Porsche-Prozess: Freispruch für Wendelin Wiedeking

Porsche-Prozess: Freispruch für Wendelin Wiedeking

, aktualisiert 18. März 2016, 10:11 Uhr
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Das Landgericht Stuttgart hat den früheren Porsche-Chef freigesprochen.

von Martin-W. BuchenauQuelle:Handelsblatt Online

Das Landgericht Stuttgart hat Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking vom Vorwurf der Marktmanipulation im VW-Übernahmepoker freigesprochen. Der zum Teil kurios verlaufene Prozess wird aber wohl eine Fortsetzung finden.

StuttgartDas Landgericht Stuttgart hat Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking vom Vorwurf der Marktmanipulation im Zusammenhang mit dem Übernahmepoker um Volkswagen 2008 freigesprochen. Das sagte Richter Frank Maurer am Freitag in Stuttgart.

Die Staatsanwälte hatten vor dem Stuttgarter Landgericht zweieinhalb Jahre Haft für Wiedeking und 27 Monate für Härter gefordert. Die Anwälte von Wiedeking (63) und Härter (59) hatten am Montag in ihren Plädoyers Freispruch gefordert und waren die Staatsanwälte dabei harsch angegangen.

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Die Anklage warf den Ex-Managern vor, bei der Übernahmeschlacht mit VW 2008 zunächst ihre Pläne zur Komplettübernahme verschleiert zu haben. Erst am 26. Oktober traten sie damit in die Öffentlichkeit. Daraufhin schnellte der Aktienkurs in schwindelnde Höhen. Anleger, vor allem Hedgefonds, die auf sinkende Kurse gewettet hatten, erlitten Milliardenverluste und klagen noch heute auf Schadensersatz. Bei den Verhandlungen sitzen immer zahlreiche Anwälte der Hedgefonds im Publikum und schreiben mit. Sie hoffen auf Erkenntnisse für ihre eigenen Zivilprozesse gegen die Porsche SE.

Im Verlauf des Prozesses konnte kein Zeuge oder Gutachter die Vorwürfe der Ankläger wesentlich stützen. Dies hatte auch die Staatsanwaltschaft eingeräumt. Sie ist dennoch von der Schuld der beiden Manager überzeugt und stützt sich hierbei auf Indizien.

Der Verlauf der Zeugenbefragung nahm mitunter sehr seltsame Züge an. Wiedekings einstiger Chefstratege und neben Härter engster Mitarbeiter bei der Übernahmeschlacht glänzte mit an Amnesie grenzenden Erinnerungslücken. Dabei hatte er vor vier Jahren in der polizeilichen Vernehmung noch detaillierte Erinnerungen zu Protokoll gegeben.


Investmentbanker mit Erinnerungslücken

Der Zeuge, der von seinem Arbeitgeber eine Abfindung von fünf Millionen Euro gefordert hatte und als Gegenleistung sein Schweigen angeboten hatte, gab vor Gericht das Bild eines vom Schicksal geschlagenen Mannes mit völlig zerstörter Persönlichkeit. Weder Richter noch Staatsanwalt wagten den Mann intensiver und härter zu befragen.

Auch ein Porsche beratender Investmentbanker glänzte mit bemerkenswerten Erinnerungslücken bei einem Fall, der zwar über sieben Jahre zurücklag, aber damals das mit Abstand wichtigste Mandat seiner Investmentbank war. Auch er wurde weder vom Richter noch vom Staatsanwalt ernsthaft in die Zange genommen. Die Hedgefonds wollen diese Zeugen in den Zivilprozessen unbedingt vorladen lassen und dann härter rannehmen, wie aus Kreisen der klagenden Anleger zu hören ist. Ihrer Ansicht nach haben einige Zeugen nachweislich gelogen.

Die Vernehmung der Zeugen im Stuttgarter Strafprozess gab insgesamt eher ein Bild ab, als hätte man sich die Verhandlung auch sparen können. Zahlreiche Akten wurden zudem im Selbstleseverfahren studiert. Das bedeutet, sie wurden nicht öffentlich in der Verhandlung behandelt. Ob darin Indizien zu finden sind, die zur Verurteilung, reichen, blieb bis zuletzt offen.

Es gilt als wahrscheinlich, dass die Staatsanwaltschaft Revision einlegen wird. Zuständig ist dann direkt der Bundesgerichtshof.

2008 war die entscheidende Phase bei Porsches VW-Übernahmeversuch, der letztlich schiefging. Wiedeking und Härter mussten 2009 ihre Chefposten räumen. Heute ist der Sportwagenbauer Porsche AG eine Tochter von Volkswagen. Aber die Porsche SE hält als reine Beteiligungsgesellschaft der Familien Porsche und Piëch hingegen etwa 51 Prozent am VW-Konzern.

Quelle:  Handelsblatt Online
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