Quartalszahlen Deutsche Bank: Anleger reagieren enttäuscht

Quartalszahlen Deutsche Bank: Anleger reagieren enttäuscht

, aktualisiert 27. April 2017, 10:39 Uhr
von Yasmin OsmanQuelle:Handelsblatt Online

Die Deutsche Bank hat im ersten Quartal besser verdient als im Vorjahr – und auch mehr als von Analysten erwartet. Investoren zeigten sich dennoch enttäuscht vom Resultat - und das liegt vor allem an einer Sparte.

FrankfurtDie Erwartungen an die Deutsche Bank sind hoch gesteckt: Nach der Beilegung wichtiger Rechtsstreitereien und einer Kapitalerhöhung muss das Institut nun beweisen, dass es all die Rückschläge wieder ausbügeln kann, die es im Krisenherbst 2016 einstecken musste. Damals hatte eine angedrohte Milliardenstrafe aus den USA Zweifel an der Stabilität der Deutschen Bank geweckt. Kunden mieden das Geldhaus damals, das kostete Geschäft und Marktanteile. Die Zahlen im ersten Quartal zeigen, dass es wieder aufwärts geht – allerdings nur allmählich.

Auf den ersten Blick sind die Geschäftsergebnisse aus den ersten drei Monaten dieses Jahres erfreulich. Die Bank hat nach Steuern 575 Millionen Euro verdient und damit 140 Prozent mehr als im Vorjahr. Allerdings war dieser Anstieg nicht das Ergebnis wachsender Erträge, sondern geringerer Kosten. Die zinsunabhängigen Kosten sind deutlich gesunken. Das liegt unter anderem daran, dass der Sparkurs des Instituts erste Früchte trägt und die Abwicklungseinheit des Instituts Ende vergangenen Jahres geschlossen wurde.

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Doch die Erträge des Instituts schrumpften um neun Prozent auf 7,3 Milliarden Euro. Analysten hatten im Durchschnitt auf acht Milliarden Euro gehofft. Nun hatte die Deutsche Bank mit buchhalterischen Besonderheiten zu kämpfen: Wenn ihre Kreditwürdigkeit schlechter eingestuft wird, stärkt das die Erträge, wird sie besser, sinken sie. Da es dem Kreditinstitut auf diesem Feld deutlich besser ging als im Vorjahr, schlug sich das auf die Erträge nieder. Ohne diesen merkwürdigen Effekt wären sie sogar in etwa stabil geblieben.

Doch eigentlich hat sich die Deutsche Bank ja vorgenommen, wieder auf einen Wachstumskurs einzuschwenken. Diesem Anspruch wird sie auch nach Einschätzung von Vorstandschef John Cryan noch nicht gerecht: „Wir haben einen Vorsteuergewinn von 878 Millionen Euro verbucht. Das ist zwar mehr als eineinhalb Mal so viel wie im schwierigen Auftaktquartal 2016. Doch das kann auf Dauer nicht unser Anspruch sein“, schrieb er am Donnerstag an die Mitarbeiter.

Auch Analysten zeigten sich alles andere als euphorisch. Das lag vor allem am schwachen Abschneiden des Kapitalmarktgeschäfts, dessen Erträge um acht Prozent sanken. „Die Ergebnisse waren enttäuschend, die Erträge lagen neun Prozent unter den Erwartungen“, schreiben die Analysten der Berenberg Bank. Uns seit die Deutsche Bank in ihrem Wertpapierprospekt einen ersten Überblick über die Geschäftsentwicklung bis Mitte März gegeben hatte, hätten sich die Erträge weiter verschlechtert.


Aktie fällt deutlich

Entsprechend verschnupft fiel die Reaktion der Anleger aus: Die Aktie sank in der ersten Handelsstunde um 3,9 Prozent auf 16,67 Euro und zählte damit zu den größten Verlierern im Deutschen Aktienindex Dax.
Zwar gelang es der Deutschen Bank in ihrer Paradedisziplin im Kapitalmarktgeschäft, im Anleihehandel, elf Prozent mehr zu verdienen als im Vorjahr. Doch die amerikanischen Banken haben in diesem Bereich nach Berechnungen der Nachrichtenagentur Bloomberg mit einem Zuwachs von über 20 Prozent eben noch deutlicher zugelegt. „Das könnte der Markt so interpretieren, dass die Deutsche Bank weiter Marktanteile verloren hat“, sagt Philipp Hässler, Analyst der Equinet Bank.

Doch genau die Marktanteile im Anleihehandel stehen derzeit im Fokus der Finanzprofis. Die Gretchenfrage lautet für sie: Gelingt es dem Institut nach dem Krisenherbst, als die drohende Milliardenstrafe aus den USA Zweifel an der Stabilität der Bank aufkommen ließen, nun wieder Fuß zu fassen? Schließlich hatten die Zweifel an der Solidität der Bank dazu geführt, dass Kunden Gelder vom Institut abzogen und auf Geschäft mit dem Institut verzichteten.

„In allen Geschäftsfeldern spielt man nur noch die zweite Geige, da zum Beispiel die amerikanischen Banken im Investment Banking oder die Schweizer Institute in der Vermögensverwaltung die Schwäche der Deutschen Bank genutzt haben und den Abstand deutlich ausgebaut haben“, kritisiert NordLB-Analyst Michael Seufert.

Doch das Blatt beginnt sich zumindest allmählich wieder zu wenden: „Unsere Kunden kommen zurück nach den Turbulenzen im vergangenen Herbst – auch das beobachten wir in allen Geschäftsbereichen“, betonte Cryan im Mitarbeiterbrief. Die Fondstochter Deutsche Asset Management habe Nettozuflüsse von fünf Milliarden Euro verbuchen können, bei den Vermögenskunden sowie den Privat und Firmenkunden waren es drei Milliarden Euro mehr. „Das ist die Grundlage für künftiges Geschäft“, betont Cryan.

Quelle:  Handelsblatt Online
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