Prostitution in Thailand : Ein lachender Fisch im Rotlichtmilieu

Prostitution in Thailand : Ein lachender Fisch im Rotlichtmilieu

, aktualisiert 10. April 2017, 20:56 Uhr
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Die thailändische Regierung sorgt sich um den Ruf der berühmten Backpackerstraße Khao-San-Road.

von Mathias PeerQuelle:Handelsblatt Online

Berichte über Thailands florierende Prostitution empören die Behörden. Anstatt das Verbot durchzusetzen, versucht die Regierung mit merkwürdigen Kampagnen von der Sexindustrie abzulenken. Der Erfolg ist bescheiden.

BangkokAls ich mit Mitte 20 zum ersten Mal nach Thailand reiste, hatte ich keinen guten ersten Eindruck von dem Land. Wie die meisten Rucksacktouristen suchte ich mir eine Unterkunft an der Khao-San-Road – Bangkoks berühmter Backpackerstraße, in der Touristen aus schwer nachvollziehbaren Gründen Alkohol am liebsten aus Eimern trinken und sich von Straßenverkäufern einreden lassen, gegrillte Skorpione wären Thailands Nationalgericht.

Dieser Sammelpunkt junger Hedonisten, die fernab ihrer Heimat nach Abenteuern suchen, lockt die Geschäftemacher an, die mit dem berüchtigten Teil von Thailands Reiseindustrie ihr Geld verdienen: dem Sextourismus. An der Backpackermeile dienen Tuktuk-Fahrer als die Mittelsmänner der florierenden Rotlichtbranche. Als offensichtlicher Thailand-Neuling bekam ich ihre Angebote alle fünf Minuten hinterhergerufen: "Ping-Pong-Show? Happy Ending?" Die Werbesprache im Sexgewerbe besteht aus Euphemismen.

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Das ständige Geschrei der Fahrer ließ mich glauben, dass Thailands Ruf der allgegenwärtigen Prostitution gerechtfertigt ist. Erst in den Jahren danach, die ich außerhalb der Hochburgen des Massentourismus verbrachte, wurde mir klar, dass die Lockrufe in den Urlauberzentren nicht repräsentativ sind für das Land. Dass sich Thailands Regierung um den Ruf ihres Landes sorgt, finde ich gemessen an meinem ersten Eindruck allerdings sehr verständlich. Der Umgang der Behörden mit den Imageproblemen löst jedoch Befremden aus.

Die jüngste Debatte über Thailands Sexgewerbe begann vor wenigen Wochen mit einem Artikel in der britischen Boulevardpresse, der die Strandmetropole Pattaya als Sex-Hauptstadt der Welt bezeichnete und behauptete, der Ort östlich von Bangkok habe die höchste Prostituiertendichte der Welt. Dass Prostitution, die offiziell verboten ist, zu Pattayas größten Wirtschaftszweigen zählt, war schon vor der Veröffentlichung kein Geheimnis. Die knackigen Superlative in dem Artikel veranlassten aber sogar den Anführer der thailändischen Militärregierung zu einer Reaktion. Machthaber Prayuth Chan-Ocha rief die Öffentlichkeit auf, den britischen Zeitungen nicht zu glauben. Die Medien seien schuld an Thailands schlechtem Ruf.


Vergebliche PR-Kampagnen

Der Chef der Polizei von Pattaya, Apichai Krobpetch, sagte der Zeitung "Bangkok Post": "So etwas wie Prostitution gibt es in Pattaya nicht." Mit der Realität ist diese Aussage allerdings nicht vereinbar: In den Bars der Stadt werben junge Damen ganz offen um Kundschaft. In manchen Lokalen sind die Mitarbeiterinnen mit Nummern gekennzeichnet, damit sie von Kunden einfacher ausgewählt werden können. Von der Leugnung der Sexindustrie rückte die Polizei dann auch schnell ab. Nachdem Junta-Chef Prayuth ein hartes Vorgehen gegen Prostitution gelobte, kam es zu Razzien, bei denen zunächst 39 mutmaßliche Sexarbeiterinnen aus Afrika festgenommen wurden. Thailänderinnen wurden nicht verhaftet – so als wollte man demonstrieren, dass Prostitution primär kein thailändisches Phänomen sei.

Tatsächlich blüht die Branche in dem südostasiatischen Land jedoch bereits seit der Zeit des Vietnams-Kriegs, als die US-Armee ihre Soldaten zur Erholung an den Strand von Pattaya schickte. Schätzungen zufolge arbeiten mehr als 100.000 Thailänderinnen als Prostituierte – manche haupt-, andere nebenberuflich. Viele von ihnen stammen aus armen Verhältnissen. Die vergleichsweise gut bezahlten Tätigkeiten im Rotlichtmilieu erscheinen angesichts der Alternativen attraktiv: Fabrikjobs für Geringqualifizierte bringen in der Regel nur umgerechnet 8,50 Euro Mindestlohn pro Tag.

Die Strafverfolgung der Prostituierten erschien den Behörden, die Bordelle und Go-go-Bars seit langem tolerieren, in den vergangenen Tagen jedoch offenbar nicht mehr als die beste Strategie. Stattdessen starteten die Ordnungshüter eine PR-Kampagne, die eine zentrale Rotlichtstraße zur familienfreundlichen "Happy Zone" erklärte. Zusätzliche Beamte und Überwachungskameras sollen dafür sorgen, dass es zu keinen Gesetzesverstößen kommt.

Doch internationale Medien berichteten, dass bereits in den Nebenstraßen das Sexgewerbe wie gewohnt weiterläuft. Um Thailands Ruf im Ausland zu verbessern, scheint die Aktion, deren offizielles Maskottchen ein lachender Fisch ist, nicht zu helfen. Wenn Thailand sein Sextourismus-Image tatsächlich ablegen will, sollte die Militärregierung von den Schnellschüssen absehen – und stattdessen für mehr Bildung und bessere Jobs in den ärmeren Provinzen sorgen. Nur so wird dem Rotlichtmilieu künftig der Nachwuchs fehlen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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