Reaktionen auf Trump-Video: „Ich will ihm auf die Schnauze hauen“

Reaktionen auf Trump-Video: „Ich will ihm auf die Schnauze hauen“

, aktualisiert 09. Oktober 2016, 08:36 Uhr
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Der republikanische Präsidentschaftsbewerber steht in der Schusslinie.

Quelle:Handelsblatt Online

Donald Trump will trotz Skandal nicht aus dem Rennen um das Weiße Haus ausscheiden. Doch die Stimmung wird immer explosiver. Es wird eine heiße Nacht werden, wenn Hillary Clinton und Trump heute aufeinandertreffen..

San Francisco„Idiot“ ist noch eine der harmlosesten Bezeichnungen, die Hollywood-Legende Robert De Niro für Donald Trump auf Lager hat. In einem 55-Sekunden-Video lässt der 73-jährige De Niro (Don Corleone in „Der Pate II“) kein gutes Haar an dem republikanischen Präsidentschaftskandidaten und schämt sich für Amerika, dass der es „überhaupt so weit bringen konnte“. „Er spricht davon, dass er anderen auf die Schnauze hauen möchte“, greift er bekannte Wahlkampsprüche von Trump auf und endet mit der Ansage „Ich möchte ihm auf die Schnauze hauen“.

Ganz so wütend und aufgebracht sind nicht alle nach der Veröffentlichung eines Videomittschnitts aus 2005, in dem sich der damalige Reality-TV-Star Trump darüber auslässt, wie er verheirateten Frauen nachstellt und dass man als Star alles machen könne, sogar sexuelle Übergriffe, wie Frauen in den Schritt greifen. Die ließen das alles mit sich machen.

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Trump rang sich zwar zu einer halbherzigen Entschuldigung durch, trotzdem ebbte über das Wochenende der Sturm der Entrüstung nicht ab, und zwar auf beiden Seiten des politischen Lagers. Während die Empörungswelle bei den Demokraten nicht ganz überraschend kommt, war die Wucht der republikanischen Reaktionen doch bemerkenswert.
Trump sah sich genötigt, mit allem Nachdruck klarzustellen, er werde „auf keinen Fall aus dem Rennen austeigen“ und seine Unterstützer nicht im Stich lassen, so wie es „Medien und Establishment“ gerne hätten. Er tippte es alles in Großbuchstaben, was im Internet die schriftliche Übersetzung für lautes Brüllen ist.

Er hat Grund genug, sich kampfbereit zu zeigen. Nach unbestätigten Medienberichten die Parteispitzen aber bereits zu Paniksitzungen zusammenkommen sein, um zu überlegen, was noch zu retten sei. Und Sonntagabend muss er in einer TV-Debatte gegen Hillary Clinton antreten.

Paul Ryan, republikanischer Sprecher des Kongresses hatte Freitagnacht Trump von einer gemeinsamen Wahlkampfveranstaltung ausgeladen und dann den Kandidaten mit keinem Wort erwähnt. Trotzdem wurde er von einer kleinen Gruppe mit „Trump, Trump“-Rufen gestört, berichtet die Los Angeles Times. Am Freitag hatte er noch mitgeteilt, die Kommentare von Trump würden „ihn krank machen“.
Trump kartete Samstagnacht per Twitter zurück und bedankte sich bei „meinen großartigen Unterstützern in Wisconsin“.

Die wohl traurigste Figur gibt sicherlich der Ex-Rivale Ted Cruz ab. Auf dem Parteitag der Republikaner war er noch als einsamer Kämpfer gegen Trump aufgestanden und hatte ihm unter Buhrufen die Gefolgschaft verweigert, danach vor Anhängern klargestellt, er könne niemanden unterstützen, der „meine Frau beleidigt und meinen Vater als Mörder bezeichnet“ hat, am Ende war er dann doch eingeknickt und hatte sich „nach vielen Gebeten“ doch entschlossen Trump zu empfehlen. Hätte er nur wenige Tage länger durchgehalten, wäre er der Held der Partei gewesen. So blieb ihm nur ein trauriger Tweet, die Kommentare seien „verstörend“ und „einfach unentschuldbar“.

Jason Johnson, früherer Chefstratege von Cruz, fasste sein Entsetzen auf Twitter in einem Satz lapidar zusammen: „Einfach ein neuer Freitag in 2016 und ich kann mit meinen Kindern noch nicht einmal die Nachrichten schauen."

Die Washington Post berichtete derweil von Eltern, die eine schwere Zeit haben ihren Kindern zu erklären, was es bedeute, jemanden „an der ….. zu fassen.“


Auch Schwarzenegger terminiert Trump

Der unterlegene republikanische Kandidat Jeb Bush fasste die Position der Großväter mit Enkeltöchtern zusammen: „Als Großvater von zwei großartigen Mädchen kann ich nicht sehen, wie eine Entschuldigung diese verwerflichen und erniedrigenden Kommentare wegwischen könnten.“

Auch Arnold Schwarzenegger terminierte seine Wahlfreundschaft mit Trump. Per Twitter verkündete der frühere Gouverneur von Kalifornien, so „stolz ich auch bin, mich als Republikaner zu bezeichnen, es gibt etwas, das noch darüber steht. Amerikaner sein.“ Deshalb werde er nicht mehr für Trump stimmen.

Corey Lewandowsky, früherer Trump-Sprecher, durfte sich auf CNN auslassen und erklärte am Sonntag, die Einlassungen Trumps seien sicher nicht so, „wie man über Frauen sprechen sollte“, aber auf der anderen Seite wähle man ja „keinen Sonntagsschul-Lehrer“, sondern der „Führer der freien Welt“. Da scheint man dann über solche Entgleisungen dann wohl nicht zu viele Worte verlieren.

Michelle Bachmann, ultrakonservative Journalistin und frühere republikanische Kongressabgeordnete, bezeichnete die Sprüche des Donald Trump am Samstag auf MSNBC sogar nur als „dumme-Jungen-Sprüche“ und von Hillary Clinton im Hintergrund orchestriert. Das Ganze solle nur davon ablenken, wie schlimm Hillary Clinton Amerika betrogen habe und Gesprächsstoff für die zweite Präsidentschaftsdebatte liefern.

Und der 70-jährige Carl Paladino, Immobilienentwickler und enger Trump-Verbündeter aus Buffalo, New York, findet laut Washington Post-Journalist Philip Rucker eigentlich sogar überhaupt nichts Verwerfliches an dem Video. Solche Gossensprüche würden alle Männer von sich geben, jedenfalls dann, wenn sie „normal“ seien.

Bill O’Reilly, stramm rechter Kommentator auf Fox News echauffierte sich, dass „Anti-Trump-Kräfte private Gespräche“ veröffentlichten. Das passiere halt, wenn man für das Präsidentenamt kandidiere. Damit war das Thema erledigt.

Aber den Vogel in Sachen Spitzfindigkeit schoss sicherlich Susan Hutchinson, Trump-Aktivistin aus dem Bundesstaat Washington. Sie verwies darauf, dass damals, 2005, Trump schließlich noch Demokrat und nicht Republikaner war.

Das würde natürlich alles erklären. Denn solches Benehmen habe "schließlich Hillary Clintons Ehemann Bill erst salonfähig gemacht". Es wird eine heiße Nacht bei der großen Diskussion.

Quelle:  Handelsblatt Online
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