Putzfrauen: Dreckspatz sucht Perle

Putzfrauen: Dreckspatz sucht Perle

, aktualisiert 16. Mai 2016, 14:14 Uhr
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4,4 von 30 Millionen Haushalten in Deutschland beschäftigen eine Reinigungskraft.

von Martin TofernQuelle:Handelsblatt Online

Der Markt für private Reinigungskräfte ist in Deutschland riesig – aber immer noch unerschlossen. Forscher haben untersucht, wie der Putzmarkt hierzulande funktioniert – und welches Geschlecht gründlicher wienert.

DüsseldorfPrivate Putzkräfte sind in Deutschland schon lange ein großes Thema – und nicht erst seit die Gelsenkirchener Putzfrau Susi Neumann SPD-Chef Sigmar Gabriel auf einer Diskussionsveranstaltung mit der Schilderung der prekären Arbeitsbedingungen von Reinigungskräften in die Enge getrieben hat. Nein, nach der Forsa-Studie, die das Putzportal Helpling in Auftrag gegeben hat, kann sich fast die Hälfte der Deutschen (48 Prozent) vorstellen, eine Reinigungskraft zu beschäftigen.

Aber die wenigsten tun das auch. Nach einer Erhebung des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) beschäftigen erst 4,4 von 30 Millionen Haushalten in Deutschland eine Reinigungskraft. Da dürfte vielleicht noch eine nicht unerhebliche Zahl an Haushalten hinzukommen, die ihre Putzperle schwarz beschäftigen und deshalb auch nicht so gern darüber reden. Dennoch ist hier noch viel Luft nach oben für Putzfrauen und deren Vermittler.

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Gut 52 Prozent der Deutschen haben laut der Studie angegeben, dass sie erstaunlicherweise keinen Bedarf an einer Reinigungskraft haben. Sie begründen das damit, dass sie selbst gern putzen (41 Prozent), dass ihnen eine Putzkraft zu teuer ist (39 Prozent) oder dass sie keine fremde Person in ihr Zuhause lassen möchten (36 Prozent).

Das kann Inga Lewald-Alexiou nur bestätigen. Sie betreibt in Düsseldorf das regionale Putzportal die Rheinperlen. „Viele Menschen mögen es einfach nicht, wenn Fremde in die Wohnung kommen.“ Sie überrascht auch nicht, dass viele der Befragten angegeben, gern selbst zu putzen. „Das ist doch durchaus möglich, denn Putzen kann ja auch entspannen. Zumindest wenn man Zeit hat“, sagt Lewald-Alexiou.  

Die Suche nach einer zuverlässigen Reinigungskraft ist zeitaufwendig und mühselig. Dabei vertrauen die Deutschen am liebsten den Empfehlungen aus dem Bekanntenkreis: 73 Prozent der Befragten haben ihre Perle auf diesem Weg gefunden. Lediglich zehn Prozent haben über eine Anzeige am Schwarzen Brett oder in einer Zeitung gesucht. Auch die Suche über professionelle Reinigungsunternehmen oder Kleinanzeigen im Internet war bei den Befragten bislang kaum relevant. Das gilt insbesondere auch für den Auftraggeber der Studie, das Putzportal Helpling.

85 Prozent der Deutschen, die eine Hilfe im Haushalt beschäftigen, sind der Ansicht, dass der Beruf der Reinigungskraft ein höheres Ansehen verdient hat. Doch das wirft die Frage auf – und hier sind wir wieder bei Putzfrau Susi Neumann, ob sich das auch in der Bezahlung widerspiegelt.


Wer putzt besser – Frauen oder Männer?

Diese Frage muss leider klar verneint werden – ähnlich wie bei Krankenschwestern und Pflegekräften. Zwar hat keiner der Befragten angegeben, ihrer Reinigungskraft weniger als den gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde zu bezahlen. Doch immerhin rund ein Viertel zahlt nur zwischen 8,50 und 10 Euro die Stunde.

Mehr als die Hälfte der Befragten geben 10 bis 12 Euro aus. Und immerhin 24 Prozent sind bereit, mehr als 12 Euro pro Stunde zu bezahlen. Der Reinigungsmarkt wird also vom Billiglohn dominiert. Die Deutschen zeigen keine höhere Zahlungsbereitschaft, obwohl sie in der Mehrheit ein höheres Ansehen für die Branche fordern.

Die Deutschen lassen relativ häufig putzen: Sechs von zehn Befragten nehmen ihre Reinigungskraft einmal pro Woche oder häufiger in Anspruch. Und bei mehr als zwei Drittel der Haushalte ist eine Putzkraft im Schnitt mindestens drei Stunden oder länger im Einsatz.

Und wer wird als Putzhilfe bevorzugt? Ganz klar, 70 Prozent der Befragten würden eher eine Frau bevorzugen. 29 Prozent sagen, es sei ihnen egal. Die Mehrheit zieht Frauen vor, weil sie sich mit ihnen sicherer fühlen und weil sie meinen, Männer seien weniger gründlich.

Fazit: Der Bedarf an Hilfe im Haushalt ist in Deutschland groß und der Markt wächst. Die Düsseldorfer Rheinperlen sind dafür ein gutes Beispiel: Inhaberin Inga Lewald-Alexiou hat die Firma vor fünf Jahren mit 2 Angestellten und 12 Kunden übernommen. Mittlerweile  beschäftigt sie 70 Putzkräfte, die zu 80 Prozent in privaten Haushalten saubermachen. „Und das Geschäft wächst“, sagt Lewald-Alexiou.

Quelle:  Handelsblatt Online
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