Präsidentschaftswahl in Frankreich: Pariser Banker in Alarmbereitschaft

Präsidentschaftswahl in Frankreich: Pariser Banker in Alarmbereitschaft

, aktualisiert 20. April 2017, 13:23 Uhr
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Wahlunterlagen diverser französischer Präsidentschaftskandidaten liegen nebeneinander.

Quelle:Handelsblatt Online

Kurz vor der Präsidentschaftswahl in Frankreich befinden sich die Banker in Alarmbereitschaft - denn der Ausgang ist ungewiss. Dabei sorgt die rechtsextreme Kandidatin Le Pen für zusätzliche Verunsicherung bei Anlegern.

ParisFür den Wahlsonntag in Frankreich haben Banken und Handelshäuser Mitarbeiter in Alarmbereitschaft versetzt: Statt Familienausflug ist Bereitschaftsdienst angesagt. Sobald die Prognosen über den Ausgang der ersten Runde der Präsidentschaftswahl über die Bildschirme flimmern, wird es für die Banker in Paris ernst. In Umfragen ist zuletzt der Alt-Linke und EU-Kritiker Jean-Luc Melenchon zum Schrecken vieler Investoren dicht ans Favoritenfeld herangerückt. Für erhöhte Nervosität unter Anlegern und Vermögensverwaltern sorgt zudem, dass die rechtsextreme Euro-Gegnerin Marine Le Pen anders als Melenchon wohl fast sicher in die zweite und entscheidende Runde einziehen wird. Ein Sieg Le Pens bei der Stichwahl am 7. Mai würde die Börsen Experten zufolge ins Chaos stürzen. Aber auch schon ein Duell zwischen den Kandidaten von links und rechts außen in der zweiten Runde wäre für viele Anleger ein fatales Signal.

Für Vermögensverwalter lautet die Devise daher: schnell handeln. Denn Zeit ist bekanntlich Geld. Niemand will auf dem falschen Fuß erwischt werden, wenn die Finanzmärkte nach dem Wahlausgang drehen sollten. Keine Bank kann es sich leisten, diese Entwicklung zu verschlafen. Entsprechend akribisch bereiten sich die Institute auf den Abend vor - so auch bei der Großbank Societe Generale. Dort werden die Volkswirte und Marktstrategen zu einer Telefonkonferenz zusammengetrommelt.

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Beim Vermögensverwalter La Francaise ist eigens eine Einsatzgruppe gebildet worden, die bei Bedarf am Sonntagabend zusammenkommt. In jedem Fall wird sie am Montag noch vor dem Morgengrauen konferieren, wie ein Banker ankündigt: „Dann gibt's erst einmal starken Kaffee, bevor es an die Abstimmung geht.“ Einige Investment- und Beratungshäuser haben bereits Sicherungsgeschäfte für Investments abgeschlossen, die bei einem guten Abschneiden Melenchons oder Le Pens am ehestens unter die Räder kommen könnten.

Melenchon wirbt zum Beispiel für eine Verstaatlichung von Flughäfen und Autobahnen. Investoren könnten die entsprechenden Papiere der Betreiber vermehrt aus ihren Portfolios werfen, sollte es zu einem überraschenden Einzug des Alt-Linken in die Stichwahl kommen. Anders als Le Pen wird ihm in einigen Umfragen sogar zugetraut, die zweite Runde zu gewinnen. Dies etwa, falls es entgegen den jetzigen Erwartungen zum Duell mit dem Konservativen Francois Fillon kommen sollte.

Le Pen wiederum will als Präsidentin ein Referendum über den Austritt aus dem Euro ansetzen, was den Kapitalmarkt nicht kalt lassen kann: „Es besteht ein statistisch messbarer Zusammenhang zwischen dem Renditevorsprung französischer Staatsanleihen und der Entwicklung der von Meinungsforschern taxierten Siegchancen Marine Le Pens“, erläutert Ökonom Jördis Hengelbrock von der Privatbank Sal. Oppenheim.

Sobald die Teilnehmer der Stichwahl feststehen, wird sich nach Einschätzung des Handelshauses Nomura der Nebel lichten. Es wird dann klarer sein, wer das Rennen letztlich machen dürfte. Da die vier aussichtsreichsten Bewerber in den Umfragen vor der ersten Wahlrunde nur wenige Prozentpunkte auseinander liegen, ist die Vorhersage noch recht wackelig. Für die zweite Runde wird jedoch kein enges Rennen erwartet - egal in welcher Konstellation die Bewerber aufeinandertreffen. So wird beispielsweise dem sozial-liberalen Favoriten Emmanuel Macron ein haushoher Sieg gegen Le Pen vorhergesagt. Nomura zufolge bietet das Ergebnis vom Sonntag den Kunden des Handelshauses „die größtmögliche Information“ darüber, wer voraussichtlich neuer Präsident werde.

Quelle:  Handelsblatt Online
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