Preissteigerung: Inflation in Deutschland fällt auf 1,5 Prozent

Preissteigerung: Inflation in Deutschland fällt auf 1,5 Prozent

, aktualisiert 30. Mai 2017, 14:11 Uhr
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Die Preisentwicklung ist eine der wichtigsten Kenngrößen für die Geld- und Wirtschaftspolitik.

Quelle:Handelsblatt Online

Die Verbraucherpreise in Deutschland sind auf den niedrigsten Wert seit November 2016 gefallen. Mit der sinkenden Inflation sinkt der Druck auf die EZB, rasch aus ihrer extrem lockeren Geldpolitik auszusteigen.

WiesbadenDie Inflation in Deutschland ist im Mai wegen nur noch langsam steigender Energiepreise abgeflaut. Die Verbraucherpreise lagen um durchschnittlich 1,5 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Das ist der niedrigste Wert seit November 2016. Von Reuters befragte Ökonomen hatten mit 1,6 Prozent gerechnet. Im April hatte die Teuerungsrate noch bei 2,0 Prozent gelegen, im März bei 1,6 Prozent. Die Europäische Zentralbank (EZB) spricht bei Werten von knapp unter zwei Prozent von stabilen Preisen.

Hauptgrund für die Entwicklung ist der Preis für Energie: Sie kostete nur 2,0 Prozent mehr als im Mai 2016. In den beiden Vormonaten gab es hier jeweils noch ein Plus von 5,1 Prozent. Auch bei Dienstleistungen ließ der Preisdruck nach, weil nach den Osterferien Reisen wieder billiger wurde. Gegen den Trend verteuerten sich Nahrungsmittel: Sie kostete 2,4 Prozent mehr als vor einem Jahr, nach einem Plus von 1,8 Prozent im Vormonat.

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Mit der sinkenden Inflation in der größten Volkswirtschaft Europas sinkt der Druck auf die EZB, rasch aus ihrer extrem lockeren Geldpolitik auszusteigen. Ihr Chef Mario Draghi sagte zu Wochenbeginn, dass ein „außergewöhnliches Ausmaß an geldpolitischer Unterstützung“ immer noch nötig sei. Die EZB hat die Zinsen auf null gedrückt und pumpt jeden Monat Milliarden über Wertpapierkäufe in die Wirtschaft, um die Konjunktur anzuschieben und die Preise wieder in Richtung Zwei-Prozent-Marke zu bewegen.

„Das Hoch bei den deutschen Inflationsraten dürften wir vorerst gesehen haben“, sagte DZ Bank-Volkswirt Michael Holstein bereits Ende des vergangenen Monats voraus. Mit deutlich niedrigeren Raten sei allerdings auch nicht mehr zu rechnen, insbesondere wegen der steigenden Mieten. Auch KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner rechnete Ende April bereits für die kommenden Monaten mit Preissteigerungen von eher eineinhalb als von zwei Prozent. „Der Normalisierungsprozess der Inflation hierzulande - und noch mehr der im Euroraum insgesamt - braucht Zeit und Geduld. Das erklärt auch die abwartende Haltung der EZB“, sagte er vor einem Monat.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hält seit längerem an ihrem Billiggeld-Kurs fest. Banken bekommen frisches Zentralbankgeld weiterhin zu null Prozent Zinsen. Der Rat der Notenbank hielt den Leitzins im Euroraum bei seiner Sitzung Anfang Mai wie erwartet auf diesem Rekordtief.

Zudem pumpen die Euro-Wächter bereits seit März 2015 Woche für Woche über den Kauf von Staatsanleihen Milliarden in das Finanzsystem, um die Konjunktur und die Inflation anzuheizen. Manche Volkswirte halten es für möglich, dass die EZB nächste Woche in der estnischen Hauptstadt ihren geldpolitischen Ausblick leicht ändert und etwa Hinweise auf eine nötigenfalls noch expansivere Geldpolitik streicht.

So steuert die EZB laut Estlands Notenbankchef Ardo Hansson wegen verbesserter Konjunkturaussichten langsam auf eine Eindämmung der Geldflut zu. „Die Frage ist nun, wie schnell die von der Zentralbank angebotene Unterstützung für die Konjunktur verringert werden kann, so dass eine positive Wirtschaftsentwicklung bewahrt bleibt“, sagte das EZB-Ratsmitglied der Zeitung „Postimees“ (Dienstagausgabe). Die Währungshüter kommen am 8. Juni in Tallinn zu ihrer nächsten Zinssitzung zusammen.

Alle würden darüber nachdanken, wie und wann der Übergang umgesetzt und kommuniziert werde, ergänzte Hansson. „Das muss sehr vorsichtig getan werden.“ Der Notenbanker verwies darauf, dass die geopolitischen Risiken für die Euro-Zone noch nicht verschwunden seien.

Die EZB strebt im Euroraum eine nachhaltige Inflationsrate von knapp unter zwei Prozent an, bei der sie Preisstabilität gewahrt sieht. Um das Ziel zu erreichen, versuchen die Währungshüter mit viel billigem Geld nachzuhelfen. Diese Politik ist vor allem in Deutschland umstritten, auch weil sie Sparer belastet.

Quelle:  Handelsblatt Online
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