Porsche-Prozess: „Wiedeking und Piëch waren auf Crashkurs“

Porsche-Prozess: „Wiedeking und Piëch waren auf Crashkurs“

, aktualisiert 14. März 2016, 13:32 Uhr
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Der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Porsche Automobil Holding SE, Wendelin Wiedeking (links), und der ehemalige Finanzvorstand Holger Härter plädieren auf Freispruch.

von Martin-W. BuchenauQuelle:Handelsblatt Online

Im Porsche-Prozess haben die Verteidiger von Ex-Firmenchef Wendelin Wiedeking und Finanzchef Holger Härter auf Freispruch plädiert. Die Anwälte gingen dabei mit der Staatsanwaltschaft hart ins Gericht.

StuttgartDer zweite Akt des Showdowns im Porsche-Prozess: Die Verteidiger im Strafverfahren gegen den früheren Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und dessen damaligen Finanzchef Holger wegen Marktmanipulation beim Übernahmekampf um den VW-Konzern haben auf Freispruch plädiert.

„Allen Ankündigungen von Porsche waren richtig. Es gab keinen geheimen Plan, den Kurs hochzujubeln, um anschließend Kasse zu machen", sagte Wiedekings Verteidiger Walther Graf vor dem Landgericht Stuttgart. Keine Zeugenaussage in der Hauptverhandlung habe die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft auf informationsgestützte Marktmanipulation bestätigt. Es habe weder drohende Milliardenverluste durch die Optionsgeschäfte im fraglichen Zeitraum gegeben, noch sei Liquidität bedroht gewesen, sagte Anne Wehnert, Verteidigerin von Ex-Finanzchef Holger Härter. „Das waren rein buchhalterische Verluste“, sagte Wehnert. Es sein „sinnentleert, dass die Staatsanwaltschaft sich bei der Verachtung nur einen kleinen Zeitraum herausgepickt habt“.

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Zudem habe sich die Staatsanwaltschaft schlicht verrechnet. Wehnert bezifferte die Liquidität im Oktober 2008 mit bis zu drei Milliarden Euro. Und es hätte allenfalls ein Verlust von knapp 200 Millionen Euro gedroht und nicht sieben Milliarden Euro, wie die Staatsanwaltschaft behaupte. Alle Verteidiger forderten Freispruch für ihre Mandanten.

Die Staatsanwaltschaft hingegen hatte am vergangenen Mittwoch Freiheitsstrafen und Geldbußen für Wiedeking und den früheren Porsche-Finanzchef Härter gefordert. Wiedeking soll nach ihrem Plädoyer zweieinhalb Jahre ins Gefängnis gehen. Die Strafverfolger sehen es als erwiesen an, dass die beiden 2008 mit unrichtigen öffentlichen Aussagen Anleger täuschen und den VW-Aktienkurs manipulieren wollten.

In dem seit Oktober laufenden Prozess geht es um den letztlich gescheiterten Versuch der Porsche SE, den viel größeren Volkswagen-Konzern 2008 vollständig zu übernehmen. Von März bis Oktober dieses Jahres hatte Porsche diese Absicht dementiert, am 26. Oktober den Plan aber offen gelegt. Daraufhin schnellte der Aktienkurs in schwindelnde Höhen. Anleger, vor allem Hedgefonds, die auf sinkende Kurse gewettet hatten, erlitten Milliardenverluste und klagen noch heute auf Schadensersatz. Bei den Verhandlungen sitzen immer zahlreiche Anwälte der Hedgefonds im Publikum und schreiben mit. Sie hoffen auf Material für ihre eigenen Zivilprozesse. Sie kritisieren, dass die Zeugen im Strafprozess nicht hart genug vernommen wurden.


„Sie haben nichts, aber auch gar nichts verstanden“

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hatten Wiedeking und Härter spätestens im März die VW-Übernahme beschlossen – jedoch verdeckt, weshalb es keine Zeugen und Dokumente gebe. Als Beweis betrachten sie die milliardenschweren Optionsgeschäfte mit VW-Aktien und Kreditlinien, die den Finanzbedarf der zunächst nur angestrebten Aufstockung von 30 auf 51 Prozent überstiegen hätten. Letztlich hätte die Porsche SE durch die Kurskapriolen der VW-Aktien im Oktober vor Milliardenverlusten gestanden, die die Angeklagten mit der Offenlegung ihrer Positionen am letzten Sonntag im Oktober verhindern wollten.

Wiedekings Verteidiger warf der Staatsanwaltschaft vor, dies sei eine frei erfundene Geschichte, Härters Anwältin sprach sogar von „Hirngespinsten“, die durch nichts zu beweisen wäre. Die Verteidiger kritisierten die Prozessführung der Staatsanwälte, die im Verlauf der Verhandlung ihre Vorwürfe mehrmals geändert hatte. „Erst haben sie gebastelt und dann gepuzzelt. Und wenn ein Puzzleteil nicht passte, haben Sie es passend gemacht“, sagte Wiedeking-Verteidiger Graf.

Sein zweiter Verteidiger Hanns Feigen, der auch schon Uli Hoeneß in seinem Steuerstrafverfahren verteidigt hatte, sprach von einem Vorgehen der Staatsanwaltschaft, die er in 32 Jahren vor Gericht noch nicht erlebt habe. Er zeigte wenig Verständnis dafür, dass die Staatsanwälte die Rolle von VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch, gleichzeitig einer der Porsche-Eigentümer, als Schlüsselfigur in der Übernahmeschlacht schlicht ignoriert hätten. Wiedeking und Piëch seien auf „Crashkurs“ gewesen. „Sie haben nichts, aber auch gar nichts von einem familienbeherrschten Unternehmen verstanden“, warf Feigen den Staatsanwälten vor.

Die Staatsanwälte hatten behauptet, Piëch habe im Aufsichtsrat von Porsche ja nur eine von zwölf Stimmen gehabt und hätte jederzeit überstimmt werden können. Piëch hatte Wiedeking die im Verlauf der Übernahmeschlacht die Unterstützung entzogen und soll dadurch maßgeblichen Anteil am Scheitern der Komplettübernahme gehabt haben. Das sehen die Verteidiger als einen der Belege dafür, dass er keine geheimen Übernahmepläne gehabt haben könne.
Am kommenden Freitag will Richter Frank Maurer das Urteil sprechen. Egal wie es ausgeht – es gilt als sehr wahrscheinlich, dass die unterlegene Partei Revision einlegen wird. Zuständig ist dann direkt der Bundesgerichtshof.

Quelle:  Handelsblatt Online
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