Pressestimmen: „Geht die Deutsche Bank unter, reißt sie Merkel mit“

Pressestimmen: „Geht die Deutsche Bank unter, reißt sie Merkel mit“

, aktualisiert 27. September 2016, 12:59 Uhr
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Kanzlerin Angela Merkel im November 2014 bei der Verleihung des Walther-Rathenau-Preises.

von Martin DowideitQuelle:Handelsblatt Online

Staatshilfe für die Deutsche Bank? Die Kanzlerin soll nein gesagt haben, die Bank hält die Debatte für unangebracht. Doch der Aktienkurs leidet, Milliardenstrafen drohen. Das sagt die internationale und deutsche Presse.

DüsseldorfDer Kurssturz der Deutschen-Bank-Aktie am Montag hat die Märkte weltweit aufgeschreckt. Die Aktie rutschte auf ein neues Allzeit-Tief, Banktitel in aller Welt gerieten im Schlepptau unter Druck. Am Dienstag setzt sich der Kursrückgang fort. Der Grund: Eine Kapitalerhöhung bei der Deutschen Bank wird von vielen Marktteilnehmern als notwendig angesehen, was bisherige Aktionäre belasten würde. Eine weitaus höhere Strafe als erwartet steht in den USA im Raum. Gleichzeitig soll Kanzlerin Angela Merkel Staatshilfen ausgeschlossen haben, berichtete der „Focus“. Die Deutsche Bank hat damit weltweit für Schlagzeilen gesorgt.

Ausgenüchterte Deutsche

„Genießen Sie das Oktoberfest? (...) Lassen Sie uns hoffen, dass die Deutschen irgendwann ausnüchtern und merken, was bei der Deutschen Bank los ist. (...) Frau Merkel kann schlecht streng sein bei italienischen, portugiesischen und spnaischen Banken – und der gesamten Nation Griechenland – und dann die Deutsche retten. Also warum reagieren die Märkte so panische auf etwas, das sowieso nicht passieren würde? Eine Antwort: Es benötigt im Moment nicht viel, um die Deutsche umzuhauen, da das Vertrauen in den Umbauplan des britischen Chefs John Cryan gering ist.“ The Times, Großbritannien

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Die Ablehnung staatlicher Rettungen

Es gibt angeschlagene europäische Banken. Und es gibt die Deutsche Bank. (...) Die Deutsche Bank ist Deutschlands größtes Finanzunternehmen und ein entscheidender Kreditgeber für die Exportmaschine des Landes. Aber ihr Status als Institution, dass sie zu groß zum Scheitern ist, steht im Konflikt mit der Ablehnung staatlicher Rettungen durch die deutsche Öffentlichkeit – sei es für Länder (wie Griechenland) oder Banken. New York Times, USA

Die Deutsche Bank gefährdet – und der Euro auch?

„Sollte die deutsche Regierung nicht hinter der Bank stehen, werden unausweichlich auch alle ihre Gegenparteien – andere Banken und Instituten, mit denen sie Geschäfte macht – unsicher werden, ob sie mit ihr handeln sollen. (...) Sollte die Deutsche Bank untergehen, sieht es immer wahrscheinlicher danach aus, dass sie Merkel mit sich reißen wird – und mit einiger Wahrscheinlichkeit auch den Euro.“ – Daily Telegraph, Großbritannien

Es fühlt sich an wie 2008 – als Lehman Brother scheiterte

„Eine 'deutsche Bankenkrise' würde die Italiener erfreuen, die von Deutschland gemaßregelt worden sind, sich 'an die Regeln zu halten' - ganz zu schweigen von [Finanzminister] Schäubles Hartnäckigkeit, in einem Zeitalter von Rettungen mit erzwungener Beteiligung der Gläubiger ('mandatory bail-ins') keine staatlichen Rettungen zu vollziehen – und erklärt, weshalb Merkels Partei so sehr acht gibt, nicht zuzugeben, dass eine staatliche Rettung (_bailout') die letztendliche Lösung ist.“ Finanzblog Zerohedge

Merkel ringt seit langem mit der Deutschen Bank

„Merkel hat politische Wunden aus vorherigen Auseinandersetzungen mit der Deutschen Bank davongetragen. Sie wurde heftig kritisiert, nachdem sie [im Jahr 2008] eine Geburtstagsfeier für den [damaligen Deutsche-Bank-Chef Josef] Ackermann ausrichtete. Später in dem Jahr ging ihre Regierung Ackermann heftig an, gegenüber Spiegel Online gesagt zu haben, dass er sich 'schämen' würde, Staatshilfe anzunehmen. Drei Jahre später gerieten sie auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos aneinander, wie die Staatsschuldenkrise gemanagt werden müsse.“ - Finanznachrichtenagentur Bloomberg, USA

Misstrauen in die Restrukturierung

Viele Investoren glauben nicht, dass der im vergangenen Jahr vorgestellte Umbauplan von [Vorstandschef John] Cryan ausreichen wird, um die Aussichten der Bank zu verbessern. Manche drängen auf einen Verkauf der Vermögensverwaltungssparte, während andere noch stärkere Kostensenkungen fordern. Financial Times


Warum die Bundesregierung die Bank retten sollte

Wie weit kann die Aktie sinken?

„Es hat den Anschein, als wollten die Akteure die Schmerzgrenze der Politik austesten. Frei nach dem Motto: Wie tief kann die Aktie noch sinken, bevor sich die Politik eben doch einmischt? Immerhin handelt es sich bei Deutschlands Branchenprimus um eine systemrelevante Bank, von deren Wohlergehen auch weite Teile der deutschen Wirtschaft abhängen.“ Die Welt

Vorübergehend bei der Deutsche Bank einsteigen

„Womit die Möglichkeit ins Spiel käme (...): Frische Milliarden vom deutschen Staat (...). Bevor Sie, liebe Leser, nun wütend auf Ihren Schreibtisch springen oder Ihr Smartphone durch die U-Bahn werfen, lassen Sie uns bitte kurz über die möglichen Vorteile einer solchen Lösung nachdenken. (...) Wenn der Staat vorübergehend bei der Deutschen Bank einstiege – also ein größeres Aktienpaket der Bank kaufte – könnte er damit zwei Probleme auf einmal lösen: Die Lage der Bank würde sich durch die Kapitalspritze sofort beruhigen. Und die Bundesregierung könnte das Management mit Druck dazu bringen, den Konzern stärker zu schrumpfen und auf solide Grundlagen zu stellen, etwa als reine Privat- und Firmenkundenbank. (...)“ Spiegel Online

Eigentümer und Gläubiger müssen zuerst haften

„An den Märkten wird inzwischen ganz offen darüber spekuliert, ob das Frankfurter Geldhaus nicht vom Staat aufgefangen werden muss. Aber selbst wenn dieser eigentlich kaum vorstellbare Ernstfall eintreten würde, wäre das alles andere als einfach. Denn die neuen Haftungsregeln der EU sehen vor, dass zuerst Eigentümer und Gläubiger für die Banken haften. Erst wenn acht Prozent der gesamten Verbindlichkeiten einer Bank als Hilfe herangezogen wurden, darf der Staat eingreifen.“ Handelsblatt

Vertrauen auf die Probe gestellt

Es ist ein fast beispielloser Absturz, der nicht nur die tiefe Krise des Geldhauses widerspiegelt. Es ist ein Absturz, der es der Bank auch zunehmend unmöglich macht, frisches Kapital aufzunehmen. Und es ist einer, der das Vertrauen der Kunden auf die Probe stellt, just zu einer Zeit, da die Bank dringend auf Erträge angewiesen ist. Süddeutsche Zeitung

Cryan ist nicht unschuldig

„Und doch ist Cryan nicht ganz unschuldig am derzeit kläglichen Zustand der Deutschen Bank. Man kann es im besten Fall als ungeschickt, im schlechtesten als dumm bezeichnen, wenn das Institut voreilig lanciert, man habe eine Strafe von 2,5 Milliarden Euro zu zahlen. Kein Wunder, dass die Amerikaner erbost sind und dem Geldinstitut nun eine 14-Milliarden-Dollar-Strafe in Aussicht stellen.“ Frankfurter Allgemeine Zeitung

Quelle:  Handelsblatt Online
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