-Un verfügt jedoch vermutlich noch nicht über eine eigene Machtbasis. Daher will sein Vater die Herrschaft der Familie vorher noch so weit als möglich ausbauen. Gelingt es ihm, die USA in die Position eines Bittstellers um Abrüstung zu zwingen, kann er damit in seinem eigenen Land enorm punkten.

Ebenfalls ins Bild passt, dass Nordkorea in auffälliger Weise den Test einer weiteren Mittelstreckenrakete vorbereitet. In einem Funkspruch sperrte die nordkoreanische Marineleitstelle am Montag den Schiffsverkehr vor einer Abschussbasis, wie Japans Küstenwache meldete. Vergangene Wochen hatten Spionagesatelliten Bilder aufgefangen, die den Transport eines Flugkörpers zur Startrampe zeigten. Im April hatte Nordkorea seine Nachbarn mit dem Test einer Langstreckenrakete erschreckt. "Nordkorea muss zurück auf die Liste der Staaten, die Terroristen unterstützten", forderte Japans Chefkabinetssekretär Takeo Kawamura. Der US-Präsident hatte das Land im vergangenen Jahr von der Liste gestrichen, weil es erste Schritte zur Abrüstung unternommen hatte.

Angesichts der Inhaftierung der Journalistinnen gilt es als wahrscheinlich, dass Obama Nordkorea wieder auf die Liste der Schurkenstaaten setzt, die seinem Vorgänger George Bush so wichtig war. "Wir prüfen das. Wir würden Beweise dafür sehen wollen, dass sie den internationalen Terrorismus unterstützen", sagte Clinton. "Nordkorea ist zu einem bestimmten Zweck von der Liste genommen worden, den das Land jetzt durch seine Handlungen hintertrieben hat." Der Sender der gefangenen Reporterinnen, Current TV, gehört zum Teil Obamas Parteifreund Al Gore. Euna Lees Familia stammt aus Korea, während Laura Ling chinesische Wurzeln hat.

Nordkorea wirft den beiden asiatischstämmingen Amerikanerinnen auch Spionage vor. Grenzsoldaten hatten sie im März an dem zugefrorenen Fluss Tumen aufgegriffen, wo sie für einen Beitrag über Arbeitsbedingungen in Nordkorea drehten. Der Anklage zufolge befanden sie sich auf der nordkoreanischen Seite. Ihr Dolmetscher und ihr Führer konnten fliehen. Während eines diplomatischen Zusammenstoßes mit den USA im Jahr 1996 hatte Nordkorea eine ähnliche Taktik angewandt und ebenfalls einen US-Staatsbürger an der Grenze gefangen genommen. Der Missionar Evan Hunziker kam damals nach drei Monaten frei.

Der Weltsicherheitsrat der Vereinten Nationen scheint derweil in New York einer Einigung zum Umgang mit den aggressiven Gesten in Nordostasien näher gekommen zu sein. Doch es wiederholt sich ein jahrealtes Muster: Nordkoreas Verbündeter China fordert nur milde internationale Strafen, während die USA für härtere Sanktionen plädieren. Eine "angemesse und ausgeglichene Reaktion" der Weltgemeinschaft, forderte der chinesische Außenminister Yang Jiechi in Tokio. Clinton sprach sich dagegen in Washington dafür aus, die strengst möglichen Sanktionen zu verhängen.

Alle Mitglieder des Sicherheitsrates verfügen über ein Einspruchsrecht. Japan ist derzeit nichtständiges Mitglied in dem Uno-Gremium und fordert wie die USA maximale Sanktionen. Der Handel mit Nordkorea ist zwar durch Sanktionen der EU und der USA bereits seit 2006 stark eingeschränkt, prinzipiell ist Güterverkehr jedoch möglich. China und Südkorea machen davon in einer Größenordnung von je zwei Mrd. Euro noch Gebrauch.

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