Reichenhaller Markensalz: Auf der Suche nach dem Edelkristall

Reichenhaller Markensalz: Auf der Suche nach dem Edelkristall

, aktualisiert 23. Januar 2016, 13:02 Uhr
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Bis zu zehn Euro für 125 Gramm Alpensalz.

von Martin TofernQuelle:Handelsblatt Online

Die Traditionsmarke Bad Reichenhall ist zwar weltbekannt, doch das garantiert auf einem gesättigten Markt noch lange keinen Erfolg. Wie der Hersteller versucht, die Sehnsucht der Kunden nach dem Besonderen zu nutzen.

Bad ReichenhallDer Stoff, um des hier geht, ist alt. Sehr alt sogar, nämlich etwa 250 Millionen Jahre. Er heißt Natriumchlorid, gemeinhin besser bekannt als Salz. Es ist durch Verdunstung aus dem Urmeer entstanden. In der Natur kommt Salz entweder gelöst in Wasser vor als Sole oder in fester Form als Steinsalz. Es findet sich zum Beispiel in den Alpen, wo es tief unter Felsenschichten begraben liegt. In Millionen von Jahren haben unterirdische Quellen das Salz aus dem Felsen gelöst. Große Vorkommen finden sich in dem Gebiet zwischen Berchtesgaden und Bad Reichenhall, wo auch das Bad Reichenhaller Markensalz hergestellt wird. Die Sole wird aus den Felsen in die Saline gepumpt. Dort wird es gesiedet bis das Wasser verdunstet und dann getrocknet. Dabei verbraucht die Saline Reichenhall an einem Tag so viel Energie wie ein ganzes Oktoberfest.

Bad Reichenhaller Markensalz hat in Deutschland eine Markenbekanntheit von 85 Prozent, ist damit also das Tempo-Taschentuch unter den Speisesalzen. Die Saline Bad Reichenhall ist aber kein eigenständiges Unternehmen mehr, sondern gehört zur Südsalz GmbH, die wiederum zur Südwestdeutsche Salzwerke AG in Heilbronn gehört. „Ist mir doch egal, wem das Werk gehört, in dem das Salz für mein Frühstücksei hergestellt wird“, werden Sie jetzt vielleicht denken. Aber ganz so einfach kann man es sich nicht machen, denn auch hier hängt vieles mit vielem zusammen.

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Die Firma Südwestdeutsche Salzwerke lebt, ähnlich wie der deutlich größere Wettbewerber K+S, zum Beispiel auch vom Verkauf von Streusalzen für den Winterdienst auf bundesdeutschen Straßen. Doch seit geraumer Zeit sind die Winter in unseren Breiten immer weniger frostig, der Verkauf von Streusalz geht zurück. Also muss die Saline in Bad Reichenhall ran. „Bei milderen Wintern verkaufen wir weniger Streusalz. Diesen Rückgang wollen wir ausgleichen, indem wir unter anderem mehr Speisesalz verkaufen“, sagt Ulrich Fluck, einer von zwei Vorständen der Südwestdeutschen Salzwerke und zuständig fürs Marketing. Das hätte noch einen weiteren Vorteil: „Mit Speisesalz erzielen wir eine deutlich höhere Marge als mit Streusalz“, sagt Fluck.

Die beste Marge erzielen die Reichenhaller, wenn sie ihr Salz nach Japan verkaufen. Die sind bereit, für 125 Gramm Alpensalz bis zu zehn Euro zu bezahlen. Salz aus den Alpen gilt in Japan als besonders feine Delikatesse. So wie bei uns in Europa das Salz aus dem Himalaya, das ebenfalls so teuer wie möglich unters Volk gebracht werden soll.

Wie aber soll auf einem vermutlich ziemlich gesättigten Markt mehr Salz verkauft werden? „Wir können das Salz ja nicht neu erfinden, es ist immer Natriumchlorid“, sagt Marketingmann Fluck. Aber man kann sein Produkt vielleicht veredeln. „Der Verbraucher verlangt nach natürlichen Produkten mit klarem Heimatbezug“, weiß Fluck. Deshalb haben er und seine Kollegen die neue Marke „Alpensaline“ erfunden.

Verpackt in einen braunweißen Karton mit dem Aufdruck von alten Fotos hat es eine Bio-Anmutung. Es ist etwas grober als normales Speisesalz und wird ohne Trennmittel oder andere Zusatzstoffe hergestellt. Dieses Alpensalz gibt es dann auch noch als grobes Alpensalz, Bio-Brotzeitsalz und Bio-Kräutersalz, alle Produkte sollen vor allem im Naturkostfachhandel angeboten werden. Um das Engagement für die Region zu unterstreichen, unterstützen die Reichenhaller den Nationalpark Berchtesgaden mit einem Teil des Verkaufserlöses für den Schutz des bedrohten Steinadlers.


Jodsalz seit den 1950er Jahren

Mit dem Anreichern und Verfeinern von Salz haben die Bad Reichenhaller schon viel Erfahrung. Bereits Ende der 1950er-Jahre brachten sie ein Speisesalz auf den Markt, das mit Jod angereichert war. Das „Bayrische Vollsalz gegen Kropfbildung“ war nach eigener Darstellung „eine wichtige Maßnahme gegen den Jodmangel in Deutschland.“ 1970/71 wurde der Markenname „Bad Reichenhaller“ kreiert.

In den 80er-Jahren kam das erste Kräuterjodsalz auf den Markt, 1992 bietet die Marke als erste in Deutschland Speisesalz mit Fluorid an, was die Zähne festigen soll. Zehn Jahre später kam das Salz noch mit dem Zusatzstoff Folsäure auf den Markt. Es soll die Neubildung von Zellen unterstützen. 2015 brachten die Reichenhaller neben der Produktlinie Alpensaline auch noch „Gourmetsalze“ auf den Markt. Salz, das etwa mit kräftig duftenden und hübsch aussehenden Bergkräutern angereichert wird. Doch bei diesen Produkten muss die Marke noch kämpfen. „Bei unserem Gourmetsalz sind Design und Verpackung noch nicht der große Wurf, da wollen wir nochmal ran“, sagt Salzwerke-Vorstand Fluck leicht zerknirscht.

Welchen Anteil das Bad Reichenhaller Markensalz zum Umsatz der Südwestdeutschen Salzwerke AG beiträgt, will die Firma nicht verraten. Aber die Mutter machte im Jahr 2014 einen Umsatz von knapp 224 Millionen Euro, das operative Ergebnis lag bei 19,16 Millionen Euro. 2013 waren es noch gut 306 Millionen Umsatz, das Ergebnis lag bei 56,58 Millionen. Ungefähr 1.100 Menschen arbeiten für das Unternehmen, davon zirka 170 in Reichenhall. Und diese 170 Leute produzieren pro Tag etwa 850 Tonnen Salz, natürlich nicht nur Speisesalz.

Direkter Wetterbewerber der Reichenhaller ist der hessische Salzproduzent K+S. Es vertreibt die Speisesalzmarken Sonnensalz, Saldoro, Cerebos, Vatel und produziert auch für Aldi und Lidl. Außerdem produziert das Unternehmen ein Speisesalz namens Balance. Es enthält 50 Prozent weniger Natrium und schmeckt weniger salzig. Darüber hinaus produziert auch K+S Salze für die Nahrungsmittelindustrie, Industriesalze für die Chemische Industrie sowie Streusalz. K+S ist ungleich größer als die Südwestdeutschen Salzwerke. Allein von Januar bis September 2015 erzielten 14.378 Mitarbeiter einen Umsatz von rund 3,18 Milliarden Euro, das operative Ergebnis lag bei 628 Millionen Euro.

Doch in einem Punkt sind die Reichenhaller ihren hessischen Wettbewerbern um Längen voraus: Mit der alten Saline Bad Reichenhall haben sie nach ihrer tiefsten Überzeugung die schönste Saline der Welt. Sie dient heute als Museum, in dem noch die alten Pumpenräder zu sehen sind sowie die Stollen, in denen gegen Ende des 18. Jahrhunderts nach den Solequellen gegraben wurde.

Quellle:  Handelsblatt Online
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