Quartalszahlen Unicredit: „Positive Dynamik“

Quartalszahlen Unicredit: „Positive Dynamik“

, aktualisiert 10. November 2016, 16:51 Uhr
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Die Bank hat durchwachsene Quartalszahlen vorgelegt.

von Regina KriegerQuelle:Handelsblatt Online

Der neue Unicredit-Bankchef Jean-Pierre Mustier hat in den ersten 100 Tagen ein erstaunliches Tempo hingelegt. Doch die Quartalszahlen sind durchwachsen, die Investoren warten auf den neuen Strategieplan.

RomGeheimniskrämerei ist angesagt in der Unicredit-Zentrale an der Piazza Gae Aulenti in Mailand. Die Bank hat sich Stillschweigen über Veräußerungen und eine Kapitalerhöhung verordnet bis zum 13. Dezember, wenn der neue Chef Jean-Pierre Mustier den Investoren den neuen Strategieplan vorstellen wird – nicht in Mailand, sondern in London.

Auf den Tag wartet die Finanzwelt mit Spannung, hat doch die HVB-Mutter im vergangenen Jahr rund ein Drittel an Wert verloren. Seit rund 100 Tagen versucht der Franzose Jean-Pierre Mustier als Nachfolger von Federico Ghizzoni an der Spitze der Großbank dem entgegenzusteuern. Ghizzoni hatte den Franzosen erstmals 2011 zu Unicredit geholt. Mustier war bis 2014 Chef des Investmentbanking-Geschäfts. Inzwischen wird im Markt von einer notwendigen Kapitalerhöhung von rund 10 Milliarden Euro gesprochen, bisher ging man von rund fünf Milliarden Euro aus.

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Am Donnerstag gab es die Quartalszahlen. Mit einer „positiven Dynamik“, so der dürre Kommentar der Bank. Zwar ist das dritte Quartal 2016 mit einem Nettogewinn von 447 Millionen Euro schlechter ausgefallen als das Vergleichsquartal 2015 mit 507 Millionen Euro (minus 11,8 Prozent), die  Einnahmen stiegen aber auf 5,46 von 5,33 Milliarden Euro. Und die ersten neun Monate liefen besser mit einem Nettogewinn von 1,8 Milliarden Euro, das ist ein Plus von 14,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.  

Besserung ist beim Anteil der notleidenden Kredite in den Büchern abzulesen: Im dritten Quartal lagen sie bei 36,4 Milliarden Euro und sind damit seit Jahresbeginn um acht Prozent gesunken mit einer Deckungsquote von 52,6 Prozent. Und auch bei der Kernkapitalquote sieht es besser aus. Ende September lag sie bei 10,82 Prozent und damit einen halben Punkt höher als drei Monate zuvor. Die Börse quittierte die Zahlen mit einem Sprung nach oben.


Strategie erst nach Volksabstimmung

Seit seinem ersten Arbeitstag hat der 55jährige Mustier Tempo vorgelegt. Er muss die Großbank mit ihren 55.000 Angestellten in 17 Ländern zurück in die Gewinnzone bringen und das mitten in der Bankenkrise in Italien, die seit Jahresbeginn Werte vernichtet. Dazu kommt die Politik. Die Stabilität und Zukunftsfähigkeit Italiens hängt von dem Ausgang des Referendums über eine Verfassungsänderung ab. Geht es durch, wird die Regierung Renzi gestärkt, wenn nicht, ist die Zukunft offen. Die Volksabstimmung findet am 4. Dezember statt – deshalb kommt der Strategieplan der Bank erst danach.   

Mustier hat bei Amtsantritt angekündigt, alle Divisionen kritisch zu durchleuchten. Zu seinem Konsolidierungsplan gehört der Verkauf von Beteiligungen. Der erste Streich war der Verkauf von 20 Prozent der Anteile am Onlinebroker Fineco. Noch nicht abgeschlossen sind die Verkäufe weiterer Anteile an der polnischen Bank Pekao und der türkischen Tochtergesellschaft Yapi Kredi. Ende Oktober wurde dagegen die ukrainische Tochtergesellschaft Ukrsotsbank verkauft. Seit dem 1. Oktober hat die Unicredit-Tochter Bank Austria die Ostbankensparte an die Konzernmutter nach Mailand abgegeben.

Schwieriger ist der Verkauf der Anteile an der Fondsgesellschaft Pioneer. Unicredit kommentierte am Donnerstag Medienberichte nicht, nach denen es fünf Bieter gibt, den französischen Vermägensverwalter Amundi, Ameriprise Financial, Macquaire, Aberdeen Asset Management und die Italiener von Equam, ein Konsortium der Post  mit dem Kreditinstitut Cdp und der Anima-Holding. Die Mitglieder des Verwaltungsrats wurden am Donnerstag nach der Absegnung der Quartalszahlen über den Stand der Verhandlungen informiert, hieß es in Mailand.    

Da die Bank schweigt, wuchern immer mehr Gerüchte. Dazu gehört, dass der von Präsident Giuseppe Vita geführte Verwaltungsrat verkleinert werden soll – von 17 auf 15 Mitglieder, die nur dreimal wiedergewählt werden können. In italienischen Medien werden sogar schon Namen genannt: So könnten Ex-Ferrarichef Luca Cordero di Montezemolo und Vite-Präsident Fabrizio Palenzona angeblich künftig nicht mehr dabei sein. Die Spannung steigt, was Mustier im Dezember anzukündigen hat.  

Quelle:  Handelsblatt Online
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