Referendum zu EU-Austritt: Brexit-Befürworter liegen in Umfragen vorn

Referendum zu EU-Austritt: Brexit-Befürworter liegen in Umfragen vorn

, aktualisiert 14. Juni 2016, 17:09 Uhr
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Zwei neuen Umfragen zufolge liegen die Brexit-Befürworter mit bis zu sieben Prozentpunkten vorn.

Quelle:Handelsblatt Online

Die Uhr tickt: Neun Tage vor der schicksalhaften Abstimmung in Großbritannien führen die Brexit-Befürworter in Umfragen und bei Buchmachern. Gegner des EU-Austritts warnen bereits vor einem „Desaster“.

LondonNeun Tage vor dem mit Spannung erwarteten Referendum in Großbritannien sind die Befürworter eines EU-Austritts im Aufwind. Bei den Buchmachern von Betfair wurde die Wahrscheinlichkeit für den sogenannten Brexit am Dienstagnachmittag auf 38 Prozent geschätzt. Am Vormittag lag sie mit 45 Prozent so hoch wie noch nie.

„Es sieht ganz danach aus, als wäre es unvermeidlich, dass die Brexit-Befürworter am Wochenende in der Mehrheit sind“, sagte ein Sprecher des Buchmachers William Hill. Buchmacher können ihre Quote praktisch in Echtzeit anpassen, nicht zuletzt dank der Online-Wettbörsen. Sie sind schneller als Meinungsforscher, die für ihre Prognosen Tausende Wähler anrufen müssen.

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Zwei neue Umfragen stützen die Annahmen der Buchmacher: Ihnen zufolge liegen die Befürworter eines Brexits mit bis zu sieben Prozentpunkten vorn. In einer Meinungsumfrage des Instituts YouGov für die Zeitung „The Times“, die am Dienstag veröffentlicht wurde, sprachen sich 46 Prozent der Befragten für einen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union aus. Die Brexit-Gegner des „Remain“-Lagers („Bleiben“) kamen demnach auf 39 Prozent, 11 Prozent der Befragten waren noch unentschlossen.

Eine Umfrage des Instituts ICM im Auftrag der Zeitung „The Guardian“ kam zu dem Ergebnis, dass die „Leave“-Kampagne („Rausgehen“) mit 53 zu 47 Prozent führe. Das Lager der unentschlossenen Befragten wurde dabei nicht berücksichtigt. Das Referendum findet am 23. Juni statt.

Britische Gewerkschaftsführer zeigten sich besorgt über die Aussicht eines möglichen Brexits. In einem im Boulevardblatt „Daily Mirror“ veröffentlichten Brief warben sie für den Verbleib Großbritanniens in der EU. Die Kampagne wurde von Labour-Chef Jeremy Corbyn unterstützt, er will sich stärker in den Wahlkampf einschalten. Der Brexit wäre „für arbeitende Menschen ein Desaster“, hieß in dem Schreiben. Es drohten Entlassungen, niedrigere Löhne und Exportrückgänge.


„Sun“ wirbt für den EU-Austritt

Er argumentiert, dass die EU Arbeitsplätze sichert, wie aus vorab veröffentlichten Rede-Auszügen hervorgeht. Corbyn wurde zuletzt immer wieder vorgeworfen, zu wenig Engagement zu zeigen. Die Regierungspartei von Premierminister David Cameron ist entgegen der Pro-EU-Partei Labour tief gespalten bei der Frage, ob Großbritannien außerhalb oder innerhalb der EU besser aufgehoben ist. Cameron selbst wirbt allerdings für einen Verbleib.

In einer Meinungsumfrage des US-Instituts Pew Research waren 52 Prozent der befragten Briten dafür, dass es dem Land – wie anderen Nationen auch – erlaubt werden müsse, sich um die eigenen Probleme zu kümmern. Rund 54 Prozent der Umfrageteilnehmer waren der Ansicht, dass Großbritannien seine eigenen Interessen verfolgen sollte, selbst wenn Verbündete klar dagegen seien. Unabhängig vom Ausgang des Referendums forderten 65 Prozent der Befragten, einige EU-Befugnisse sollten wieder der britischen Regierung übertragen werden.

Die Redaktion der beliebten Boulevardzeitung „The Sun“ sprach sich am Dienstag in einem Kommentar auf der Titelseite für einen EU-Austritt aus. Die Briten sollten sich „vom diktatorischen Brüssel befreien“, hieß es. Der Brexit-Befürworter Nigel Farage freute sich über die Unterstützung. Er sei „überglücklich“, sagte der Chef der rechtspopulistischen UKIP-Partei. Auch das Boulevardblatt „Daily Express“ forderte seine Leser auf, für den Brexit zu stimmen.

Das britische Referendum sorgt weltweit für Unruhe. Die Bundesregierung spielt verschiedene Szenarien durch, ohne jedoch Details zu nennen. Es werde ausprobiert, was getan werden müsste oder eben nicht, sagte Finanzstaatssekretär Jens Spahn in der ARD. Bezüglich möglicher Handelsabkommen mit Großbritannien bei einem Brexit sagte er: „Eins ist klar, es muss einen Unterschied machen, ob man Teil der Familie ist oder ob man nur Nachbar ist.“

Zugleich sprach sich Spahn für Veränderungen in der EU aus: „Europa wird so oder so in beiden Fällen nicht einfach so weitermachen können.“ Ähnlich äußerte sich auch der Chef des Euro-Rettungsschirms, Klaus Regling. Seiner Meinung nach sollte es den 28 Mitgliedsstaaten künftig möglich sein, sich unterschiedlich schnell in die Gemeinschaft zu integrieren.

Quelle:  Handelsblatt Online
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