Rekord beim Außenhandel: Was den deutschen Exporterfolg überschattet

Rekord beim Außenhandel: Was den deutschen Exporterfolg überschattet

, aktualisiert 09. Mai 2017, 11:29 Uhr
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Kurz vor Sonnenaufgang im Hamburger Hafen zu sehen. Nach den neuen Rekorden fürchtet die Wirtschaft ein Ende des Exportbooms.

von Norbert HäringQuelle:Handelsblatt Online

Deutsche Produkte sind im Ausland gefragt wie nie, die Wirtschaft meldet Rekordexporte. Doch die Kritik am Leistungsbilanzüberschuss sorgt für Unruhe in den Unternehmen. Handelsbarrieren würden Deutschland hart treffen.

Die deutsche Wirtschaft hat im März einen neuen Ausfuhrrekord aufgestellt, trotz des politischen Gegenwinds gegen den Freihandel und des britischen EU-Austritts. In die Freude der Industrie mischt sich trotzdem die Sorge über die Zukunft.
Mit Waren im Wert von 118 Milliarden Euro exportierten sie so viel wie bisher noch nie in einem Monat und 10,8 Prozent mehr als im Vorjahresmonat, teilte das Statistische Bundesamt mit. Der Anstieg ist durch die späten Osterferien in diesem Jahr überzeichnet, aber auch saison- und kalenderbereinigt verzeichnete der Export einen Monatsrekord.

Aufgrund des starken Exportschwerpunktes profitiert die deutsche Wirtschaft besonders von der Belebung der Weltkonjunktur. Die Ausfuhren in Länder außerhalb der EU, die nicht ganz die Hälfte des deutschen Außenhandels bestreiten, nahmen mit knapp 14 Prozent besonders stark zu.

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Deutschland steht international in der Kritik wegen seines seit Jahren sehr hohen Exportüberschusses. Dieser veränderte sich im März kaum, weil die Importe prozentual noch stärker zunahmen als die Exporte. In absoluten Euro-Beträgen waren beide Zuwächse etwa gleich stark. Mit 25,4 Milliarden Euro war der Überschuss im März sogar um 400 Millionen kleiner als vor einem Jahr.

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Container im Hamburger Hafen. Quelle: dpa

Der Leistungsbilanzüberschuss allerdings, der auch den Dienstleistungsverkehr und Kapitaleinkommen einschließt, war mit 30,2 Milliarden Euro etwas größer als im Vorjahr. In den ersten drei Monaten des Jahres zusammen waren Handels- und Leistungsbilanz mit 58 und 65 Milliarden Euro etwas größer als im gleichen Zeitraum 2016.

Die Entscheidung der Briten, die EU zu verlassen, die das britische Pfund stark gedrückt hat, scheint im Außenhandel bereits Spuren zu hinterlassen. Die Ausfuhren in die EU-Länder, die nicht der Eurozone angehören, wuchsen mit 7,8 Prozent am schwächsten, während die Importe aus dieser Ländergruppe mit plus 15 Prozent überproportional zulegten.

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US-Dollar Quelle: dpa

„Unsere Exportwirtschaft profitiert von der anziehenden Weltkonjunktur. Made in Germany bleibt gefragt an den Weltmärkten“, kommentiert der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie, Joachim Lang, den Exportrekord und fügte hinzu: „Eine Abkehr von offenen Märkten und eine Hinwendung zum Protektionismus wären für Deutschland und ganz Europa ein Schritt in die falsche Richtung.“

Die Warnung kommt nicht von ungefähr gleich hinter der Jubelmeldung. Nach den Regeln der EU gilt ein Leistungsbilanzüberschuss von mehr als sechs Prozent des Bruttoinlandsprodukts als ein makroökonomisches Ungleichgewicht. 2016 betrug der deutsche Überschuss 261 Milliarden Euro oder gut acht Prozent der Jahreswirtschaftsleistung.

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Quelle: dpa

Während es die EU-Kommission bisher immer bei einer Rüge ohne Konsequenzen gelassen hat, ruft die immer schärfer werdende Kritik aus Washington in Berlin und in den Unternehmenszentralen größere Sorgen hervor. Denn die Trump-Regierung droht mit protektionistischen Maßnahmen und hat bereits Verfahren wegen Dumpings gegen deutsche Exporteure eingeleitet.

Insofern nimmt der überproportionale Anstieg der Importe zwar etwas Wasser von den Mühlen der Kritiker. Da jedoch das Importvolumen so viel kleiner ist als das Exportvolumen, reicht er nicht aus, die Überschüsse auf ein verträgliches Maß zu drücken. Dafür müssten schon die deutschen Unternehmen und der deutsche Staat mehr investieren und der heimische Konsum – zum Beispiel durch höhere Lohnabschlüsse – belebt werden. Bisher ist die Lohnentwicklung in Deutschland nicht so, wie man sie von einem einsamen Spitzenreiter in Sachen Wirtschafts- und Arbeitsmarktentwicklung unter den großen europäischen Ländern erwarten würde.

Quelle:  Handelsblatt Online
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