Rekord-Kapitalerhöhung gestartet: Italienische Unicredit unter Druck

Rekord-Kapitalerhöhung gestartet: Italienische Unicredit unter Druck

, aktualisiert 06. Februar 2017, 11:23 Uhr
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Unicredit-Chef Jean-Pierre Mustier (l.) und der Generaldirektor für Italien, Gianni Franco Papa, haben die Kapitalerhöhung im Visier.

Quelle:Handelsblatt Online

Der Start der größten Kapitalerhöhung der italienischen Wirtschaftsgeschichte macht Unicredit zu schaffen. Die Aktien der HVB-Mutter fielen am Montagvormittag an der Mailänder Börse um bis zu 2,5 Prozent auf 12,78 Euro.

Düsseldorf/FrankfurtDas größte italienische Geldhaus benötigt 13 Milliarden Euro, um Abschreibungen auf faule Kredite auszugleichen. Aktionäre erhalten für fünf alte Anteilsscheine 13 neue, die zu einem Preis von je 8,09 Euro ausgegeben werden.

Dabei handelt es sich um die größte Kapitalerhöhung der italienischen Wirtschaftsgeschichte. Der italienischen Großbank gehört unter anderem die Münchner HypoVereinsbank. An der Mailänder Börse fielen die Aktien der Mutter um bis zu 2,5 Prozent auf 12,78 Euro. Der Preis für die Bezugsrechte rutschte um 6,7 Prozent auf 12,18 Euro ab.

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Erst in der vergangenen Woche hatte sich Italiens größte Bank mit den Gewerkschaften auf den Abbau von 3900 Jobs im Land geeinigt. Damit seien die Verhandlungen in den Ländern Italien, Deutschland und Österreich abgeschlossen, teilte die Bank mit. Im Dezember hatte CEO Jean Pierre Mustier den Abbau von insgesamt 14.000 Jobs bis 2019 angekündigt.

UniCredit erwartet für 2016 einen Verlust von fast zwölf Milliarden Euro. Schuld seien negative Einmaleffekte, teilte die Bank kürzlich mit. Ohne diese hätten unter dem Strich schwarze Zahlen gestanden. Weitere Details will der italienische Branchenprimus am 9. Februar veröffentlichen.

Unicredit-Chef Mustier macht mit der heutigen Emission Tempo: Die Kapitalerhöhung der Bank startet eine Woche früher als ursprünglich geplant und noch vor der Vorstellung des Jahresergebnisses 2016. In den nächsten fünf Wochen bis zum 10. März will die Bank, an deren Spitze seit vergangenem Herbst der Franzose Mustier steht, den Aktionären einen Rabatt von 38 Prozent auf den Kurs bieten. Bei der letzten Kapitalerhöhung um 7,5 Milliarden Euro vor fünf Jahren hatte der Preisnachlass 43 Prozent betragen.

Mit Spannung war an den Märkten auf die Festsetzung des Preises für die 1,6 Milliarden neuen Aktien gewartet worden, die auch in Deutschland und Polen angeboten werden: Eine neue Aktie soll 8,09 Euro kosten. Aktionäre können für je fünf gehaltene Papiere 13 neue erhalten. Ein Bankenkonsortium garantiert die Kapitalerhöhung. Die Großbank gilt die als einziges Institut in Italien als systemrelevant.

Die Kapitalerhöhung ist Kern der derzeitigen Strategie. Das Ziel ist es, bis 2019 die harte Kernkapitalquote auf über 12,5 Prozent zu steigern. Zudem will Unicredit den Abbau der faulen Kredite beschleunigen. Die Europäische Zentralbank hatte verlangt, dass die Mailänder Bank bis Ende Februar eine Strategie vorlegt, wie sie mit den Problemkrediten umgehen will, die 17,7 Milliarden Euro betragen.

Nur drei Tage nach dem Start der Kapitalerhöhung steht in dieser Woche ein Termin an, der die Operation nicht gerade beflügeln wird: Die HVB-Mutter legt die Zahlen für das Geschäftsjahr 2016 vor.  Schon jetzt wird auf Basis vorläufiger Berechnungen ein Verlust von 11,8 Milliarden Euro erwartet, wie die Bank selbst zu Wochenbeginn in einem mehr als 1000-seitigen Prospekt mitgeteilt hatte.

Das Problem der faulen Kredite könne einmalige negative Auswirkungen auf das Nettoergebnis des vierten Quartals 2016 haben, heißt es in dem Registrierungsdokument. Der Konzernumbau führte im vierten Quartal zu Abschreibungen von 12,2 Milliarden Euro. Und das dürfte Auswirkungen auf den Jahresabschluss haben. 

Unicredit leidet an einer dünnen Kapitaldecke. Um die Ziele des Strategieplans zu erreichen, sind Entlassungen vorgesehen, um die Bank rentabler zu machen. 14.000 Stellen sollen in den kommenden Jahren bis 2019 wegfallen, davon rund 1500 bei der Münchner Tochter HVB. Dazu kommen Filialschließungen. Zu den Vorbereitungen der Kapitalerhöhung gehört außerdem, dass die Mailänder Bank im laufenden Jahr eine Sonderdividende von drei Milliarden Euro von der HVB abzieht, wie Unicredit am Montag mitgeteilt hatte.    

Analysten zeigten sich erstaunt über den vorzeitigen Start der Kapitalerhöhung. Das Management wolle vom guten Marktumfeld profitieren und so dem Risiko entgegenwirken, dass die Operation unter schlechteren Vorzeichen über die Bühne gehen müsse, heißt es in Mailand. Die Großbank gilt die als einziges Institut in Italien als systemrelevant.

Quelle:  Handelsblatt Online
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