Ratingagentur Moody's: Deutsche Lebensversicherer vor dem Kollaps

Ratingagentur Moody's: Deutsche Lebensversicherer vor dem Kollaps

, aktualisiert 04. Februar 2015, 12:12 Uhr
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Moody's behält den negativen Ausblick für Lebensversicherungsbranche bei.

Quelle:Handelsblatt Online

Die Lage deutscher Lebensversicherer verschlechtert sich zunehmend: Neben Niedrigzinsen und Solvency II-Richtlinien erhöhen die geplanten Anleihenkäufe der Europäischen Zentralbank den Druck laut Ratingagentur Moody's.

Die dauerhaft niedrigen Zinsen und schärfere Regeln der Regulierer sind nach Ansicht von Moody's gefährlich für kleinere deutsche Lebensversicherungen. Die neuen Richtlinien, die unter dem Namen Solvency II bekannt sind, bereiteten manchen Unternehmen Kopfschmerzen, erklärte die Ratingagentur am Mittwoch.

„Einige kleinere Gesellschaften weisen aktuell eine zu geringe Kapitalausstattung auf, um die Anforderungen zu erfüllen.“ Sie beziehungsweise die Aufsichtsbehörden müssten diesen Zustand noch vor Inkrafttreten der neuen Regeln 2016 beheben, forderte Moody's. „Ein Zusammenbruch eines oder mehrerer Akteure auf dem deutschen Markt könnte einen Reputationsschaden für die gesamte Branche bedeuten.“

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Das kürzlich angekündigte Anleihenaufkaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB) wird den Druck auf die Versicherungen laut Moody's erhöhen. Viele Staatanleihen werfen wegen des Programms kaum noch etwas ab. Für die Assekuranz wird es deshalb immer schwieriger, die versprochenen Erträge für ihre Kunden zu erwirtschaften.

Niedrigzinsen Das Ende der Lebensversicherung (wie wir sie kennen)

Alte Garantien werden durch Niedrigzinsen zur erdrückenden Last, selbst ein schneller Zinsanstieg wäre ein großes Problem: Die klassische Lebensversicherung hat kaum eine Überlebenschance.

Aufmacherbild Lebensversicherer Quelle: Getty Images

Viele Lebensversicherer würden bei neuen Verträgen die Garantiezinsen senken, um ihre Finanzkraft zu bewahren, sagt Moody's-Analyst Benjamin Serra. „Die Wirksamkeit dieser Maßnahme schwindet jedoch, da die Gesellschaften in zunehmendem Maße durch die hohe Garantieverzinsung, mit der sie ihre Policen in der Vergangenheit verkauft haben, in ihrer Handlungsfreiheit eingeschränkt sind.“

Moody's behält deshalb den negativen Ausblick für Lebensversicherungsbranche bei. Die Bundesregierung hat im vergangenen Jahr ein Maßnahmenpaket verabschiedet, mit dem sie unter Druck geratenen Anbietern entgegenkommt und zugleich den Kunden langfristig ein größeres Stück vom Kuchen sichert.

2015 werde deshalb ein entscheidendes Jahr für Lebensversicherungen, erklärte Analyst Serra. „Zwar wird sich die Reform unter Bonitätsaspekten letztlich positiv auf die Branche auswirken. Anfänglich werden Umsätze und Gewinne jedoch zurückgehen.“

Quellle:  Handelsblatt Online
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1 Kommentar zu Ratingagentur Moody's: Deutsche Lebensversicherer vor dem Kollaps

  • Die BAFin hat ein neues BAFinJournal herausgegeben und sich mit dem Lebensversicherungsreformgesetz auseinandergesetzt
    (http://www.bafin.de/SharedDocs/Textbausteine/DE/BaFinJournal/bafinjournal_aktuell_genTab.html).

    "Um die Verpflichtungen aus den Versicherungsverträgen dauerhaft finanzieren zu können, dürfen die Unternehmen des Weiteren einen Bilanzgewinn nur an ihre Aktionäre ausschütten, wenn er einen etwai-
    gen Sicherungsbedarf überschreitet."

    Dazu sollte man wissen, dass die Versicherten den Aktionären eine Dividende zu sichern haben.

    In der Definition von Bewertungsreserven greift die BAFin auf die Definition auf die Definition des BverfG aus dem Jahr 2004 zurück:
    "Bewertungsreserven - Bewertungsreserven aus Kapitalanlagen entstehen, wenn der Marktwert(Zeitwert) der Kapitalanlagen über dem Wert liegt, mit dem die Kapitalanlagen in der Bilanz ausgewiesen sind (Buch-
    wert)."

    Welche Bewertungsgrundsätzen bei der Bilanzierung angesetzt wurden, ist im Testat der Wirtschaftsprüfer nachzulesen. Die o.g. Definition entspricht einer Bewertung Mark to Market, die m.W. in der Bilanzierung bei Versicherungen nicht oder kaum angewendet wird.

    Anfragen bei der BAFin laufen ins Leere mit Verweis auf die Schweigepflicht. Klagen vor ordentlichen Gerichten laufen auch ins Leere, weil Richter nur ermächtigt sind, bei der BAFin höflich anzufragen, ob die Versicherungen die BAFin bei der Zuteilung der anteiligen Gewinne einschaltete.

    Das Lebensversicherungsreformgesetz hat jetzt ab 01.01.2015 Klarheit geschaffen und Versicherten das grundsätzliche Recht an ihrem schwebenden Gewinn, Bewertungsergebnis, zu partizipieren, per Gesetz verwehrt.

    Nicht nur die Versicherer sind gehalten mehr Transparenz zu schaffen, sondern auch die BAFin hat (rückwirkend) offenzulegen, was sie denn tatsächlich gemacht oder nicht gemacht hat. Im Zweifel hat sie Beihilfe zum Versichertenbetrug geleistet, indem falsch berechnete Bewertungsgewinne (nach HGB) an die Versicherten vergütet wurden.

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